Ausgefallene Süßigkeiten aus aller Welt: Linda und Daniel Bleif verkauften in ihrer Freizeit ihre Monster Snackbags – die Gewinne fließen in soziale Projekte. Foto: Simon Granville

Das Ehepaar Linda und Daniel Bleif aus Gerlingen vertreibt in seiner Freizeit ausgefallene Süßigkeiten aus aller Welt. Der Gewinn von Monster Snackbag kommt guten Zwecken zugute.

Die Hündin Josie kann wieder ganz gut laufen. Das war nicht immer so, außerdem hatte das Tier dabei große Schmerzen. Um Josies Situation zu verbessern, haben Linda und Daniel Bleif aus Gerlingen eine Operation bezahlt, die Behandlungskosten von rund 1800 Euro für eine Goldakupunktur, eine spezielle Schmerztherapie. Die Hilfe für Josie war ein „Herzensprojekt“, wie das Paar es formuliert. Projekte wie dieses haben die beiden reichlich.

 

Linda und Daniel Bleif haben eine besondere Leidenschaft: Sie verkaufen neben ihren Hauptjobs Süßigkeiten, die ebenfalls „sehr besonders“ sind – und spenden den Gewinn an soziale Projekte.

Hündin Josie ist dank einer Geldspende von Linda und Daniel Bleif operiert worden – und nun wieder recht gut zu Fuß. Foto: privat

Monster Snackbag heißt das Unternehmen, das sie im August 2023 aus der Taufe gehoben haben. Gehandelt werden Süßigkeiten aus aller Welt, die laut den Bleifs nicht im Supermarkt erhältlich sind. Sie beziehen die Fruchtgummis, Kaubonbons, Lutscher und mehr über Lieferanten wie Großhändler.

Monster Snackbag aus Gerlingen: Süßigkeiten für gute Zwecke

Tiere und Kinder liegen den 39-Jährigen am Herzen. „Die soziale Initiative wird immer größer“, sagt Linda Bleif. Mittlerweile arbeiten die Gerlinger nicht nur mit dem Tierschutzverein Ludwigsburg zusammen, sondern auch mit den Fellnasen und den Vergessenen Pfoten in Stuttgart. „Wir haben viele Tier-OPs finanziert“, sagt Linda Bleif. Nicht nur Tiere – auch das Kinderhospiz in Leonberg profitiert unter anderem von Spenden, von denen voriges Jahr mindestens 35 000 Euro zusammengekommen sind.

Noch würden Spendenprojekte abgewickelt. „2025 war ein sehr gutes Jahr“, sagt Daniel Bleif. Aktuell stünden sie mit dem Wünschewagen Ludwigsburg in Kontakt, der todkranken Menschen Träume erfüllt.

Spenden für Menschen und Tiere – vielleicht auch bald an Wünschewagen Ludwigsburg

Aus steuerrechtlichen Gründen können die Bleifs nach eigener Aussage nur an gemeinnützige Vereine und Organisationen spenden. Zum Jahresende muss immer eine Null auf dem Konto sein. Den Bleifs ist es wichtig, dass die Projekte, die sie unterstützen, in der Region sind, damit sie mal vorbeischauen können – und dass sie „konkret“ sind.

Das Projekt ist stetig gewachsen:

  • Im Sommer 2023 begann es mit 200 Kilogramm Süßigkeiten im heimischen Keller.
  • Voriges Jahr haben die Bleifs 14 Tonnen Süßigkeiten in mehr als 10 000 Tüten verkauft.
  • In diesem Jahr sollen es zwei, drei Tonnen mehr werden.
  • „Wir sind stolz, dass wir so groß geworden sind“, sagt Daniel Bleif.
  • Das Unternehmen soll weiter wachsen – „aber in kleinen Schritten“.

Kleine Schritte auch deshalb, weil die Bleifs für ihre Ware in Vorleistung gehen und die Süßigkeiten aus eigener Tasche finanzieren. Dieses Jahr werden es „weit über 100 000 Euro“ sein. Im Jahr zuvor haben sie 75 000 Euro Eigenkapital investiert. „Da haben wir schon Bauchschmerzen gekriegt“, erinnert sich Linda Bleif. Sie sagt auch, sie hätten mehr Ideen als Geld. Einen Kredit bei der Bank aufnehmen wollen sie aber trotzdem nicht. „Wir wollen keine Schulden machen oder in der Schuld von jemand anderem stehen. Wenn wir ein Risiko eingehen, wollen wir es selbst tragen.“ Umso wichtiger sei eine gute Planung.

Für seine Mission opfert das Paar viel seiner Freizeit. „Die Kunst ist, alles unter einen Hut zu bekommen“, meint Daniel Bleif. Unter der Woche konzentrieren sie sich darauf, den laufenden Betrieb zu sichern, am Wochenende kümmern sie sich um den Rest. Das Paar ist sich einig: „Was wir tun, raubt uns keine Energie, sondern gibt uns Energie – und so viel zurück.“

Adventskalender von Monster Snackbag waren rasend schnell ausverkauft

Nichtsdestotrotz sind sie froh über die zahlreichen Helfer. Zu ihnen gehören zum Beispiel die Menschen mit Behinderung aus der Habila-Werkstatt in Markgröningen. Über sie haben die Bleifs zuletzt 2222 Adventskalender auf den Markt gebracht. Eine Woche vor dem 1. Dezember waren sie ausverkauft, erzählt Daniel Bleif. „Wir waren total glücklich und erleichtert. Wir hatten wirklich Respekt davor, alles wegzubekommen.“ Denn Adventskalender sind Saisonware. Was bis zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht verkauft ist, bleibt liegen.

Ab Mai lassen die Bleifs alle Produkte über die Behindertenwerkstatt konfektionieren, sprich: Künftig kommt dort die Ware an und wird dann in Tüten gepackt. Den Bleifs bleibt so mehr Zeit für die strategische Weiterentwicklung ihres Unternehmens. 95 Prozent des Verkaufs erfolgen über das Internet. Stationär bieten sie ihre Ware beispielsweise im Gummibärenland an, mit dem sie seit geraumer Zeit kooperieren. Sie hätten dort eine „Riesenfläche“, beleuchtet und im Kassenbereich. Außerdem sind ihre süßen Tüten nun auch bei einer Tankstelle zu haben, die von ihrem Zuhause nur einen Katzensprung entfernt ist.

Die Gerlinger setzen bewusst auf kleine Snackgrößen

Süßigkeiten gehen offenbar immer. Die Bleifs erklären ihren Erfolg damit, dass sie ein Angebot für „besondere Momente“ schaffen. Sie würden bewusst auf kleine Snackgrößen setzen – denn natürlich wissen sie, dass zu viel Zucker schadet.

Süßigkeiten, wohin das Auge blickt, gab es in Köln bei der internationalen Süßwarenmesse, der weltgrößten, die auch Linda und Daniel Bleif jetzt wieder besucht haben. Sie wollen gern Schokolade in ihr Sortiment aufnehmen. Deshalb gilt es, vor allem neue Schokoprodukte zu testen. „Bei Süßigkeiten gibt es keine Grenzen“, stellt Daniel Bleif fest und lacht. „Bei der Messe zu sein, fühlt sich an wie Weihnachten, wie im Paradies. Das ist harte Arbeit.“