Gottesdienste auf Mallorca
: Orientierung für die vollkommen Orientierungslosen am Ballermann

Beten am Ballermann: Seit mehreren Jahren fahren junge Menschen in göttlicher Mission auf des Deutschen liebste Partyinsel – auch aus dem Südwesten.
Von
Michael Bosch
Palma/Stuttgart/Freudenstadt
Jetzt in der App anhören
Gottesdienst am Strand von Palma

Bis zu 200 Menschen hören bei den Gottesdiensten am Strand von Palma zu.

Reach Mallorca
  • Am Ballermann finden seit 15 Jahren im Sommer kurze Strandgottesdienste statt.
  • „Reach Mallorca“ organisiert bis 8. August 14 Termine an der Platja de Palma.
  • 150 bis 200 Menschen hören zu, teils lassen sich Urlauber im Meer taufen.
  • Themen sind Party, Beziehungen und Sinnsuche – es wird viel gesungen.
  • Street Angels helfen Betrunkenen und begleiten sie, teils gab es Streit mit Clubs.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der Ballermann ist vielleicht ein Tempel des Sauf- und Partytourismus, aber nicht gerade ein Tempel im herkömmlichen Sinne. Oder doch? Im Sommer finden schon seit 15 Jahren regelmäßig Gottesdienste direkt gegenüber des Megaparks – einem der bekanntesten Clubs auf der bei den Deutschen immer noch beliebtesten Ferieninsel – statt.

Die Initiative „Reach Mallorca“ veranstaltet während der Sommerferien, so auch in diesem Jahr, insgesamt 14 Kurzgottesdienste (noch bis 8. August) direkt an der Platja de Palma. Hinter dem  Projekt stehen die Karlsruher Bibel- und Missionsschule Gospeltribe, die Jugendmissionsgemeinschaft Bielefeld sowie weitere Organisationen aus der Schweiz, Spanien und den USA.

Gottesdienste am Ballermann: Es geht um Liebe, Party, Sinn

In den halbstündigen Gottesdiensten, direkt an der Feier-Meile, geht es um Themen wie Party, Beziehungen und den Sinn des Lebens. Zudem wird viel gesungen. „Wir lieben das Partyvolk“, sagt Manuel Leiser, einer der Leiter der Initiative. „Und wir erleben gerade da, wo man es am wenigsten erwarten würde, dass Mallorca-Besucher besonders offen für Gott und den Glauben sind.“ Dass Mallorca-Urlauber es gewohnt sind, dauernd angequatscht zu werden, helfe auch.

Die "Street Angels" der Initiative kümmern sich um orientierungslose Party-Urlauber

Die "Street Angels" der Initiative kümmern sich um orientierungslose Party-Urlauber

Reach Mallorca

An den meisten Abenden würden 150 bis 200 Menschen zuhören, immer wieder lassen sich Urlauber sogar direkt im Mittelmeer taufen. „Mich fasziniert, dass Menschen am Ballermann ganz unverhofft von einer Hoffnung hören, nach der sie oft schon lange suchen – und die sie weder in Feiern, Alkohol noch in Geld oder Beziehungen finden konnten“, sagt Emely Sailer aus Freudenstadt.

Die junge Baden-Württembergerin ist einer von 200 größtenteils jungen Menschen, die mit der Initiative in diesem Sommer nach Mallorca geflogen sind, um den Touristen Gott näher zu bringen. Die meisten reisen aus Deutschland, insbesondere aus Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen, sowie der Schweiz an.

Es gab auch schon Ärger mit Clubbetreibern

Nicht nur an der Playa de Palma sind die jungen Missionare unterwegs, in Magaluf helfen sie Nachtschwärmern, die einen über den Durst getrunken haben. Die sogenannten Street Angels (deutsch: Straßenengel) schenken Wasser aus und versuchen den Partywütigen nicht nur im Glauben auf den rechten Weg zu helfen. Die vollkommen Orientierungslosen, die nicht mehr wissen wohin, werden auch mal zurück zu ihrem Hotel begleitet. „Wir erleben bei unseren Einsätzen häufig, dass betrunkene Männer und Frauen leicht Opfer von Raubüberfällen oder sexuellen Belästigungen werden“, sagt Johannes Baumann, Leiter der Initiative. „Wenn Jesus heute lebte, er würde zum Ballermann gehen.“

Während viele Einheimische den Einsatz in göttlicher Mission offenbar begrüßen, gab es in der Vergangenheit auch schon Reibereien mit Clubbetreibern. Der Vorwurf, den der Megapark vor fünf Jahren äußerte: Die Aktionen der Missionare seien viel zu laut. Mit einer Lautstärke von bis zu 110 Dezibel würden sie die Touristen aus den Bars und Discos locken, so die Anschuldigung. Mitarbeiter des Megaparks hätten daraufhin auch versucht, mit Ghettoblastern und noch lauterer Musik den Gottesdienst zu stören, berichtete das österreichische Medium „heute“.