Menschen und Tiere konnten auf dem Flugfeld bleiben. Foto: /Stefanie Schlecht

Direkt nach der Dienstagabend-Vorstellung sollten Team und Tiere umziehen, um während einer möglichen Bombenentschärfung an der A81 in Sicherheit zu sein. Dazu kam es doch nicht.

Wenngleich Zirkusleute wohl bei jedem Showfinale Erleichterung verspüren, so war sie am Dienstagabend ungemein größer als sonst. Denn dieses Mal war nicht nur eine gute Vorstellung gelungen, sondern es erreichte die Artisten die Nachricht, dass sie auf dem Festplatzgelände am Flugfeld bleiben können und es doch nicht, wie erwartet, mitsamt ihren Tieren verlassen müssen. „Während des Finales gegen 19.30 Uhr kam das Ordnungsamt und sagte uns: Ihr braucht nicht weg“, erzählt Ramona Barelli, die Schwester des Direktors. „Alle Artisten haben geschrien: Juhu!“

 

Denn eigentlich war das gesamte Zirkusteam darauf vorbereitet gewesen, dass nach der Vorstellung umgehend alle das Gelände verlassen müssen, um in Sicherheit zu sein, während Spezialisten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes in der Nähe der Autobahn 81 eine Bombe entschärfen. So zumindest war die Vermutung: An der Baustelle hatten Messungen auf einen Metallgegenstand hingedeutet. Die Experten vermuteten im Boden etwas, was ein Blindgänger hätte sein können. Dies sollte in der Nacht auf Mittwoch abschließend untersucht und gegebenenfalls entschärft werden. Der Umkreis von 500 Metern um den Fundort musste deshalb geräumt werden – der Zirkus Barelli lag innerhalb dieses Radius’.

Deshalb sollte das Zirkus-Großunternehmen mitsamt den Tieren direkt nach der Abendvorstellung auf ein etwa ein Kilometer entferntes Gelände fahren und sich dort versammeln. Die Tiere hätten auf diesem Gelände bleiben sollen; wo die 60 Menschen die Nacht über hätten bleiben sollen, war dem Zirkusteam am Abend noch nicht klar. Dass der Umzug in letzter Minute abgesagt wurde, darüber waren alle froh. „Wir hätten das gemacht, keine Frage. Aber es wäre ein Riesenaufwand gewesen“, sagt Ramona Barelli am Tag danach.

Viele Vorbereitungen hatten die Zirkusleute bereits getroffen: Sie hatten alle Tierwaggons mit Wasser und Futter ausgestattet und frisch eingestreut, außerdem einigen Tieren – wie immer beim Transport – Beinbandagen angelegt für den sicheren Halt. Für die Kinder hatten sie Taschen gepackt, „denn wir wussten ja nicht, wann wir wieder zurückdürfen“. Dass sie das Zelt und die Wagen zurücklassen mussten, habe allen Sorgen bereitet. „Da war eine große Angst, was mit dem Zelt passiert“, sagt Ramona Barelli. Ihr Bruder habe es selbst entworfen und es sei einzigartig gestaltet. Auch wenn bei einem Schaden der finanzielle Wert erstattet worden wäre – der persönliche Wert sei für die Zirkusleute unersetzbar. „Wir haben den Zirkus so lange aufgebaut und unseren Traum verwirklicht. Das war gestern alles sehr emotional“, sagt Barelli über die geplante Räumung.

Kein Ärger bei den Zirkusleuten

Dass es dann kurzfristig doch nicht dazu kam, ließ die Artisten hinter dem Vorhang jubeln. Ärgern sie sich über die unnötige Aufregung und die aufwendigen Vorbereitungen, die schon getroffen waren? „Nein, überhaupt nicht“, betont Barelli. „Wir sind einfach nur glücklich, dass wir bleiben konnten und nichts passiert ist.“

Die Zirkuswagen sind mit Liebe zum Detail gestaltet. /Stefanie Schlecht

Der Zirkus Barelli, der zum ersten Mal in Böblingen gastiert, hat noch bis einschließlich Sonntag, 27. April, Aufführungen am Flugfeld, bevor er nach Würzburg weiterzieht. Täglich gibt es zwei Vorstellungen jeweils um 16 und 20 Uhr, am Sonntag finden sie um 11 und 15 Uhr statt. Offenbar kommt das Programm gut an: „Wir haben bei fast allen Vorstellungen stehende Ovationen“, sagt Ramona Barelli. „So eine tolle Resonanz hatten wir nicht erwartet.“