Jahresbericht für Baden-Württemberg: So kommt der Südwesten laut Experten beim Klimaschutz voran

Der Verkehr ist weiterhin das Sorgenkind der Klimaexperten. (Arhcivbild)
Marijan Murat/dpa- Jahresbericht des Klima-Sachverständigenrats: Fortschritt und Defizite beim Klimaschutz im Land.
- Energiewirtschaft: Emissionen der Stromerzeugung stiegen um 22,3 Prozent, Rekordanteil Erneuerbare.
- Gebäude: leichte Emissionszunahme, Ziele wohl verfehlt, Wärmepumpen erstmals vor Gasheizungen.
- Verkehr bleibt größte CO2-Quelle – nur minimaler Rückgang, Trendwende nicht erkennbar.
- Industrie sinkt konjunkturbedingt, Landwirtschaft ohne wirksame Instrumente, Wälder verlieren Senkenleistung.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Wochenlange Hitzewellen, zahlreiche Hitzetote, extrem niedrige Pegelstände an Flüssen: Die Auswirkungen des Klimawandels sind auch im Südwesten deutlich zu spüren.
Nun hat der von der Landesregierung eingesetzte Klima-Sachverständigenrat seinen Bericht zum Fortschritt des Klimaschutzes im Land vorgelegt. Ein Überblick über die Entwicklung in den wichtigsten Bereichen.
Energiewirtschaft
Während in den vergangenen Jahren die Emissionen von Kraftwerken immer weiter zurückgingen, stellten die Experten 2025 eine gegenteilige Entwicklung fest. Demnach stiegen die Emissionen der Stromerzeugung im vergangenen Jahr um mehr als ein Fünftel (22,3 Prozent) an. Damit liege das Niveau wieder fast auf dem von 2019, schreiben die Experten in ihrem Jahresbericht.
Positiv bewertet der Klima-Sachverständigenrat den Ausbau der erneuerbaren Energien wie Windkraft, Sonnenenergie oder Wasserkraft. Sie hätten 2025 bereits 57,6 Prozent der Bruttostromerzeugung im Land geliefert, was ein neuer Rekordwert sei. Der größte Anteil des Zuwachses entfällt dem Bericht zufolge auf Photovoltaikanlagen. Auch bei der Windkraft wurde im Vergleich zum Vorjahr ein deutlicher Zuwachs erfasst.
Von der Politik fordern die Experten weitere Maßnahmen zum Ausbau der erneuerbaren Energien. So solle etwa geprüft werden, die bestehende Photovoltaikpflicht für Neubauten und bei Dachsanierungen bis 2040 zu einer generellen Photovoltaikpflicht für Gebäude auszubauen. Auch müsse die Landesregierung das Versprechen aus dem Koalitionsvertrag schnell umsetzen, dass Kommunen zwingend an den Erträgen von Windrädern oder großen PV-Anlagen beteiligt werden müssen.
Gebäude
Einen leichten Anstieg der Emissionen verzeichnen die Experten auch im Gebäudesektor. Dort gab es dem Bericht zufolge im vergangenen Jahr einen Anstieg um 2,6 Prozent, was die Experten vor allem auf das kältere Wetter zurückführen. 2025 war demnach 0,7 Grad kälter als das Vorjahr, weswegen auch mehr Heiztage anfielen. Die Ziele in diesem Bereich sehen die Experten inzwischen als nicht mehr erreichbar an – vor allem wegen politischer Entwicklungen auf Bundesebene sei absehbar, dass die Ziele wohl verfehlt würden.
Zwar hätten im vergangenen Jahr erstmals Wärmepumpen die Gasheizung als am häufigsten eingebaute Technik überholt – dennoch seien im Südwesten auch 3.300 neue Gas- und Ölheizungen eingebaut worden.
Verkehr
Der Verkehrsbereich macht den Experten seit Jahren große Bauchschmerzen und bleibt auch weiter weit hinter den selbstgesteckten Zielen zurück. Eine Trendwende sei dort weiter nicht erkennbar, schreibt der Klima-Sachverständigenrat. Zwar seien die Emissionen 2025 um 0,9 Prozent leicht zurückgegangen – mit einem Anteil von fast einem Drittel bleibe der Verkehr aber weiter die größte CO2-Quelle im Land. Der Bereich weist gegenüber 1990 nur einen minimalen Rückgang der Emissionen auf. Um das Klimaziel für 2030 zu erreichen, müssten die Emissionen aus dem Jahr 2025 bis dahin mehr als halbiert werden.
Die Elektromobilität habe zwar an Dynamik gewonnen, heißt es in dem Bericht, insgesamt reiche die Entwicklung aber bei weitem nicht aus, um den CO2-Ausstoß so weit zu senken wie nötig. Zudem fürchten die Experten, dass das Angebot beim ÖPNV wegen steigender Kosten sogar zurückgebaut wird.
Industrie
Weiter gesunken sind dagegen die Emissionen der Industrie im Südwesten - wenn auch etwas weniger als in den Jahren zuvor. Erneut gehen die Rückgänge aber nicht auf Klimaschutzmaßnahmen zurück, sondern vor allem auf die schwache Konjunktur, schreiben die Experten in ihrem Bericht. Im Falle einer Erholung der Konjunktur sei zu befürchten, dass die Emissionsrückgänge wieder wegfallen könnten - mit schwerwiegenden Folgen für die Erreichung der Ziele bis 2030, schreiben die Experten.
Sie haben aber auch positive Beobachtungen in ihrem Jahresbericht festgehalten. Es zeige sich ein deutlich zunehmender Trend zum Umwelt- und Klimaschutz in der Industrie. Dieser sei auch belegbar: „Der Anteil der Umweltschutzinvestitionen an den Gesamtinvestitionen nimmt deutlich zu“, schreiben die Experten. Daran solle die Landesregierung direkt anknüpfen, empfehlen die Wissenschaftler.
Landwirtschaft
Kein gutes Zeugnis stellen die Experten der Landwirtschaft aus. Zwar gingen die Emissionen 2025 um 1,1 Prozent leicht zurück, das dürfe man aber nicht als klimapolitischen Fortschritt verstehen, schreiben die Experten. Bisher erreichte Rückgänge bei den Emissionen seien größtenteils darauf zurückzuführen, dass es aus wirtschaftlichen Gründen weniger Tierbestände gebe oder dass weniger mit mineralischem Stickstoffdünger gearbeitet werden dürfe. „Der Beitrag einer gezielten Landesklimapolitik zum bisherigen Emissionsrückgang ist dagegen nur begrenzt erkennbar.“ Wirksame Instrumente fehlten nicht nur auf Landes-, sondern auch auf Bundes- und EU-Ebene.
Wälder, Moore und Co
Wälder, Wiesen, Moore und Co. spielen für das Erreichen der Klimaziele in Baden-Württemberg eine sehr wichtige Rolle. Sie können nämlich CO2 speichern und gelten damit als CO2-Senken, die einen gewissen Ausstoß an Emissionen binden können. Das Problem laut Experten: Weil es den Wäldern wegen Trockenheit, Hitze und Schädlingen immer schlechter geht, verlieren sie auch ihre Kapazität, CO2 zu binden. Sollte der Sektor die für 2030 angenommene Wirkung nicht erbringen, müssten die übrigen Bereiche mehr CO2 einsparen.

