Dialekt: Was heißt "enn daobå Diecht"?

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Stuttgarter NachrichtenAus Mühlacker schreibt Traude Rescheleit, sie könne den Ausdruck "em daubedicht" nicht hundertprozentig deuten und wäre froh, wenn sie eine passende Antwort bekäme. Dazu eine Geschichte, erzählt von einer Frau, wir nennen sie Lena. "Eines Tages hatte ich mit meinem Mann einen mordsmäßigen Krach - so etwas soll ja in jeder Ehe mal vorkommen. Keiner gab bei dieser Meinungsverschiedenheit klein bei, der Ton wurde immer lauter, so dass ich meine Regenkleidung anzog und schnurstracks das Haus verließ. Ich weiß nicht, wie lange ich bei diesem Sudelwetter umherlief, ênn mãêm daobå Diecht merkte ich nicht, wo ich mich befand."
"Enn mãêm daobå Diecht" sagt Lena in ihrem Bericht. Suchen wir zunächst die Herkunft des Begriffes Diecht. Im Grimmschen Wörterbuch findet man die überraschende Mitteilung: "Dicht" ist das Gleiche wie "Gedicht". Lena gebrauchte jedoch den Ausdruck "daobå Diecht", weshalb wir auch noch das Wort "daob" betrachten sollten. "daob" ist, wie wohl allgemein bekannt, die schwäbische Sprechform von "taub" in der Bedeutung "gehörlos". Mit "daobå Diecht" will man ausdrücken, dass man stumpfsinnig und halb bewusstlos herumläuft oder sonst etwas tut.