Die neuen Windräder auf dem Schurwald an der Grenze zum Kreis Göppingen sind zu laut. Foto: /Bulgrin

Ende Dezember sind die beiden neuen Windräder auf dem Schurwald in Betrieb gegangen. Doch seit März stehen die Anlagen still. Massive Proteste von Anliegerinnen und Anliegern sind dem Stopp vorausgegangen.

Die beiden neuen Windräder auf dem Schurwald im Windpark Königseiche/Sümpflesberg bei Ebersbach (Kreis Göppingen) stehen seit dem 4. März still. Grund sind Beschwerden von Anliegerinnen und Anliegern über störende Geräusche, die von den beiden Anlagen ausgehen. Ein kurzer Testbetrieb in diesen Tagen soll klären, ob der Lärm von bestimmten Windgeschwindigkeiten oder einem Getriebeschaden abhängt. Die Bürgerinitiative Pro Schurwald sieht sich in ihrer Einschätzung zur Lärmbelästigung bestätigt.

 

„Beim Landratsamt gingen zahlreiche Beschwerden insbesondere wegen Brummtönen sowie tieffrequenten Geräuschen ein“, erklärt die Kreisverwaltung Göppingen auf Anfrage unserer Zeitung. Daraufhin habe die Firma Uhl Windkraft Projektierung aus Ellwangen Auffälligkeitsmessungen durchgeführt. Die beiden Windenergieanlagen stehen auf der Gemarkung Ebersbach – nicht weit entfernt von der Grenze zum Kreis Esslingen – und waren Ende Dezember 2024 erstmalig in Betrieb genommen worden.

Die Bürgerinitiative fordert die Stilllegung

Laut der Kreisbehörde habe diese erste Messung ergeben, „dass bei niedrigen Windgeschwindigkeiten bis zu circa 6,5 Meter pro Sekunde eine Auffälligkeit im Emissionsverhalten der Anlagen vorliegt.“ Und deshalb stünden die beiden Anlagen seit dem 4. März still.

Die Bürgerinitiative Pro Schurwald hat ebenfalls die Geräuschproblematik analysiert und kommt zu dem Schluss: „Die Ergebnisse sind eindeutig und erfordern die unverzügliche Stilllegung der Windkraftanlagen.“ Vor allem im Uhinger Ortsteil Baiereck sei die Situation außergewöhnlich und einzigartig, da das Brummen und Dröhnen dort extrem hoch seien.

Große Schneisen sind für den Bau der Windräder in den Wald geschlagen worden. Foto: Corinna Meinke

Laut der Bürgerinitiative ergeben sich Beurteilungspegel von bis zu 45 dB(A), wobei der nächtliche Immissionsrichtwert für Allgemeine Wohngebiete höchstens 40 dB(A) erlaube. Das regelt die TA-Lärm, die Technische Anleitung Lärm, die vor schädlichen Umwelteinwirkungen durch Geräusche schützt. Die hier gemessene Überschreitung um fünf dB(A) sei erheblich, da bereits drei dB(A) mehr eine Verdoppelung des Schallpegels bedeuteten.

Beschwerden über Brummtöne hätten die Bürgerinitiative außerdem aus den Schurwaldgemeinden Ebersbach-Büchenbronn und Ebersbach-Krapfenreuth sowie aus Lichtenwald-Thomashardt erreicht.

Als problematisch schätzt die Gruppe um Sprecher Michael Haueis auch die gemessenen tieffrequenten Töne ein. Diese wirkten in die Innenräume von Wohnungen hinein, ohne dass sich die Bewohner dagegen schützen könnten, teilt der Lichtenwalder mit. Diese Töne könnten zu erheblichen Gesundheitsproblemen führen.

Für die Bürgerinitiative ist nicht erkennbar, „ob dieser Themenkomplex im Rahmen des Genehmigungsverfahrens geprüft wurde. Das Auftreten tieffrequenter Töne stellt somit eventuell einen nicht genehmigten Betrieb der Nordex-Anlagen dar“, folgert der Sprecher und erklärt: „Wir erwarten vom Landratsamt Göppingen sicherzustellen, dass die beiden Windkraftanlagen nur gesetzes- und genehmigungskonform betrieben werden.“

Was sind die Ursachen für den Lärm?

In diesen Tagen hat ein Testbetrieb der beiden Anlagen stattgefunden. Er soll klären, welche technischen Ursachen es für die Lärmbelästigung gibt und ob der Lärm möglicherweise jeweils mit einem Getriebeschaden der Windkraftanlagen zusammenhängt.

„Wir gehen davon aus, dass die Lärmthematik nicht mehr vorhanden sein wird, sobald die notwendigen technischen Reparatur- oder Austauscharbeiten erfolgt sind“, lässt das Umweltschutzamt in der Göppinger Kreisbehörde wissen und erklärt das weitere Prozedere so: „Durch eine vorgenommene Softwareprogrammierung sollen die Windkraftanlagen zunächst erst ab einer Windgeschwindigkeit von 6,5 Meter pro Sekunde in Betrieb gehen.“ Dadurch soll gewährleistet werden, dass die Anlagen „erst bei Windgeschwindigkeiten in Betrieb gehen, die für das Auftreten der bei der Auffälligkeitsmessung festgestellten Frequenzen unkritisch sind.“

Windräder bleiben bei wenig Wind außer Betrieb

Laut der Behörde bleiben die Windräder bei niedrigeren Windgeschwindigkeiten „weiterhin außer Betrieb, bis finale technische Abhilfemaßnahmen umgesetzt wurden. Um die neue Programmierung der Anlagen und die Auswirkungen auf das Emissionsverhalten zu testen, sei ein Betrieb der Anlagen notwendig. Während dieses Testbetriebs werde eine Schallvermessung an denselben vier Messpunkten wie bei der letzten Auffälligkeitsmessung durchgeführt.

Außerdem erklärt die Göppinger Kreisbehörde, sollte sich herausstellen,„dass die Anlagen nicht genehmigungskonform betrieben werden können“ sei deren Stilllegung auf Dauer denkbar.

Dank der in diesen Tagen vorausgesagten Windverhältnisse mit Windgeschwindigkeiten größer als 6,5 Meter pro Sekunde, rechne man mit einem lediglich zweitägigen Testbetrieb. Ein Dauerbetrieb auch innerhalb der unkritischen Windgeschwindigkeitsbereiche werde erst nach Vorliegen eines positiven Testergebnisses wieder möglich sein.

Hoher Anteil von Strom aus Windkraft

Belästigung
Nachdem Beschwerden beim Landratsamt Göppingen eingegangen waren, haben die Betreiberfirma sowie die Herstellerfirma mehrmals die Anlagen auf Mängel überprüft, teilt das Landratsamt mit. Hierbei seien Einstellungen an den Blattwinkeln vorgenommen worden. Als besonders belästigend werde von den Anwohnern das Anlagengeräusch bei Südwestwind wahrgenommen. Daraufhin hatte der Betreiber die Anlagen bei dieser vorherrschenden Windrichtung während der Nacht bereits mehrmals abgeschaltet.

Ziele
Der Landkreis Göppingen will bis 2040 klimaneutral werden. Um regional mehr nachhaltig erzeugten Strom zu gewinnen, sollen Photovoltaik und Windkraft weiter ausgebaut werden. 2019 wurden 323 Gigawattstunden Strom lokal aus erneuerbaren Quellen erzeugt, davon macht Strom aus Windkraft 48 Prozent aus. Der Kreis Göppingen liegt mit 32 Prozent Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen über dem Landesschnitt von 23 Prozent.