Wolfgang Haug leitet seit 50 Jahren das Stadtmuseum Echterdingen. Hier ist er beim Gestalten einer Krippenausstellung im Jahre 2019. Foto: Kanter, Natalie

Seit 50 Jahren gibt es das Stadtmuseum Leinfelden-Echterdingen und seit 50 Jahren wird es von Wolfgang Haug ehrenamtlich geleitet. Ein gängiges Vorurteil brachte ihn in diese Position.

Manches Amt erreicht einen über verschlungene Wege: „Herr Haug, als Vorsitzender des Albvereins sind Sie ja an Heimatkunde interessiert. Und als Lehrer haben Sie ja auch nicht allzu viel zu tun. Übernehmen Sie doch die Leitung des Stadtmuseums Leinfelden-Echterdingen“ – mit diesen Worten wandte sich der damalige Oberbürgermeister Walter Schweizer anfang der 1970er Jahre an Wolfgang Haug. Später wurde Schweizer der erste Oberbürgermeister der fusionierten Stadt Leinfelden-Echterdingen im Jahre 1975.

 

Und Wolfgang Haug hat dieses Amt übernommen. Das war vor 50 Jahren. Diese Empfehlung hat sich ausgezahlt, denn Wolfgang Haug leitet heute noch das Stadtmuseum, und zwar rein auf ehrenamtlicher Basis. Jetzt wird dies gefeiert an diesem Sonntag, dem 14. Dezember, mit einem Festakt um 11 Uhr in der Zehntscheuer von Echterdingen.

In Leinfelden-Echterdingen bestens vernetzt

Damit aus einer solchen Empfehlung, vor 50 Jahren mal salopp formuliert, eine richtige Erfolgsgeschichte wird, ist viel Verhandlungsgeschick, Diplomatie, Hartnäckigkeit und Ortskenntnis vonnöten. Und Haug bringt dies alles mit: Er ist gebürtiger Echterdinger durch und durch, er hat in Echterdingen seine Berufslaufbahn realisiert vom Junglehrer bis zum Rektor an verschiedenen Schulen der Stadt. Und er ist seit 1974 bis heute noch als FDP-Mitglied im Gemeinderat aktiv, ist also bestens vernetzt in der Stadt.

Man kann mit Haug ziemlich kurzweilig darüber plaudern, was er vorgefunden hat bei der Übernahme dieses Amts: Chroniken etwa, in denen akkurat drinsteht, was wem gehört hatte. Also ein fundiertes Grundwissen über die Stadt, ihre Bürger und mit was die so beschäftigt waren. Aber leider ist das nicht gerade anschaulich für Museumsbesucher. Und dann nach langem Ringen wird das Museum Realität: Die Kreissparkasse zieht aus und das Museum zieht ein in das Gebäude, in dem es sich heute noch befindet direkt an der Hauptstraße.

Das Stadtmuseum Echterdingen. Foto: Thomas Kraemer

Lange Zeit konnte nur das Erdgeschoss bespielt werden, im Stockwerk darüber wohnten noch Leute. Da war Flexibilität angesagt. An großen Festivitäten wie dem Krautfest wollte sich das Museum natürlich auch beteiligen. Aber dazu mussten die Exponate der jeweils gerade laufenden Ausstellungen erst mal zur Seite geräumt werden im Erdgeschoss, damit ein gemütliches Beisammensein im Zeichen des Krauts möglich war.

Ein Ort der kollektiven Erinnerung

Auch das ist längst Vergangenheit, das Stadtmuseum ist nun seit vielen Jahren sowohl im Erdgeschoss wie im ersten Stock präsent. Seitdem sind Wechselausstellungen möglich, damit können Raumkonzepte realisiert werden, die thematische Gliederungen möglich machen. Und es bleibt zugleich eine kompakte Gesamtschau bewahrt.

„Ein Heimatmuseum ist ein Ort der kollektiven Erinnerung und der Orientierung“, so Haug. Und er fügt sogleich hinzu: „Ein fertiges Museum ist ein totes Museum“. Das betrifft natürlich die Ausstellungen selbst, das betrifft zugleich die Art und Weise, wie das Gezeigte präsentiert wird. Wolfgang Haug übernimmt da gerne Führungen, etwa die des Jahrgangs 1949/50. Die sind schon freudig gespannt darauf, was ihnen bei der aktuellen Ausstellung „Wohngeschichte (n) und Firmenwelten“ gezeigt wird. Die Wiedersehensfreude der Alt-Echterdinger vermischt sich mit der Erwartung eines kurzweiligen Museumsbesuchs. Denn dieser Jahrgang hat jede Ausstellung im Stadtmuseum fest im Terminkalender eingeplant und Haug ist dann stets ihr verlässlicher Führer.

Ein Klassenfoto als Wimmelbild

Er hat natürlich viel zu erzählen. Er begeistert aber auch mit plakatgroßen Fotovergrößerungen, die unter anderem Sehnsuchtsorte der einstigen Jugendlichen zeigen: Ein Tanzcafé etwa oder das Kino der Stadt, aber auch die Hauptstraße, als sie noch nicht vom Verkehr eingenommen worden war, als man dort sogar noch Schlitten fahren konnte. Zur Erinnerung gehört aber auch die Zeit, als Echterdingen Ende des Zweiten Weltkriegs in Schutt und Asche lag. „Das Gasthaus Lamm etwa: Ein Haufen Dreck, ein Haufen Steine“ kommentiert er ein entsprechendes Bild. Der Höhepunkt ist dann ein frühes Klassenfoto der 1949/50er: Wer ist alles darauf, wer erkennt wen wieder, was mag aus diesem oder jener geworden sein? – Für heutige Augen ist das vor allem ein Wimmelbild von gut 50 oder 60 Kindern. Und die alle in einer Schulklasse? Kaum vorstellbar heute.

Förderverein und Stadtarchiv

Haug ist freilich längst kein Einzelkämpfer mehr. Seit dem Jahr 2000 gibt es einen Förderverein und das Stadtarchiv steht ihm seit Jahren hilfreich zur Seite. Mehr als 150 Ausstellungen sind zustande gekommen. Viele davon sind natürlich sehr der Echterdinger Heimatgeschichte verpflichtet. Dazu gehören natürlich Philipp Matthäus Hahn, die Landung des Zeppelin, der Anbau von Kraut, die Sammlung von Spielkarten, die Veränderung des Stadtbildes – zu all dem gab es nicht nur eine, sondern gleich mehrere Ausstellungen. Dazu gehören die Partnerstädte Manosque und Voghera, die auch schon mehrmals vor allem ihre Krippen auf die Fildern sendeten. Aber auch schon ganz naheliegend: Die Krippe aus Musberg wurde auch schon mehrmals in Echterdingen aufgestellt. Heimische Wirtschaftsbetriebe bekamen eigene Ausstellungen. Firmen, die zum Teil heute Geschichte sind, etwa der Ehapa-Verlag oder die Orgelfirma Weigle. Andere behaupten sich nach wie vor wie die Firma Speick, andere wachsen hier zu internationaler Größe wie die Firma Euchner. Und immer wieder stehen die Kinder im Mittelpunkt von Ausstellungen.

Eine Ausstellung hat es Jung und Alt angetan: „Money, Money, Money“ zum Wechsel der Jahre 2023 und 2024. Da konnten sich alle wie Dagobert Duck fühlen, die reichste Ente der Welt. Damals gab es ein Golddukaten-Bad, in das jeder reinsteigen konnte.