Der zoologisch-botanische Garten ist nicht nur bei warmen Temperaturen anziehend, auch wenn es kühler ist oder gar regnet. Wo können Besucher abtauchen ins Warme?
Wenn es draußen kalt, regnerisch und einfach ungemütlich wird, gibt es im einzigen zoologisch-botanischen Garten Deutschlands, in Stuttgart, vielerlei Möglichkeiten, Tiere und Pflanzen trotzdem in Ruhe und gemütlich zu erleben.
Denn der nach eigenen Angaben artenreichsten Zoo der Welt, mit 11.000 Tieren in 1200 Arten und 8500 Pflanzenarten besitzt zahlreiche Schauhäuser, in denen die besondere Tier- und Pflanzenwelt zu erleben ist, aktueller Tiernachwuchs und die Besucher dabei nicht frieren müssen. Wir geben Tipps, wo es im Winter in der Wilhelma angenehm ist und es zugleich für Groß und Klein Interessantes zu entdecken gibt.
Tipp 1: Ab ins Warme zu den Palmen der Wilhelma
Wer träumt nicht davon, gerade im Winter, wenn es draußen eisig ist, zwischen meterhohen Palmen zu wandeln? Und das sogar nach dem Vorbild viktorianischer Gewächshäuser in England. In der Wilhelma geht das gerade bei schlechtem Wetter und macht es besonderen Spaß. Etwa im Palmenhaus, genauer in der historischen Gewächshauszeile. Sie wurde 1854 und stammt noch aus Zeiten von König Wilhelm I. von Württemberg. Der fand die Kombination von Gusseisen und Pflanzen toll. Das ist auch der besondere Charme der Palmenhalle. Dorthin gelangt der Besucher gleich nach dem Haupteingang beim Weg durch das Historische Gewächshaus oder von draußen an den Flamingos vorbei bis zur erste Wegkreuzung durch die große Gewächshaustür.
Tipp 2: Zu Rüsselhündchen, Nacktmulle und Gürteltier in der Wilhelma
Gleich neben dem historischen Wintergarten und den Palmen gibt es quasi als Geheimtipp das im Jahr 2022 eröffnete Haus für Kleinsäuger, Vögel und Insektivoren (KVI). Dort finden sich die niedlichenRüsselhündchen, die nun zu zweit sind, aber auch das Gürteltier, welches Zootier des Jahres ist.
Hier fühlt sich der Besucher wie im tropischen Regenwald aber auch in einer trockenen Savanne. Die kuriosen Nagetiere Nacktmulle sind hier gleich rechts neben dem Hauptzugang im Turm mit den vielen runden Guckkästen zu finden. Die Nacktmulle sind schmerzunempfindlich und können keinen Krebs bekommen. Durch die runden Fenster können Groß und Klein sehen, wie die Tiere in ihrem Staat zusammenleben. Im hinteren Bereich gibt es besonderes Grün zu entdecken, Fleisch fressende Pflanzen. Sie heißen Kannenpflanzen oder auch Insektivoren.
Tipp 3: Aquarium der Wilhelma: Kleine Weltreise unter Wasser
Weiterhin abseits vom trüben Wetter geht es ins Aquarium – zur Tiervielfalt unter Wasser. Hier tummeln sich Seepferdchen und eine große Anzahl weiterer bunt leuchtender Fische, die in der Nordsee zu Hause sind, aber auch im Mittelmeer und einige tropische Fischarten. 71 Aquarien sind hier zu bestaunen sowie sechs Klimalandschaften und fünf Uferbecken – also wie eine kleine Weltreise unter Wasser.
Tipp 4: Das größte Krokodil in Deutschland lebt in der Wilhelma
Im Aquarium sind auch 32 Terrarien mit Echsen, Schlangen und Fröschen. Und in der Mitte des Aquariums verweist schon ein weißer beeindruckender knöcherner Schädel beim Kettenvorhang auf den spannendsten Bereich: die Krokodilhalle. Dort ist auch das größte Krokodil in Deutschland zu sehen: Leistenkrokodil Frederick. Es ist mehr als 4,35 Meter lang. Im Aquarium leben nach Angaben der Wilhelma insgesamt rund 750 Tierarten. Im nördlichen Bereich leben Wassertiere der gemäßigten Zone, im Südteil die tropischen Süßwasserfischen und Bewohner der Korallenriffe.
