In der braunen Tonne landen oft nicht nur Küchenabfälle, sondern auch Störstoffe wie Plastiktüten. Foto: dpa/AWM

Der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Esslingen will künftig Stichprobenkontrollen durchführen, um die Fehleinwürfe zu verringern. Die Verunreinigungen machen nämlich große Probleme.

Plastiktüten, Kaffeekapseln, Verpackungen: Im Biomüll landen häufig Abfälle, die dort nicht hingehören. Die sogenannten Störstoffe sind für den Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) Esslingen ein großes Ärgernis. Denn sie erschweren die Verwertung des pflanzlichen Abfalls im Kompostwerk Kirchheim. Deshalb will man künftig genauer in die braunen Tonnen schauen. Laut dem neuen Geschäftsführer des AWB, Michael Potthast, hat die Entsorgungsgesellschaft des Landkreises jetzt personelle Kapazitäten, „um wieder selber unangekündigt Kontrollen durchzuführen“. Bei insgesamt 95 000 Biotonnen im Kreis Esslingen seien freilich nur Stichproben möglich, fügt Potthast hinzu.

 

Der Anteil der Stoffe, die nicht zu Kompost verarbeitet werden können und deshalb aufwendig aussortiert werden müssen, liegt nach Angaben des AWB-Chefs bei etwa zehn Prozent des in Kirchheim angelieferten Biomülls und Grünabfalls. Allerdings handle es sich dabei nicht nur um Kunststoffartikel, sondern auch um Steine, Metall, Knochen oder um Äste und Wurzeln, die nicht innerhalb des sechswöchigen Verarbeitungsprozesses in der Anlage verrotten. Plastik allein würde etwa ein Prozent der Gesamtmenge ausmachen. Aber: „Das Aufkommen steigt leider jedes Jahr leicht an“, stellt man beim Abfallwirtschaftsbetrieb fest.

Negativtrend setzt sich fort

2022 sind laut Potthast bei einer verarbeiteten Menge von knapp 41 000 Tonnen Biomüll gut 340 Tonnen Plastik angefallen – nach 290 Tonnen im Vorjahr. 2023 wird sich der Trend wohl fortsetzen, befürchtet Potthast: Im ersten Halbjahr wurden schon 200 Tonnen Plastik aus dem Biomüll herausgezogen. „Wir sehen die zunehmende Verunreinigung mit Sorgen“, sagt der AWB-Chef. Denn so werde es schwieriger, aus Biomüll hochwertigen Kompost für die Landwirtschaft herzustellen. „So gut wir auch trennen und Reststoffe aussortieren, hundertprozentig bekommen wir nicht alles aussortiert. Und was wir nicht aussortiert bekommen, gelangt wieder in den Stoffkreislauf.“

Derzeit führt der AWB keine Kontrollen der Biotonnen durch. „Allerdings achtet das Ladepersonal der beauftragten Unternehmen auf eine ordentlich Befüllung“, berichtet Potthast. Bei Hinweisen auf Fehleinwürfe – etwa wenn Plastik aus dem Behälter herausschaut oder das Gewicht nicht passt – würden sie die entsprechende Tonne ungeleert am Straßenrand stehen lassen. „Wir bekommen dann einen Hinweis vom Abfuhrunternehmen und gehen der Sache nach.“

Inzwischen konnte der AWB freie Stellen besetzen, sodass künftig Stichprobenkontrollen möglich sind, sagt Potthast. Dabei gehe es nicht darum, Müllsünder zu bestrafen, sondern um Aufklärung. Grundsätzlich sei das Trennverhalten der Kreisbewohner sehr gut, betont der AWB-Geschäftsführer. Aber es ginge eben noch besser: „Jede Plastiktüte im Bioabfall ist eine Plastiktüte zu viel, das gilt auch für die biologisch abbaubaren.“ Die Bürger hätten es „im wahrsten Sinne des Wortes selber in der Hand, unsere Umwelt ein Stück besser zu machen“.

Der prüfende Blick in die braune Tonne ist durchaus üblich, manche Abfallwirtschaftsbetriebe in der Region arbeiten bereits mit regelmäßigen Kontrollen, um die Fehlwürfe auf ein Minimum zu beschränken. So sind beispielsweise im Rems-Murr-Kreis und im Kreis Ludwigsburg sogenannte Wertstoff-Scouts unterwegs. Dass Stichproben nötig sind, zeigte sich jüngst in Böblingen: Der Kreis – der seinen Biomüll übrigens auch im Kirchheimer Kompostwerk anliefert – hat sich Ende September an der ersten bundesweiten Tonnenkontrollaktion des Vereins „wirfürbio“ beteiligt. Innerhalb von fast vier Wochen wurden nach Angaben des Böblinger Landratsamtes fast 21 000 Biotonnen kontrolliert, 1700 Behälter (8,4 Prozent) konnten wegen falscher Befüllung nicht geleert werden.

Aus Biomüll wird Gas und Kompost

Künftig wird Böblingen aber keine Bioabfälle mehr nach Kirchheim fahren, erläutert Potthast. „Und auch ein Teil der Bioabfälle aus Esslingen geht dann zur Energiegewinnung nach Böblingen.“ Die Abfallwirtschaftsbetriebe der beiden Landkreise errichten derzeit in Leonberg eine neue Vergärungsanlage, die im Herbst 2024 fertiggestellt sein soll. Die dort anfallenden getrockneten Gärreste werden anschließend im Kompostwerk zu Naturdünger veredelt.

Die Anlage in Kirchheim, ebenfalls ein Gemeinschaftsprojekt beider Kreise, ist allerdings nicht mehr auf der Höhe der Zeit. „30 Betriebsjahre haben ihre Spuren hinterlassen“, räumt der AWB-Chef ein. Um dort wieder die volle Kapazität von 60 000 Tonnen Biomüll verarbeiten zu können, ist ein Austausch der Verfahrenstechnik bis zum Jahr 2026 geplant. Die Gesamtinvestition beläuft sich auf mehr als 20 Millionen Euro.

Biotonne richtig befüllen

Erlaubt
In die Biotonne dürfen laut dem AWB nur Küchenabfälle wie Gemüse-, Obst- und Salatreste, Süd- und Zitrusfrüchte, feste Speisereste wie Brot, Nudeln und Kartoffeln in Kleinmengen, reiner Kaffeesatz, Teereste mit Filter und Beutel, Haushaltspapier und Eierkartons, verwelkte Blumen, Pflanzenreste, Laub und Grasschnitt.

Verboten
Nicht in die Biotonne gehören Plastikbeutel (auch keine biologisch abbaubaren), flüssige Speisereste wie Suppe, Speiseöle und Fette, Knochen, Zigarettenkippen, Gummi und Textilien, Leder, Medikamente, Kosmetika,Glas und Porzellan, Dosen, Straßenkehricht, Staubsaugerbeutel, Haustierstreu, Windeln und Hygieneartikel.

Tipps
Die Biotonne sollte an einem Schattenplatz stehen und in regelmäßigen Abständen gereinigt werden. Gemahlenes Kaffeepulver oder – noch intensiver – Essig als „Geruchskiller“ einsetzen. Feuchte Lebensmittel können in Papiertüten, auch gebrauchte Bäckertüten, oder Zeitungspapier eingewickelt werden.