Dürre in Baden-Württemberg: Beim Grundwasser sind absolute Tiefststände erreicht – Auch am Blautopf sinkt der Pegel

Derzeit fließen rund 900 Liter pro Sekunde aus dem Blautopf in Blaubeuren – in Spitzenzeiten können es bis zu 20.000 Liter pro Sekunde sein.
Stefan Puchner/dpa- Grundwasser in Baden-Württemberg fällt fast überall – vielerorts bereits niedrige Bereiche.
- Gewitterregen helfen kaum, da trockene Böden erst Wasser aufnehmen müssen.
- Blautopf nahe Tiefststand: zuletzt 543 l/s, Rekordtief 264 l/s, Spitzen bis 20.000 l/s.
- LUBW meldet an jeder vierten Messstelle neue August-Tiefs der letzten 30 Jahre.
- Erholung wohl erst ab November; Stuttgart verbietet Wasserentnahme bis 30. September.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
In den fast ausgetrockneten Flüssen und auf den verdörrten Wiesen sehen wir es jeden Tag: Der Hitzesommer 2026 hat extreme Folgen für die Natur und die Menschen. Das Wasser im Untergrund dagegen sehen wir nicht – dabei ist es von hoher Bedeutung, denn ungefähr drei Viertel unseres Trinkwassers werden aus dem Grundwasser gewonnen. Im Moment gibt es an nahezu allen der 73 repräsentativen Messstellen der Landesanstalt für Umwelt (LUBW) in Karlsruhe eine rückläufige Tendenz, und bei mehr als der Hälfte sind die Grundwasserstände schon im niedrigen Bereich angekommen.
Der Eindruck, dass es momentan im Grundwasser noch etwas besser aussieht als bei oberirdischen Gewässern, täuscht aber nicht. Das liegt daran, dass das Grundwasser ein sehr träges System ist; die Auswirkungen von Hitze und Trockenheit kommen dort erst mit wochenlanger Verspätung an. Umgekehrt gilt das auch: Selbst wenn es oben wieder regnet, gehen die Pegel im Untergrund noch zurück. Denn zuerst muss sich der derzeit sehr trockene Boden wieder mit Wasser füllen, und erst wenn dieser gesättigt ist, fließt Regen auch ins Grundwasser.
Am Blautopf ist der bisherige Tiefststand fast erreicht
Thomas Gudera, der Grundwasserwasserexperte bei der LUBW, sagt deshalb: „Die derzeitigen Gewitterregen sind für das Grundwasser nicht relevant – wir erwarten vielmehr im Laufe des Augusts weiter sinkende Spiegel.“ An jeder vierten Messstelle liegen die aktuellen Verhältnisse unter den bisherigen August-Niedrigstwerten der vergangenen 30 Jahre. Und an einigen Messstellen bewegen sich die Grundwasserstände bereits auf historisch niedrigem Niveau, hauptsächlich im Bereich der Schwäbischen Alb und in Oberschwaben. An weiteren Punkten könnte das in den nächsten Tagen eintreten. Da die Situation prekär ist, hat die LUBW extra einen halbmonatlichen Bericht herausgegeben; normalerweise findet man nur alle vier Wochen eine neue Bewertung auf den Seiten der LUBW.
Am Beispiel des bekannten Blautopfs in Blaubeuren lässt sich die Lage darstellen. Dort flossen am letzten Sonntag noch 543 Liter pro Sekunde aus der unterirdischen Quelle – der absolute Tiefststand ist bisher Anfang August 2004 eingetreten, und zwar mit 264 Litern pro Sekunde. In Spitzenzeiten strömen bis zu 20.000 Liter pro Sekunde in den See. Der diesjährige Höchststand war am 23. Februar mit 9406 Litern pro Sekunde erreicht.
In Baden-Württemberg währt die Trockenheit schon seit März, und auch im davor liegenden Winter hatten sich 28 Prozent weniger Grundwasser neu gebildet als im Durchschnitt der Jahre 1991 bis 2020. Auch über eine Zeit von 30 Jahren hinweg betrachtet zeigen die Spiegel der allermeisten Grundwasserreservoirs tendenziell nach unten. Der Klimawandel als Ursache ist nicht zu leugnen.
Besonders in den Höhenlagen des Schwarzwalds versiegen manche Quellen schon heute in den Sommermonaten; und auch anderswo dürften Quellen häufiger trockenfallen, sagt Thomas Gudera. Die derzeitige Trockenheit verteilt sich im Übrigen fast gleichmäßig auf das ganze Land. Auch in der Region Stuttgart sind ausschließlich sinkende Grundwasserspiegel zu beobachten. Für Stuttgart selbst gibt es keine Messstelle, die in die landesweite Bewertung einfließt. An den Punkten in Markgröningen, Erdmannhausen oder Oppenweiler ist aber ebenfalls abzulesen, dass dort der Spiegel sehr niedrig, wenn auch noch nicht historisch niedrig ist.
Dass die Spiegel wieder steigen, dürfte nicht vor November der Fall sein, prognostiziert Thomas Gudera.
Michael Simon, der Sprecher der Landeswasserversorgung, betont aber, dass es trotz der schwierigen Grundwassersituation keinen Mangel an Trinkwasser gebe. Wenn wie in diesen Wochen der Wasserverbrauch hochschnelle, weil etwa in der Landwirtschaft mehr bewässert wird, könne die Landeswasserversorgung mehr Trinkwasser von den Stadtwerken Heidenheim beziehen, so Simon: „Das entlastet unsere regulären Ressourcen.“ Die Landeswasserversorgung versorgt drei Millionen Menschen zwischen Ulm, Aalen und Stuttgart mit Trinkwasser.
Trotzdem werden die Verteilungskämpfe zunehmen. Das zeigt auch diese Aussage von Frieder Haakh, dem technischen Geschäftsführer der Landeswasserversorgung: „Für die Zukunft muss die öffentliche Wasserversorgung Vorrang bekommen, gerade auch bei Genehmigungsverfahren im Zusammenhang mit dem Naturschutz.“
Wasser darf nicht so schnell in den Flüssen wegfließen
Die Stadt Stuttgart hat jüngst ihr Verbot der Wasserentnahme in allen Bächen und Seen bis zum 30. September verlängert. Die Tier- und Pflanzenwelt leide stark unter der großen Trockenheit, heißt es. Es drohen Geldbußen bis zu 100.000 Euro.
Langfristig, betont Thomas Gudera, müsse deutlich mehr Wasser in der Fläche zurückgehalten werden, damit sich die Grundwasserspeicher besser füllen könnten. In den heutigen kanalisierten Flüssen werde das Wasser viel zu schnell abtransportiert.

