Highway to Hell? Der Highway führt auf den Wasen! Die Anreise am Mittwochnachmittag verläuft ruhig bei bester Stimmung – ohne Staus, da die meisten „öffentlich“ kommen. Mit 90 000 Fans erlebt Stuttgart bei AC/DC das größte Konzert in seiner Geschichte.
„Back in Black“, so heißt das 1980 erschienene Dauerbrenneralbum von AC/DC, das nach Michael Jacksons „Thriller“ auf Platz zwei der meistverkauften Musikproduktionen der Welt steht und 44 Jahre nach Erscheinen erstmals an die Spitze der deutschen Albumcharts gesprungen ist. Zurück in Schwarz – der Highway to Wasen führt am Mittwoch bereits optisch vor, worum es am Stuttgarter Feiertag des Schwermetalls geht. Die überwiegend schwarz gekleideten Massen sind zurück, um die Giganten aus Australien zu feiern – und ein bisschen auch ihre eigene Jugend.
„,Thunderstruck‘, ‚Highway to Hell‘ und ,TNT‘ liefen auf jeder Party unserer Jugend“, erzählt der langjährige Cavos-Wirt Hiki Shikano Ohlenmacher, 50, einer der Men im Black im Fanstrom auf dem Wasen, „daher fällt es unseren Jahrgängen schwer, dieses Konzert nicht zu besuchen.“
Das Bier ist teurer als auf der EM-Fanzone
Die meisten kommen mit öffentlichen Verkehrsmitteln, sodass am späten Nachmittag Staus ausbleiben. Bei AC/DC kostet das Bier (von Becks) sieben Euro (halber Liter), ist also teurer als in der EM-Fanzone, dafür gibt’s den Ohrenschutz kostenlos.
Erst teilten die Veranstalter mit, alle 80 000 Karten seien innerhalb von kurzer Zeit für Stuttgart ausverkauft gewesen. Offensichtlich wurde noch mal nachgerechnet: Die Anzahl der Besucherinnen und Besucher wird seit Mittwoch mit 90 000 angegeben. Die Stadt hat erlaubt, dass so viele Menschen auf den Wasen dürfen. Damit gibt die 50 Jahre alte Band AC/DC das größte Konzert in der Geschichte von Stuttgart. Bisher lag der Rekord bei 80 000, den unter anderem Jon Bon Jovi aufgestellt hatte. Zum Vergleich: Auf dem Hockenheimring spielten die Australier zuletzt vor über 100 000.
Schwarz dominiert am Neckar – aber man sieht aus der Ferne immer wieder, wie rote Pünktchen leuchten. Es sind die kleinen Teufelshörner, die zur Ausrüstung der AC/DC-Fans gehören. Hiki Ohlenmacher erklärt deren Bedeutung so: „Wenn du der Zwerg der Band bist, musst du dir was einfallen lassen – also etwa Schuluniform und Teufelshörner.“ Gitarrist Angus Young ist 1,57 Meter groß. Zum ersten Mal in Stuttgart hat der AC/DC-Mitgründer 1977 im Sieglehaus vor 700 Fans gespielt, dort bereits den blanken Hintern gezeigt. Angeblich war er damals 16 Jahre alt. Heute weiß man, seine Plattenfirma machte ihn jünger, als er war.
Die Fans sind von acht bis achtzig
Acht Jahre alt ist der Sohn des Rechtsanwalts Jörg Richardi, der mit seinem Papa auf den Wasen darf, um zu sehen, was diesem so gut gefällt. Der Junior trägt bei seinem ersten AC/DC-Konzert dicke Kopfhörer zum Dämmen. „Wir waren schon häufiger beim Volleyball dabei, da ist es in der Scharrena auch ganz nett laut“, sagt der Vater. Was ihm so gut an den Australiern gefällt? „Die Band ist zeitlos, hat sich nie Moden unterworfen und ist ihrer Linie und ihrem Wiedererkennungswert über Jahrzehnte hinweg treu geblieben“, antwortet Richardi, „sie ist für mich ein Sinnbild für Kontinuität und zeigt, dass du mit Qualität und Authentizität an der Spitze stehen kannst, selbst wenn dein Weg durch Verluste von Bandmitgliedern nicht einfach ist.“ Damit spricht er vermutlich vielen aus tiefstem (Fan-)Herzen.
Die Fans sind (mindestens) zwischen acht und achtzig: In der Gruppe von Hiki Shikano Ohlenmacher, deren Platz im 186 Euro teuren Front-of-Stage-Bereich ganz vorne ist, befindet sich die 80-jährige Pferdezüchterin Marlene Henkel. Die elegante Dame, die einst mit dem früheren IBM-Chef Hans-Olaf Henkel verheiratet war, erklärt, warum sie beim AC/DC-Konzert im Alter nicht verzichten will: „Ich fand die Musik schon immer cool und will die Gelegenheit nutzen, die Band live zu erleben.“ Sei ein Vorteil mit 80, sagt sie, dass man schlechter höre, aber lauter Rock würde immer noch durchdringen: „Im Alter braucht man keine Ohrenstöpsel.“