Bilal El Khannouss vom VfB Stuttgart darf sich nun doch noch Afrika-Cup-Sieger nennen. Das hat die Sportgerichtskammer des CAF entschieden. Ein Blick auf das Prozedere.
Als langjähriger Beobachter des afrikanischen Fußballs ist man einiges gewohnt. Was der Beschwerdeausschuss des Confederation Africaine du Football (CAF) am späten Dienstagabend bekannt gab, hat dann doch noch einmal eine neue Qualität. Fast exakt zwei Monate nach dem Finale von Rabat wird dem Senegal der Sieg aberkannt. Das Spiel wird mit 3:0 für Marokko gewertet, der in afrikanischen Fußballkreisen einflussreiche Verband, gleichzeitig Gastgeberland des Turniers, bekommt den Titel so nachträglich zugesprochen. Bilal El Khannouss vom VfB Stuttgart ist damit Afrika-Cup-Sieger 2025. Zumindest vorläufig. Doch dazu später mehr.
Blick zurück auf ein denkwürdiges Finale
Erst einmal lohnt ein Rückblick auf das Finale von Rabat, um die Zusammenhänge zu verstehen. Der Senegal und Gastgeber Marokko lieferten sich einen intensiven Schlagabtausch. In der Nachspielzeit der regulären Spielzeit (90.+6) gab es nach einem strittigen VAR-Eingriff einen Elfmeter für Marokko, und ein Tor für den Senegal wurde aberkannt. Daraufhin verließen die senegalesischen Spieler aus Protest kurzzeitig den Platz, kehrten aber auf Drängen von Sadio Mané zurück. Auf den Rängen gab es Tumulte. Mit einer Verspätung von 14 Minuten wurde die Partie wieder fortgeführt. Brahim Díaz vergab anschließend den Elfmeter für Marokko mit einem kläglichen Panenka-Versuch. Der Senegal siegte dann mit 1:0 nach Verlängerung. Pape Gueye erzielte in der 113. Minute das entscheidende Tor.
Das alles ist nun nichtig durch die Entscheidung des CAF. Unter Berufung auf Artikel 82, 83 und 84 der Spielordnung wird die Partie für Marokko gewertet. Die Nordafrikaner bekommen dadurch ihren ersten Afrika-Titel seit 1976 zugesprochen. Senegals Nationaltrainer Pape Thiaw wurde für fünf Spiele gesperrt und mit einer Geldstrafe von 100 000 Dollar belegt, weil er die Spieler nach einem aberkannten Tor zum Verlassen des Platzes aufgefordert und damit die Spielunterbrechung verursacht hatte. Auch der senegalesische Fußballverband wurde wegen des Verhaltens der Mannschaft und ihrer Anhänger mit einer Geldstrafe von 615 000 Dollar belegt.
Gleichzeitig wird der Berufung von Marokkos Star Ismael Saibari teilweise stattgegeben, er hatte sich gegen ein CAF-Urteil gewehrt, das ihm eine Sperre von zwei Spielen und eine Geldstrafe von 100 000 Dollar auferlegt hatte wegen ungebührlichen und unsportlichen Verhaltens im Finale von Rabat.
Fazit des Urteils
Das Urteil kann als Schlag ins Gesicht des Senegals gewertet werden. Marokko dagegen kann sich zumindest vorläufig über den Titel freuen. Denn wie zu erwarten war, hat der Senegal bereits reagiert. Der Verband Senegals legte gegen die Entscheidung Berufung beim internationalen Sportgerichtshof Cas ein und bezeichnete das Urteil als „unfaire, beispiellose und inakzeptable Entscheidung, die den afrikanischen Fußball diskreditiert“. Ausgang offen.