Die Filiale der Pizzeria im Dorotheenquartier hat Ende April geschlossen, ein Nachfolger steht schon parat: In die Räume zieht die Kette „60 seconds to napoli“ ein. Die Eröffnung ist für Ende Juli geplant.
Einen passenderen Nachfolger gibt es eigentlich nicht: Nach der Pizzeria mit dem schon etwas umständlichen Namen „Oh Julia“ kommt eine neue Kette mit einem noch komplizierteren Namen. Der Wechsel steht im Stuttgarter Dorotheenquartier an, wo die Filiale des Münchner Unternehmens Tasteful Concepts am 28. April ihre Türen schloss. „Arrividerci“, heißt es auf dem Schild im Fenster, „Danke für sieben wundervolle Jahre!“ Die Fläche in der Stadtmitte hat sich die ebenfalls in München beheimatete Gustoso Gruppe gesichert, um dort ein Restaurant ihrer Formel „60 seconds to napoli“ zu installieren. Die Eröffnung ist für Ende Juli geplant.
Die Schließung erfolgt „schweren Herzens“
Das Ende von „Oh Julia“ hängt mit der neuen Geschäftsausrichtung des Pizzeria-Gründers Marc Uebelherr zusammen. Der Münchner Gastro-Unternehmer will sich laut dem Fachmagazin Foodservice auf seine Projekte Schreiberei, ein Restaurant in München, und die Expansion des Cone Clubs, ein Strandlokal mit bislang zwei Filialen in Sardinien und Ibiza, konzentrieren. Deshalb habe er sich von der Pizzeria-Marke getrennt. In Stuttgart führte Nima Nafeei, der noch einen Ableger von Burgerheart und das levantinische Restaurant Noa in der Innenstadt betreibt, die Geschäfte. Mit „Oh Julia“ zog er 2019 auch auf den Killesberg, gab das Lokal am Höhenpark aber Anfang 2023 wieder auf. „Schweren Herzens“ erfolge die Schließung im Breuninger-Viertel, steht auf dem Schild in der Fensterscheibe.
Die Filialen in Mannheim, an der Nordsee und in der Müritz hat Marc Uebelherr vor längerer Zeit schon abgegeben, nur der „Oh Julia“-Standort in München bleibt unter seiner Führung. Andere Akteure seien besser für die Expansion gerüstet, erklärte er dem Fachblatt. Und die Gustoso Gruppe befindet sich definitiv auf Wachstumskurs: Allein mit dem Konzept „60 seconds to napoli“ stehen dieses Jahr drei weitere Eröffnungen an, in Köln ging es Mitte April los, Koblenz und Hamburg sollen folgen. „Wir gehen davon aus, dass die eine oder andere deutsche Großstadt dieses Jahr noch hinzukommt“, sagt Sonja Rosenheimer, die Marketing-Direktorin des Unternehmens. In Stuttgart ist die Gustoso Gruppe im Breuninger mit dem Café Cotidiano am Marktplatz vertreten, mit Ruff’s Burger im Milaneo und mit Ciao Bella im Milaneo, der Königsbau Passage und im Gerber. Speziell für „60 seconds to napoli“ wurde nach einem Standort in Stuttgart gesucht. „Die Lage in der Karlstraße ist mitten in der Innenstadt und daher ideal“, sagt Sonja Rosenheimer.
Der gesamte Gastraum wird nun umgebaut, das Restaurant mit „einem modernen trendigen italienischen Ambiente“ werden die Münchner in Eigenregie ohne Franchisenehmer betreiben. Die Marketing-Direktorin verspricht den Stuttgartern „ein gastronomisches Erlebnis mit einem Premium-Produkt mit hochwertigsten Zutaten zu einem fairen Preis“. Der Teig für die Pizza im neapolitanischen Stil ruht 72 Stunden lang, bevor er in den elektrischen Öfen des neapolitanischen Hersteller Izzo bei 485 Grad 60 Sekunden gebacken wird. Daher stammt auch der Name der Kette. Neapolitanische Pizza ist in Stuttgart in immer mehr Lokalen zu haben, zu den jüngsten Neueröffnungen zählen die lokalen Eigengewächse Lievito Madre und Ciao Amore.
Das in der Branche übliche Ziel
Das erste Lokal von „60 seconds to napoli“ wurde 2019 von Susanne Voigt und Adrian Kuras in Dortmund eröffnet. Das Paar war bei einem Italienurlaub auf die Idee gekommen. Im Oktober 2023 übernahm die Gustoso Gruppe eine Mehrheitsbeteiligung an dem Pizza-Konzept, denn das übliche Branchenziel soll umgesetzt werden: Wachstum. Laut der Webseite ist Stuttgart bereits die 13. Filiale von „60 seconds to napoli“. Die Kette machte 2023 deutschlandweit einen Jahresumsatz von knapp 20 Millionen Euro.