Die Prüfungen sind geschafft, nun wird gefeiert. Sechs junge Erwachsene von der Schickhardt-Gemeinschaftsschule zeigen uns ihre Outfits für den Abschlussball.
Es ist ein Endpunkt und ein Neuanfang. In diesen Tagen nehmen Abiturientinnen und Abiturienten im ganzen Land ihre Abschlusszeugnisse entgegen, um damit in einen neuen Lebensabschnitt zu starten. Manche beginnen direkt ein Studium oder eine Ausbildung, andere wollen sich noch etwas Zeit nehmen, während eines Freiwilligen Sozialen Jahres Erfahrungen sammeln oder auf Reisen die Welt entdecken. Doch bevor sie auseinander gehen, wird beim Abiball noch einmal zusammen gefeiert. Dafür werfen sich die jungen Menschen richtig in Schale. Wir haben fünf Abiturientinnen und einen Abiturient von der Schickhardt-Gemeinschaftsschule in Stuttgart getroffen. Sie erzählen uns mehr über ihre Abiball-Roben und verraten, worauf sie sich jetzt am meisten freuen.
Lang und dunkelblau – der elegante Klassiker
Lucie Herbstreit hat nicht lange gebraucht, um ihr Lieblingskleid zu finden. Gekauft hat sie es gleich bei ihrem ersten Besuch bei „Mein Ballkleid“ in Stuttgart, und es war das erste Kleid, das sie anprobiert hat. Das schlichte, dunkelblaue Kleid ist oben eng und wird unten weiter. Der Unterrock gibt dem Kleid mehr Volumen und verhindert, dass der Stoff an der Haut kleben bleibt. Am Rücken hat es eine elegante Schnürung. Kostenpunkt: 250 Euro, hinzu kommen 40 Euro fürs Kürzen. Zu dem eleganten Abendkleid trägt die 18-Jährige helle Sandalen mit nicht ganz so hohen Absätzen – „die hatte ich bereits bei meinem Realschulabschluss an, die sind schon gut eingelaufen“, sagt Lucie Herbstreit und lacht. Zum Abiball will sie das Outfit noch mit einer Kette komplettieren, zu viel Glitzer soll es aber nicht werden.
Gefeiert wird im Kursaal in Bad Cannstatt. Und wenn der schließt, „zieht ein Großteil von uns wahrscheinlich noch weiter nach Stuttgart. Auch einige Lehrerinnen und Lehrer wollen sich anschließen“, verrät die Abiturientin. Ein bisschen gefeiert wird dann sicher auch noch auf der Abifahrt nach Kroatien. Was danach folgt, ist noch offen. „Ich möchte erst einmal verschiedene Praktika machen, ein bisschen arbeiten und vielleicht auch reisen“, erzählt Lucie Herbstreit.
Individuelle Details machen das Kleid zu was ganz Besonderem
Michelle Wahr kombiniert schlichte schwarze Eleganz mit Glitzer. Ihr enges, schulterfreies Kleid mit Schlitz am Bein hat sie sich allein ausgesucht und online für etwa 90 Euro bestellt. „Ich war vorher auch ein paarmal in der Stadt unterwegs, da habe ich aber nichts gefunden“, sagt sie. Das Besondere an ihrem Outfit: Die ausgefallenen Glitzersteine und Perlen hat sie selbst aufgenäht. Und das, obwohl sie gar nicht so viel Erfahrung mit Nadel und Faden hat. „Ich habe als Kind mal einen Nähkurs besucht, aber das ist lange her“, erzählt die 19-Jährige. Einen Tag hat sie investiert, um ihr Kleid noch einmal nach ihren ganz persönlichen Vorstellungen anzupassen. Ihre neuen Schuhe sind durchaus eine Herausforderung. Die schwarzen Sandalen haben dünne, hohe Absätze. „Die sollte ich unbedingt noch einlaufen“, sagt Michelle Wahr. Zum Abiball möchte sie dann auch noch den passenden Schmuck tragen.
Michelle Wahr ist sich sicher, dass „an diesem Abend sicher auch ein paar Tränen dabei sein werden“. Besonders freut sie sich darauf, den Lehrerinnen und Lehrern ihre Geschenke zu übergeben. „Es ist das Letzte, was wir noch einmal mit ihnen teilen können. Wir wollen ihnen eine Freude machen“, erzählt Michelle Wahr.
Darum hat sich die Jahrgangsstufe richtig ins Zeug gelegt, Geld gesammelt und sich viele Gedanken gemacht, welche Kleinigkeit für wen passend sein könnte. So bekommt zum Beispiel der Biologielehrer eine Tablethülle mit einem Klassenfoto und der Geografielehrer ein Lego-Set.
Ein sagegrünes Kleid und Glitzersandalen
Lena Stark hat sich für ein schlichtes, sagegrünes Kleid mit dünnen Spaghettiträgern und langem, schmalen Rock entschieden. Am Rücken ist es elegant geschnürt. Dieses Kleid habe ihr sofort gefallen, sagt die 19-Jährige. Gekauft hat sie es bei „Peek & Cloppenburg“ und knappe 200 Euro investiert. Dazu hat sie sich Glitzersandalen mit einem moderaten Absatz ausgesucht. Ein bisschen Schmuck darf es zum Abiball dann auch noch sein. Die passende Frisur wird ihre Mutter ihr machen, und die Freundin wird sie wahrscheinlich beim Schminken ein bisschen beraten.
