An der Haltestelle Schemppstraße heißt es Treppen steigen oder einen Umweg in Kauf nehmen. Foto: Sebastian Steegmüller/Jürgen Bock

Gleich mehrere Fehler setzen einen Fahrstuhl in Sillenbuch seit August außer Betrieb. Auch an der Uni Vaihingen steht ein Aufzug zur S-Bahn still, die Ursache ist noch unklar.

Die Haltestelle Schemppstraße in Stuttgart-Sillenbuch hat eigentlich alles, was sich Fahrgäste wünschen: eine langgezogene Rampe, die Radfahrer nutzen können. Und einen Aufzug, der Rollstuhlfahrer und Familien mit Kinderwagen mühelos vom Bahnsteig zur Kirchheimer Straße bringt. Nur dieser Fahrstuhl ist seit knapp einem halben Jahr defekt.

 

Aufzug vorübergehend außer Betrieb“, ist an der gläsernen Tür des Aufzugs zu lesen. Außerdem weist die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) gemeinsam mit dem städtischen Tiefbauamt daraufhin, dass die Anlage zur Sicherheit der Fahrgäste instand gesetzt wird.

Von der Haltestelle führt ein Fußweg ohne Treppen zur Kirchheimer Straße. Foto: Sebastian Steegmüller

Die Bitte um Verständnis kommt offenbar nicht bei jedem Fahrgast gut an. „Schande, Stuttgarter Straßenbahn“ stand in großen Lettern auf einem weiteren Zettel, der unterhalb des offiziellen Schreibens angebracht worden war, aber mittlerweile entfernt wurde. „Stillstand bis zum Sankt Nimmerleinstag. Viele ältere Leute, Mütter mit Kinderwagen und so weiter würden den Aufzug gerne benutzen. Nein, die Stadt muss sparen. Grüße an Herrn Nopper, ein Gehbehinderter!“ war darauf zu lesen.

TÜV hat Umbau zugestimmt

„Am Aufzug ist Ende August 2025 eine Störung des elektronischen Türkontakts aufgetreten. Für dieses sicherheitsrelevante Bauteil ist kein Ersatzteil mehr lieferbar. Aus diesem Grund hat die Herstellerfirma den Umbau auf einen mechanischen Türkontakt vorgeschlagen“, sagt SSB-Sprecherin Birgit Kiefer. Der Vorschlag wurde mit dem TÜV abgestimmt und Ende September von diesem freigegeben. Im Anschluss erteilte das städtische Tiefbauamt dem Hersteller den Reparaturauftrag.

Anfang Dezember wurde im Zuge des Umbaus jedoch festgestellt, dass ein weiteres Bauteil erneuert werden muss. „Die Arbeiten wurden im Januar unmittelbar nach Erhalt des Ersatzteils fortgesetzt“, sagt Birgit Kiefer. Und wieder lief der Einbau nicht reibungslos. „Zum Zeitpunkt der geplanten Wiederinbetriebnahme der Anlage trat eine weitere Störung auf. Der Anlagenhersteller sucht derzeit den Fehler und behebt die Störung. „Nach der abschließenden TÜV-Abnahme an diesem Freitag, 6. Februar, wird der Aufzug voraussichtlich im Verlauf der kommenden Woche wieder nutzbar sein“, sagt die SSB-Sprecherin.

60 Aufzüge zu SSB-Haltestellen

Birgit Kiefer kann zudem Positives von einem weiteren Fahrstuhl berichten: An der Haltestelle Stadtmitte ist der Fehler gefunden. In den kommenden Tagen soll ein Bauteil getauscht werden, dann wird auch dieser Aufzug voraussichtlich wieder funktionieren. „Der SSB ist es ein großes Anliegen, dass ihre 60 Aufzüge funktionieren und die Haltestellen barrierefrei zu erreichen sind. Dies ist bei den genannten Haltestellen dank langgezogener Rampen sichergestellt.“ Körperlich eingeschränkte Fahrgäste und Eltern mit Kinderwagen werden es trotzdem kaum erwarten können, dass die Aufzüge wieder funktionieren. Solche Rampen können Fahrstühle nicht ersetzen, stellen eine erhebliche Barriere dar.

Nicht nur an Haltestellen der SSB bereiten Aufzüge Probleme. Seit 9. Januar ist auch an der S-Bahn-Haltestelle Universität Vaihingen ein Fahrstuhl außer Betrieb. „An dem Aufzug gibt es Unregelmäßigkeiten mit dem Gegengewicht. Es stellt sicher, dass die Fahrkabine im Gleichgewicht bleibt und der Antrieb gleichmäßig beansprucht wird“, sagt ein Bahnsprecher am Mittwoch. „Der Hersteller des Aufzugs sucht mit Hochdruck nach dem Fehler. Das ist deshalb kompliziert, weil die Ursache nur sporadisch auftritt.“ Bis zur Beseitigung der Störung bleibe der Aufzug, der erst im Jahr 2023 eingebaut worden ist, bis auf Weiteres außer Betrieb. Die Station ist für mobilitätseingeschränkte Fahrgäste derzeit nur über Gleis 1 barrierefrei zugänglich, Gleis 2 nicht. Sie müssen Umwege in Kauf nehmen, beispielsweise zu den nächsten Haltestellen Schwabstraße oder Österfeld fahren und dort an den Mittelbahnsteigen in die Gegenrichtung umsteigen. Auch die Bahn bittet mobilitätseingeschränkte Fahrgäste für entstehende Schwierigkeiten um Entschuldigung.