Dialekt: Woher stammt das Wort "Grädda"?

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Stuttgarter Nachrichten"Ein Korb ist im Schwäbischen ein ,Grädda"', schreibt Leserin Ute Hintermayr und fragt, woher dieses Wort käme. Zunächst lässt sich feststellen, dass "Kratten" schon vor über Tausend Jahren als "chratto/cratto" und im Mittelhochdeutschen als "gratte/grette/kratte" benutzt worden ist. Im deutschen Wörterbuch ist zu lesen, dass dieses Wort nur im Oberdeutschen zu Hause ist und ins Schriftdeutsche nicht aufgenommen wurde. Im Schwäbischen wird der meist aus Weiden geflochtene Armkorb GraddÚ und GräddÚ genannt, ein kleines Exemplar ist ein Grättle. Im Bayrischen versteht man unter "Kratten" einen Wagenkorb.
Eine Nebenform zu "Kratte" ist "Krätze", worunter man einen Rückenkorb versteht, der an Achselbändern getragen wird. Dieser große Korb diente früher Krämern und Hausierern zur Beförderung ihrer Waren. "Kratte", "Krätze" und auch "Kreinze/Krenze" (= Korb) gehören abstammungsmäßig zusammen, vermutlich mit "Kranz", was darauf hindeutet, dass für alle "das Gewundene, Geflochtene der Grundbegriff ist".
Wie der Name schon ausdrückt, ist ein "Graddåmachr" eine Person, die Körbe flechtet. Laut Fischers Wörterbuch ist dies auch ein Spottname für Leute ohne Charakter und festen Willen, "vielleicht weil man von dem biegsamen Material auf den Verarbeiter geschlossen hat" - wie man in der "Etymologie des Schwäbischen" (H. Wax) lesen kann.
Leserin Gisela Hansel aus Sindelfingen interessiert, woher das Wort "Kraddl" in der Redewendung "Dui hot en Kraddl" stammt. "Graddl" hat nichts mit dem erwähnten "Graddå" zu tun. Das Wort "Graddl" hat eine andere Herkunft. Es geht zurück auf das Verb "gräteln/gratteln" in der Bedeutung "spreizen (namentlich die Beine), spreizbeinig gehen". Daraus hat sich das Substantiv "Grattel" mit seiner Grundbedeutung "Gabelung" gebildet. Konkret meint man damit zum einen die Stellung mit gespreizten Beinen, zum anderen die Stelle, wo die Beine den Körper verlassen, drittens die Gabelung von zwei Baumästen. Allen diesen Beispielen liegt eine Gespreiztheit zugrunde, die sich auch im Verhalten eines Menschen zeigen kann. "Ånn Graddl håõ" heißt im Schwäbischen, einen unberechtigten Hochmut, eine Überheblichkeit aufweisen oder, wie Gisela Hansel schreibt, eine Einbildung an den Tag legen.
Der schwäbische Spruch des Tages ist nichts für feine Ohren. Leserin Heide Göppert aus Sindelfingen schreibt vorbeugend: "I hoff', des Sprüchle isch net z'stark." Urteilen Sie selbst. "Eine Schwäbin aus Schönaich sollte nach einer Untersuchung beim Arzt beim nächsten Termin eine Urinprobe mitbringen. Zwei Wochen später tauchte sie mit einem Eimer in der Arztpraxis auf und meinte:
,I be des Weib aus Schenoach, ond do breng e mein Soach, ond dass se's kennet no besser wissa, hau i au no neigschissa!"'