Der Ausbau der Autobahn 81 im Kreis Böblingen schreitet voran: Der Lärmschutztunnel an der A 81 wächst, an sechs Brücken wird gearbeitet. Was passiert als Nächstes?
Bis zum Jahresende passiert auf und an der Autobahn 81 zwischen den Anschlussstellen Sindelfingen-Ost und Böblingen-Hulb noch allerhand. Zwar sind echte Meilensteine wie beispielsweise die Fertigstellung des Lärmschutztunnels – jetzt auch als Tunnel Goldberg bezeichnet – noch mehr als ein Jahr entfernt, aber eine kleine Zäsur steht dennoch an: am Donnerstagabend werden die Unterführung in der Leibnizstraße und daran anschließend auch der neue Turbokreisel der Stadt Sindelfingen nach etlichen Monaten restlos für den Verkehr freigegeben. Auf eine genaue Uhrzeit am Donnerstag will sich Deges-Sprecherin Pia Verheyen nicht festlegen. „Wir sind da in enger Abstimmung mit der Stadt Sindelfingen“, sagt sie.
Seit 2021 arbeitet die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (Deges) im Kreis Böblingen an der Erweiterung der A 81 auf sechs Spuren. Das Projekt birgt Herausforderungen, denn nicht nur ist der Boden auf Böblinger Seite morastig, sondern es liegen auch noch Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg unter der Autobahn. Zwei Stück wurden allein in diesem Jahr schon entdeckt. Dazu kommt, dass es in den beiden Städten noch zahllose andere Baustellen mit ihren eigenen Sperrungen gibt. „Wir müssen immer ein paar Ecken für den Verkehr offen lassen“, so Projektleiter Johannes Kuhn.
Beim Tunnel ist die Deges nach eigenen Angaben schon ziemlich weit. 76 der 84 Deckenblöcke seien schon fertig. Auch mit dem Eingang, also dem Portal, an der Ostseite habe man schon begonnen. Am westlichen Ende wird gerade der Aushub für das Fundament gemacht. Die Bodenplatten und Wände sind komplett fertig. Am Betriebsgebäude des Tunnels, das etwa auf Höhe der Überführung Leipziger Straße auf dem Dach der Röhre sitzt, sei der Rohbau abgeschlossen. Gerade liefen noch Abdichtungsarbeiten für den Löschwasserbehälter, der dort untergebracht ist. Ab Januar können dann die Elektriker anrücken. Beim Lärmschutztunnel wird voraussichtlich im ersten Quartal 2027 die Nordröhre in Betrieb genommen. Ende desselben Jahres soll die Südröhre folgen.
Derzeit wird nicht nur an der Autobahn und dem Tunnel selbst, sondern auch an insgesamt sechs Brücken gearbeitet. Darunter sind die Bauwerke am Mönchsbrunnen, in der Mahdentalstraße, der Tilsiter Straße, der Wolfgang-Brumme-Allee, der Dornierstraße und der Leibnizstraße. Denn für sämtliche Brücken, Unterführungen und Überführungen entlang der Strecke wird die Autobahn nach der Fertigstellung zu breit sein. Komplett erneuert sind beispielsweise schon die Brücke in der Böblinger/Sindelfinger Straße, die benachbarte Eisenbahnbrücke und die Brücke in der Calwer Straße.
Eine Änderung, die noch vor Weihnachten kommt, ist die Verkehrsführung westlich des Tunnels Goldberg. Die wechselt demnächst von der Sindelfinger auf die Böblinger Seite. Aktuell werden beide Richtungsfahrbahnen (Richtung Singen und Richtung Stuttgart) jeweils zweispurig auf voneinander getrennten Bahnen am Tunnel vorbei gelenkt. Weil die dortige Fahrbahn aber im Baufeld liegt, wird etwa zwischen dem Smart-Areal und der Brücke in der Wolfgang-Brumme-Allee der Verkehr auf eine neue Betonfahrbahn umgelegt. Dort werden dann alle vier Spuren – zwei Richtung Stuttgart und zwei Richtung Singen – mit einer Betontrennwand in der Mitte nebeneinander liegen. Am Dienstag wurde für das Provisorium die letzte von vier Asphaltschichten aufgebracht. Damit die Markierungsarbeiten auch noch rechtzeitig passieren können, haben die Verantwortlichen um Projektleiter Johannes Kuhn derzeit die Wetter-Apps genau im Blick. „Bei viel Niederschlag und zu kalten Temperaturen funktioniert das nicht“, sagt Kuhn.
Die Brücke in der Wolfgang-Brumme-Allee war im Sommer abgerissen und durch ein Provisorium ersetzt worden. Aktuell ist in der Straße ein Fahrstreifen pro Richtung gesperrt, da die Deges an der Mittelinsel arbeitet. Diese wird abgebaut und vorübergehend asphaltiert, damit im nächsten Jahr die Straße ausgebaut werden kann. Die Behelfsbrücke soll noch mehrere Monate in Betrieb bleiben, um den Verkehr aufrechtzuerhalten. Die Teile für den Ersatzneubau werden unterdessen auf dem Flugfeld angefertigt. Der Teil, der vom Mittelpfeiler Richtung Sindelfingen führt, ist schon weitgehend fertig. Am Böblinger Teil wird gerade gearbeitet. Wie bei der Brücke in der Böblinger/Sindelfinger Straße, sollen auch hier die Brückenteile mit dem Autokran eingehoben werden. Im kommenden Sommer soll die neue Brücke dann befahrbar sein.
Die nächtlichen Sperrungen der Mahdentalstraße, die Verkehrsteilnehmer in den vergangenen Wochen erlebt haben, gehören erst einmal der Vergangenheit an. Nördlich der Brücke gab es Kanalarbeiten für die Ableitung und Reinigung des Regenwassers von der Autobahn. Bei den Arbeiten mussten unter anderem Rohre zum Goldbach verlegt werden, die die Mahdentalstraße kreuzen. Einzelne nächtliche Sperrungen sind wieder im Frühjahr geplant, dann voraussichtlich in der Leibnizstraße.
Der Ausbau der Autobahn 81
Großprojekt
Im Kreis Böblingen werden zwischen den Anschlussstellen Sindelfingen-Ost und Böblingen-Hulb rund 7,2 Kilometer Autobahn auf sechs Spuren verbreitert. Zwischen Planfeststellungsbeschluss und geplanter Fertigstellung 2028 liegen zehn Jahre. Der Lärmschutztunnel wird 850 Meter lang.
Kosten
Die Kosten für Erweiterung und Tunnel werden aktuell mit 480 Millionen Euro angegeben.