Tipp 5: Weiter in südliche Gefilde – auf den fünften Kontinent
Nach dem Aquarium geht es geschützt vor Regen, Wind und Kälte über die Wandelhalle, den Flüstergang Richtung Terra Australis. Die vor zwei Jahren eröffnete neue Australienwelt ist auch im Winter sehr beliebt. Nicht nur wegen der fünf Koalas, die es dort gleich im ersten Tag-Bereich zu bewundern gibt. Seit August hat Koalamutter Auburn zudem ein kleines Joey im Beutel, welches heranwächst.
Auch die Nachttiere in den angrenzenden zwei Bereichen werden gerne entdeckt bis hin zu den Kaninchenkängurus, bei denen eins der zwei Paare kürzlich Nachwuchs bekommen hat. Mehr als elf Tierarten gibt es hier zu entdecken. Für die beiden Nachtbereiche empfiehlt es sich, entspannt und langsam durchzugehen, damit sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnen. Dann lassen sich die australischen Bewohner in Aktion erleben wie die Kowaris, die Spinifex-Hüpfmäuse, das kletternde Fuchskusu oder der Sugar Glider, der gerne süßes Obst isst. Oder auch die Quokkas, die glücklichsten Tiere der Welt, die es europaweit nur in der Wilhelma gibt.
Tipp 6: Halbwüste und Tropen im Wilhelma-Winter
Nach der Terra Australis empfiehlt es sich, ins nahe Maurische Landhaus zu gehen. Auch dort können die Besucher angenehme bis richtig warme Temperaturen gerade im Winter genießen. Denn hier gibt es Temperaturen der Halbwüste. Angefangen von der Kakteen- und Sukkulentenlandschaft gleich im ersten Raum mit Säulenkakteen, Agaven, Jojoba-Pflanze und der Elefantenfuß. Für eine besondere Atmosphäre sorgt auch hier die gusseiserne Architektur des historischen Baus. Weiter hinten geht es in den tropischen Bereich. Dort gibt es nach den Farnen unter den tropischen Nutzpflanzen auch Erdnusspflanzen zu entdecken.
Tipp 7: Besuch in Afrika bei den Langhälsen
Hinter dem Maurischen Landhaus führt der Rundgang die Treppen hoch zum Belvedere und von dort rechts weiter Richtung Giraffenhaus in den Norden des Zoos. Bereits seit 1951 gibt es in der Wilhelma Giraffen und sind seit 1970 rund 40 Kälber zur Welt gekommen. In der Wilhelma leben die im Norden von Kenia bis in den Süden Äthiopiens und im Westen Somalias vorkommenden Netzgiraffen. Ihr Bestand ist in den letzten 30 Jahren um 56 Prozent gesunken, die Tiere kommen heute fast nur noch in Schutzgebieten vor. Die Langhälse faszinieren. Und bei schlechtem Wetter sind die Kühe Lindani, Sala und Nyiri im Giraffenhaus zu bewundern.
Tipp 8: Amurtiger in der Wilhelma unter Dach und vom Tunnel aus
Natürlich ist auch die neue Amurtigeranlage unweit des Giraffenhauses im Norden der Wilhelma einen Besuch Wert. Und bei schlechtem Wetter eignet sich nicht nur die Unterstände, um etwas geschützt vor Regen oder Schneefällen die größte Katze der Welt zu beobachten, die im übrigen in einem unbeheizten „Kaltstall“ dort lebt, weil sie in ihrer ursprünglichen Heimat Sibirien kälteste Temperaturen gut aushalten kann.
Und natürlich bietet auch der neue Besuchertunnel gleich vor der Anlage rechts unten geschützte Möglichkeiten im Winter, um in Ruhe auf die Anlage zu schauen und vielleicht eine der beiden größten Raubkatzen der Welt, Männchen Amazar und Weibchen Noia, zu sehen und sich über ihre Bedrohung als Art zu informieren.
Tipp 9: Besuch bei unseren nächsten Verwandten
Und bevor es zurück geht, empfiehlt es sich auch, unsere nächsten Verwandten zu besuchen. Denn das große Menschenaffenhaus liegt unweit der Amurtigeranlage. Dort leben Bonobos und Gorillas – im Winter auch im Warmen.
Insbesondere bei den beiden Bonobo-Gruppen gibt es immer wieder viel Aktion und spannende Momente, wie die Tiere miteinander kommunizieren. Grund auch für Wissenschaftler, die dort regelmäßig das Verhalten beobachten und auswerten. Der gesamte Rundgang dauert etwa vier Stunden.