Nach dem Lern- und Prüfungsstress der vergangenen Wochen und Monate freut sich Lena Stark auf die Zeugnisübergabe. „Als ich die erste Prüfung geschrieben habe, war das ein komische Gefühl. Aber wenn man es dann hinter sich hat, kann man stolz auf sich sein, dass man es geschafft hat“, erzählt die 19-Jährige, die nun ein Chemiestudium beginnen will. Ihre Schule wird sie vermissen. „Wir hatten ein sehr gutes Verhältnis zu unseren Lehrerinnen und Lehrern“, sagt die Abiturientin. Darum ist sie auch gespannt, wie diese auf die individuellen kleinen Geschenke der Schülerinnen und Schüler reagieren werden.
Ein langer Weg zum Traumkleid
Die Pailletten an Asana Waongos Kleid fallen sofort auf und bringen das schwarze Kleid zum Funkeln. Das Oberteil ist wie ein Korsett geschnitten und hat breite Träger. Der Rock endet in Rüschen und hat einen Schlitz. „Es war ein langer Weg, bis ich dieses Kleid gefunden habe“, sagt die 19-Jährige. Über mehrere Monate hinweg sei sie immer wieder in Stuttgart unterwegs gewesen – mal zusammen mit Freunden, mal mit der Familie. Viele verschiedene Outfits habe sie anprobiert, und dann doch im Internet bestellt. „Als das Kleid kam und ich es ausgepackt habe, wusste ich sofort, dass es das Richtige ist“, erinnert sich Asana Waongo. Gekostet hat es 135 Euro. Auch die schwarzen, vorne geschlossenen Glitzerschühchen für etwa 35 Euro sind aus dem Internet. Dazu trägt die jungen Frau eine Kette und passende Ohrringe.
Asana Waongo ist stolz, dass sie nun ihr Abi in der Tasche hat und studieren kann. „Ich war sehr aufgeregt und nicht ganz sicher, ob ich es schaffe. Aber ich habe viel gelernt und viel Unterstützung von meiner Familie und Freunden bekommen“, erzählt sie. Dass der Abiball großartig wird, daran hat Asana Waongo keinen Zweifel. „Ich freue mich darauf, alle noch einmal zu sehen und gemeinsam unser Abi zu feiern. Wir haben den Ball zusammen vorbereitet. Ich bin gespannt, ob alles klappt“, sagt die 19-Jährige. Ein bisschen traurig werde es aber wohl auch werden. „Ein paar Tränen fließen bestimmt“, sagt Asana Waongo.
Schlichtes Kleid statt pompöses Outfit
Eigentlich hatte sich Tara Jakob vorgestellt, dass sie in einem pompösen Outfit zum Abiball geht. Doch dann habe sie sich doch für das Gegenteil entschieden und ein schlichtes schwarzes, schulterfreies Kleid gewählt, mit dem sie „sehr zufrieden“ sei. Gekauft hat sie es bei „Peek & Cloppenburg“. Zweimal war sie zusammen mit ihrer Mutter dort – einmal an einem Samstag. „Das war nicht so schlau, da war vor den Umkleidekabinen die Hölle los“, sagt Tara Jakob. Insgesamt um die zehn Kleider habe sie anprobiert, bevor sie das Richtige gefunden habe. Zu ihrem Kleid trägt die 19-Jährige schön bestickte Schuhe, die nicht allzu hoch sind und die sie für 56 Euro bei „Zara“ gekauft hat. Ein bisschen Schmuck am Balltag darf ihrer Meinung nach auch nicht fehlen. „Ich habe noch einen schönen Reif für den Oberarm und werde natürlich auch eine Kette und Ohrringe tragen.“
Tara Jakob freut sich darauf, beim Abiball ihr Zeugnis in Empfang nehmen zu können. Die Prüfungen seien nicht so schwer gewesen, aber es sei viel Stoff zu lernen gewesen. „Ich habe Anforderungen an mich selbst und mir daher vielleicht auch Druck gemacht“, sagt Tara Jakob. Beim Abiball möchte sie nun feiern und „noch einmal Zeit mit meiner Klasse und den Lehrerinnen und Lehrern verbringen“. In den nächsten Wochen und Monaten will sie ein bisschen reisen, vielleicht nach Asien, und das ein oder andere Freiwilligenprojekt machen. Und dann studieren, „momentan schwirrt ein Lehramtsstudium in meinem Kopf herum“, verrät die 19-Jährige. Von Schule hat sie also noch nicht genug.
Rund 850 Euro für einen Anzug nach Maß
Robin Kozelsky hat sich für einen Anzug in hellblau aus Naturfasern entschieden. Es ist ein Dreiteiler mit Hose, Jackett und Weste. Dazu trägt er braune Lederschuhe und eine Fliege. Sogar an ein Einstecktuch in dunkelblau hat er gedacht. Das Outfit hat er bei „Felix W.“, einem Schneider in Stuttgart, erworben, und es wurde extra noch einmal auf ihn angepasst. Das war nicht billig. Robin Kozelsky hat für seine Abiball-Robe 850 Euro gezahlt und damit viel mehr Geld ausgegeben als seine Mitschülerinnen für ihre Kleider. „Aber dafür kann ich ihn zu verschiedenen Anlässen noch einmal anziehen“, sagt Felix Kozelsky. Der hellblaue Anzug passe nicht nur zum Sommer, sondern auch gut in die Winterzeit und könne zu vielen fröhlichen Anlässen getragen werden. Um das Richtige zu finden, war er mehrere Male mit seinen Eltern unterwegs. „Ich hatte bestimmt um die 20 Anzüge an“, sagt er und lacht.
Beim Abiball freut er sich am meisten darauf, „noch einmal die Freunde und die ganze Stufe zu sehen und gemeinsam feiern zu können“. Lange ausruhen möchte sich Robin Kozelsky nicht. Er strebt ein neunmonatiges FSJ im Bereich Haustechnik in Ludwigsburg an und will im Juli 2026 mit einem Dualen Studium bei der Polizei beginnen. „Dafür muss ich noch einen Test und das Sportabzeichen machen.“