Konstanz ohne Oasis: Maßlos selbstverliebt und glamourös

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Stuttgarter NachrichtenDer Moment ist alles im Pop. Das Hier und Jetzt. Darin liegt seine Faszination, aber auch seine Tragik - und das Schicksal der meisten großen Bands. Auch das von Oasis, der Britrock-Ikone der 90er Jahre. Der Dauerstreit zwischen den Brüdern Liam (36) und Noel Gallagher (42) eskalierte in den letzten Tagen und führte nun zum endgültigen Bruch. Ausgerechnet einen Tag vor dem Auftritt in Konstanz gab Noel mit dürren Worten seinen Ausstieg aus der Band bekannt: "Mit einiger Traurigkeit und großer Erleichterung teile ich euch mit, dass ich heute Nacht Oasis verlassen habe. Ich kann einfach nicht einen Tag länger mit Liam arbeiten. Entschuldigung an all die Leute, die Eintrittskarten für die Shows in Paris, Konstanz und Mailand gekauft haben." Obwohl viele extra wegen der britischen Band angereist waren und das Eintrittsgeld nicht zurückerstattet wurde, hielt sich die Enttäuschung der überwiegend jungen Fans in Grenzen. Den meisten ging es wohl mehr darum, Party zu feiern und bei angenehmen Temperaturen das letzte Open-Air-Festival des Jahres zu genießen. Natürlich ist die Hardrockband Deep Purple für die meisten kein gleichwertiger Ersatz. Obwohl sich die Altrocker um Sänger Ian Gillan in der Rückschau durchaus zu den Miterfindern des Heavy Metal zählen können, sprechen sie ein völlig anderes Publikum an.
In Konstanz präsentieren sie sich als respektable Rockband, die noch längst nicht in die Kirmesliga der Oldierocker abgedriftet ist. Das Quintett mit den Urgesteinen Ian Paice (Schlagzeug), Ian Gillan (Gesang) und Roger Glover (Bass) entwickelt noch immer unbändige Spielfreude, vor allem die alten Hits "Strange Kind Of Woman", "Highway Star" und "Perfect Strangers" sorgen für Begeisterungsstürme. Natürlich darf die Rock-Hymne "Smoke On The Water" nicht fehlen. Ausschweifende Gitarrensoli, psychedelische Orgeleinlagen und häufige Rhythmuswechsel prägen den monumentalen Sound der Gruppe. Wer eine perfekt choreografierte Bühnenshow erwartet, ist fehl am Platz. Der Auftritt dieser Band wirkt absolut unprätentiös. Wenig Show und mit Ian Gillan ein Sänger, dessen Stimme zu Beginn zwar schwächelt, mit der Zeit aber immer sicherer rüberkommt. Dazu mit Steve Morse ein Gitarrist, der seinen Vorgänger Richie Blackmore in Bezug auf Fingerfertig- und Schnelligkeit fast noch übertrifft.
Musikalischer Höhepunkt des Festivals ist jedoch der Auftritt der schwedischen Alternativ-Rocker The Hives. Laut, kurz und schmutzig, bei weitem nicht so präzise wie im Studio, aber auch alles andere als verschwommen, so fliegen die Songs an einem vorbei. Mit der Hybris des großen Entertainers, maßlos, selbstverliebt, glamourös und immer ganz vorne an der Bühnenrampe, leitet Pelle Almquist durch den 80-minütigen Auftritt. Er weiß, dass er sich alles erlauben kann. Er ist der Poseur, der das Publikum auf Deutsch zum Mitsingen animiert, der über die Bühne tobt, auf Lautsprecherboxen und Gerüste klettert und trotzdem wie aus dem Ei gepellt aussieht.
Aus der sicheren Entfernung von 100 Metern zur Bühne wird man Zeuge eines famosen Spektakels, das den Auftritt der ebenfalls aus Schweden stammenden Band Mando Diao in den Schatten stellt. Die Titel ihres neuesten Albums "Give Me Fire" kommen zwar ebenfalls mit kreischender Orgel und polternden Beats daher, den Songs aus dem vor sieben Jahren erschienenen Debütalbum "Bring 'em In" können sie aber nicht das Wasser reichen. Richtig zur Sache geht's erst im zweiten Teil.