Tafelspitzen: Ernst ist das Leben, heiter ist die Kunst
Vom großen Namen ein Stück profitieren möchte auch der Schillerhof im Herzen der Altstadt. Eine direkte Verbindung zum berühmten Sohn der Stadt gibt es nicht, der Name ist dennoch Programm. Die Tür ziert eine Büste des Dichters, das Logo sein Konterfei, an den Wänden hängen Porträts, und die im historischen Stil gestaltete Speisekarte ist mit Schiller-Zitaten durchsetzt. Eine Leiste aus Natursteinen schmückt die Wände, stilvolle Möbel wirken einladend, Kronleuchter bringen Licht in die Szenerie.
Hübsch anzuschauen ist das alles - und durchaus stimmig, Sturm und Drang in zeitgemäßer Verpackung. Der neue Wirt Georgios Keramaris, der die Gaststätte im Sommer übernommen hat, wollte bei der monatelangen Renovierung "alles ein bisschen auf Schiller trimmen". Deshalb stehen auch auf der Speisekarte vorwiegend deutsche und schwäbische Klassiker. Nur ganz versteckt finden sich griechische Anleihen, zudem Flammkuchen, Pasta und Fisch. "Wir wollen auch ein paar mediterrane Akzente setzen", begründet das der Chef.
Morgen können wir's nicht mehr, darum lasst uns heute leben. Diesen Schiller-spruch beherzigen wir und werden schnell auf der Tageskarte fündig. Der Gänsebraten auf Apfelrotkohl mit Quittensoße und Semmelknödeln überzeugt. Auch das Edel-Wildragout ist frisch und zart und lässt den Dichter schwärmen. Allerdings bewegen sich die Preise - wie auf der übrigen Karte - im gehobenen Mittelfeld der gutbürgerlichen Küche. Die Qualität rechtfertigt das.
Doch halt! Man sollt' den Tag nicht vor dem Abend loben, zumal, wenn schon die Karte den Epilog dramatisch ankündigt. "Dessertvariation nach Laune des Küchenchefs", steht da zu lesen. Wir erkundigen uns vorsichtig und bekommen zu hören, die sei an diesem Tag ausgezeichnet. Also bestellen wir frohen Herzens. Auf dem Teller finden sich Ofenschlupfer, Parfait aus Waldfrüchten und weihnachtliche Mousse au Chocolat mit einem Hauch von Zimt. Preislich zwar auch hier nicht unbedingt für arme Poeten, dennoch lässt sich nur sagen: Ein guter Abgang ziert die Übung.
Was ist nun also der langen Rede kurzer Sinn, wie schon der Dichterfürst fragte? Georgios Keramaris hat mit viel Arbeit und Liebe zum Detail ein Refugium geschaffen, in dem sich Aug' und Magen laben. Und leider muss man den großen Meister Schiller deshalb Lügen strafen, der da doch behauptete: Stets ist die Sprache kecker als die Tat. Nicht im Schillerhof.
Küche: Schwäbische Klassiker und Mediterranes
Atmosphäre: Sturm und Drang in stimmigem Ambiente
Preis/Leistung: Hohe Qualität zu akzeptablen Preisen
Adresse: Restaurant-Café Schillerhof, Marktstraße 19, 71672 Marbach am Neckar, Telefon 0 71 44 / 5 01 00 15. http://www.restaurant-schillerhof.de.
Öffnungszeiten: Täglich von 11 bis 24 Uhr, kein Ruhetag.
Extras: Kleine Bar, im Sommer große Terrasse, Tageskarte.
Anfahrt: Mit der S-Bahn-Linie S 4 bis zur Endhaltestelle Marbach. Vom Bahnhof zu Fuß den Berg hinauf in die Altstadt. Für Autofahrer: Parkmöglichkeiten in den umliegenden Parkhäusern, zum Beispiel bei der Polizeiwache.

