36 Jahre lang haben sie Chöre geleitet, große Konzerte initiiert und Gottesdienste musikalisch begleitet. Nun nehmen Uwe und Hanna Schüssler Abschied.
Fast vier Jahrzehnte lang haben sie die Esslinger Kirchenmusik kompetent, engagiert und mit großer Empathie geprägt. Und viele tun sich schwer mit dem Gedanken, dass Hanna Schüssler und Uwe Schüssler nicht länger ganz selbstverständlich ihre Kirchenchöre leiten, Organisten unterrichten, Gottesdienste musikalisch begleiten und die Stunde der Kirchenmusik organisieren werden. Nun ist es an der Zeit, sich an diesen Gedanken zu gewöhnen. Am 1. Oktober beginnt für beide der Ruhestand, an diesem Samstag setzen Hanna und Uwe Schüssler mit einer geistlichen Chormusik schon mal einen konzertanten Schlusspunkt.
36 Jahre lang haben die beiden die Kirchenmusik in Esslingen mit Sachkenntnis, Kreativität und ganz viel Herzblut gestaltet. Beim Studium der Kirchenmusik in Heidelberg hatten sich Hanna und Uwe Schüssler kennengelernt. Gemeinsam kamen sie 1989 nach Esslingen. Namhafte Kirchenmusiker wie Hans Arnold Metzger und Hans Georg Bertram hatten hier ein starkes Fundament gelegt. Anfangs teilte sich Uwe Schüssler die kirchenmusikalische Arbeit mit Hans Georg Bertram, nach dessen Abschied rückte Hanna Schüssler nach.
Starker Beitrag zur Esslinger Kultur
Als Kirchenmusikdirektor leitet und organisiert Uwe Schüssler (66) die Kirchenmusik der Stadtkirchengemeinde, als Bezirkskantor ist er für Esslingen und Aichwald zuständig. Er leitet die Kantorei der Stadtkirche sowie die Jugendkantorei und organisiert die Stunde der Kirchenmusik. Die Kinderchorarbeit und projektbezogene Chorarbeit liegt in den Händen von Hanna Schüssler (65). Beide begleiten die Gottesdienste in der Stadtkirche und in der Frauenkirche an der Orgel. Und sie schätzen die große Bandbreite ihrer Aufgaben und die Möglichkeit, vieles selbst gestalten zu können.
Besonders lag ihnen stets die Arbeit mit ihren Chören am Herzen – ganz egal, ob es die Kantorei, die Jugendkantorei oder die Kinderchöre sind. Und sie haben ein Händchen, musikalischen Anspruch und die Freude am Singen zu vereinen. Viele ambitionierte Projekte haben sie mit ihren Ensembles gemeistert. Chorwochenenden und Chorreisen, die bis nach Hongkong, China, Malaysia und Indien führten, brachten Erinnerungen fürs Leben. Und weil die Sängerinnen und Sänger die verbindende Kraft der Musik spüren, sind viele der Kirchenmusik vom Kinderchor bis zur Kantorei der Erwachsenen treu geblieben.
Herausragender Platz in Esslingens musikalischem Leben
Die beiden empfinden es als ein Privileg, dass sie auf vieles aufbauen konnten, was ihre Vorgänger begründet hatten – so wie die Stunde der Kirchenmusik, die Hans Arnold Metzger 1964 ins Leben gerufen hatte. Unter Uwe Schüsslers Regie hat sich diese profilierte Konzertreihe endgültig einen herausragenden Platz im musikalischen Leben der Stadt gesichert. Das Spektrum reicht von Chorkonzerten über Orgelmusik bis hin zu großen Oratorien. Die Gesangsensembles der Stadtkirche haben ebenso ihren Platz wie Chöre aus Esslingen und dem Umland, aber auch Gastspiele namhafter Ensembles. Daneben schätzt der Kirchenmusikdirektor Kooperationen mit Partnern wie dem Podium Festival oder Maximilian Merkles Jazz-Festival: „Wir sehen das als gute Möglichkeiten, unser Spektrum zu weiten und auch Menschen zu erreichen, die sonst nicht unbedingt in die Kirche kommen.“ Bei großen Konzerten drängen sich bis zu 1000 Zuhörerinnen und Zuhörer in der Stadtkirche.
„Gemeinsam mit vielen Sängerinnen und Sängern ein Projekt zum Erfolg zu führen, ist etwas sehr Schönes“, sagt Hanna Schüssler. „Genauso schätzen wir es aber auch, einen Gottesdienst an der Orgel zu begleiten.“ Und ihr Ehemann spürt: „Musik macht etwas mit den Menschen. Dank ihr gelingt es, viele mit der Kirche in Kontakt zu bringen. Sie spüren, dass in kirchlichen Texten wichtige Gedanken formuliert werden, die auch Menschen betreffen, in deren Leben der christliche Glaube bislang keine wesentliche Rolle spielt. Das hat schon manchen den Weg in Gottesdienste geebnet.“
Die Goldberg-Variationen locken
Wenn ihre Arbeit im Oktober endet, wollen die beiden Kirchenmusiker Esslingen treu bleiben. Große Pläne für den Ruhestand haben sie bislang noch nicht gemacht – dafür sind sie noch immer viel zu sehr mit ihren vielfältigen aktuellen Aufgaben beschäftigt. Hanna Schüssler will im Ruhestand freiberuflich Projekte weiterführen, Uwe Schüssler freut sich darauf, musikalisch vieles anzupacken, wofür ihm ob des dicht gedrängten Terminkalenders bislang keine Zeit geblieben war: „Zum Beispiel habe ich mir schon länger vorgenommen, mich intensiver mit den Goldberg-Variationen zu beschäftigen“, verrät er. „Die Freude an Musik kann man zum Glück nicht nur vor Publikum genießen.“
Musikalische Grüße zum Abschied
Abschiedskonzert
Mit einer geistlichen Chormusik in der Stadtkirche verabschieden sich Uwe und Hanna Schüssler am Samstag, 12. Juli, ab 18 Uhr vom Publikum ihrer Stunde der Kirchenmusik. Der musikalische Bogen spannt sich an diesem Abend von Heinrich Schütz und Johann Sebastian Bach über Felix Mendelssohn Bartholdy bis hin zur zeitgenössischen Chormusik von Zsolt Gádony. Neben vielen Gästen und ehemaligen Sängerinnen und Sängern sind auch alle Chöre der Stadtkirche am Start: Kurrende, Jugendkantorei und Kantorei singen in unterschiedlicher Besetzung, a cappella und auch begleitet von Orgel oder Klavier, zum Teil auch doppelchörig. Die musikalische Leitung liegt zum letzten Mal in den Händen von Uwe und Hanna Schüssler. Der Eintritt ist frei. Um Spenden für die Fortführung der kirchenmusikalischen Arbeit an der Esslinger Stadtkirche wird gebeten.
Orgelsommer
Die Handschrift von Uwe und Hanna Schüssler trägt auch das Programm des Esslinger Orgelsommers, der vom 19. Juli bis 9. August vier Konzerte mit renommierten Künstlern in der Esslinger Stadtkirche St. Dionys präsentiert.