Jeff Chabot hat vor dem Duell mit seinem Ex-Club 1. FC Köln gut lachen: Der VfB-Innenverteidiger ist durch seine starken Leistungen der Eckpfeiler in der Stuttgarter Hintermannschaft. Foto: Baumann/Hansi Britsch

Jeff Chabot ist für den VfB-Trainer Sebastian Hoeneß die zentrale Figur in seiner Abwehr. Doch es klopfen auch andere Vereine bei dem 28-Jährigen an.

Es hat schon ein paar Nehmerqualitäten bedurft, die Sebastian Hoeneß beim enttäuschenden 1:2 am Hamburger Millerntor mit auf den Platz bringen musste. Da war zum einen der Kampf mit dem klassisch hanseatischen Schietwetter, also mit Regen und Wind. Dann beschäftigte den VfB-Trainer schon da eine bis dato anhaltende, hartnäckige Erkältung; zudem plagten den Stuttgarter Chefcoach auch noch leichte Bauchschmerzen – diese allerdings nur im übertragenen Sinn.

 

Das flaue Gefühl im Magen hatte mit der Konstellation im Zentrum seiner Viererkette zu tun, wo auf St. Pauli Ramon Hendriks und Finn Jeltsch Dienst taten. Wer fehlte, war Jeff Chabot, wobei die Beweggründe von Hoeneß, seinen Abwehrchef auf die Bank zu beordern, durchaus überzeugten. „Jeff ist der einzige Spieler in diesem Jahr gewesen, der jedes Spiel begonnen hat – das ist vielleicht nicht jedem klar gewesen. Dass ich Jeff gerade sehr ungern rausnehme, ist in den letzten Wochen ja sichtbar geworden.“

Doch die Gelegenheit für eine Pause schien mit dem Spiel beim Vorletzten eine günstige. Diese Rechnung ging aber nicht auf: Vielmehr zeigte die Partie, wie wichtig „Jeff, Le Chef“ für die Stabilität der Stuttgarter Hintermannschaft geworden ist.

So strebt der Status des Ex-Kölners in seiner aktuellen Topform inzwischen nahe in Richtung des Attributs „unverzichtbar“, weshalb auch Hoeneß, der um seine Startaufstellung gerne ein großes Geheimnis macht, bereits zwei Tage vor Anpfiff an diesem Samstag (18.30 Uhr) gegen den FC klarstellt: „Jeff wird spielen.“

Schließlich hat sich Julian Jeffrey Gaston Chabot, geboren im hessischen Hanau, in seinen anderthalb Stuttgarter Jahren derart weiterentwickelt, dass nicht nur der deutsche Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus über die 1,95-Meter-Kante mit deutschem Vater und französischer Mutter sagt: „Er ist einer für Bundestrainer Julian Nagelsmann – und die WM.“

Auch Hoeneß war an diesem Donnerstag, an dem Chabot seinen 28. Geburtstag feierte, voll des Lobes über den Linksfuß, dessen Spieleröffnung noch zu seinen Anfängen im VfB-Trikot eher mittelmäßig war: „Jeff ist für uns aktuell der zentrale Verteidiger. Er gibt uns Sicherheit, eine riesige Qualität in der Luft. Er ist im Spielaufbau richtig gut, hat sich da sehr gut entwickelt“, lobte sein Trainer: „Jeff hat schon ein richtig gutes Grundniveau gehabt, als er kam – und er hat nochmal einen richtigen Sprung gemacht. Er ist sowohl sportlich wie auch charakterlich ein absoluter Leader in unserer Mannschaft.“

Jeff Chabot im Januar 2022 als Serie-A-Spieler im Trikot von Sampdoria Genua. Foto: imago images/ZUMA Press

Allerdings weckt der Erfolg auch seine Begehrlichkeiten. Schließlich ist auch den Spähern anderer Clubs – etwa aus Italien, wo Chabot bereits für Sampdoria Genua und Spezia Calcio spielte – nicht entgangen, dass hier eine Abwehrkante auf der sportlichen Überholspur unterwegs ist. Also geistern schon länger die Gerüchte umher, Chabot könnte sich mit Abwanderungsgedanken beschäftigen. Der AS Rom oder Benfica Lissabon sollen auf den gebürtigen Hessen, der in früher Jugend bei Eintracht Frankfurt spielte, schon länger ein Auge geworfen haben.

Klar ist dabei, dass bei einer Vertragslaufzeit bis 2028 nichts ohne den VfB ginge. Unlängst ist Jeff Chabot zur Agentur Roof gewechselt, die Spieler aus dem obersten Regal wie Kai Haverts berät. Aktuell müht sich der Innenverteidiger zwar nicht über die Maßen, um die Gerüchte zu zerstreuen. „Ich habe schon ein paar Jahre auf dem Buckel, da muss man immer sehen, was der nächste Schritt ist. So wie es gerade läuft, macht mich das sehr glücklich und ich bin dankbar, beim VfB zu sein“, sagte er gegenüber der „Bild“-Zeitung. Das muss aber nicht heißen, dass der Spieler weg will.

Schließlich hat sich der Defensivmann in Stuttgart prächtig eingelebt. Seit Ende November ist Chabot verlobt – und besitzt mit Stürmer Ermedin Demirovic, den er seit gemeinsamen Tagen im Jugendinternat von RB Leipzig kennt, im VfB-Team einen dicken Kumpel. So besucht das Duo in einer Mischung aus Aberglaube und Körperkult gerne vor jedem Heimspiel das Stuttgarter Friseur- und Barbierstudio Babylon, wo inzwischen auch andere Teamkollegen wie Tiago Tomas, Bilal El Khannouss oder Badredine Bouanani regelmäßig auftauchen.

Doch in erster Linie geht es für einen Fußballprofi nahe seines sportlichen Zenits um den sportlichen Erfolg. Hier ist Jeff Chabot auf seiner Reise mit dem VfB, die ihn bisher in die Champions League, zum DFB-Pokalsieg, die Europa League und nahe an die deutsche Nationalmannschaft gebracht hat, schon sehr weit gekommen. Qualifiziert sich die Hoeneß-Elf in dieser Runde sogar erneut für die Königklasse, wäre dies auch in Bezug auf Chabots Zukunftspläne ein weiteres dickes Plus auf der Stuttgarter Habenseite.