Dialekt: Was bedeutet Pelzmärte?

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Stuttgarter NachrichtenWeihnachten ist vorbei, doch Fragen bleiben. "Von meinem Vater kenne ich den Ausdruck, den ich nicht richtig einordnen kann: Schellamärte und (gleichbedeutend) Pelzmärte, der im evangelischen Württemberg anstatt des Heiligen Nikolaus erschienen sein soll", schreibt Peter Kaiser aus Remshalden. Er vermutet, dass der Gesuchte auf den St. Martin hinweist.
Nun, der Fragesteller hat die richtige Spur im Auge: "Märde" ist der volksmäßige Name für Martin, und der Martinstag am 11. November ist der Festtag des Heiligen Martin von Tours. Martini, wie dieser Tag auch genannt wird, hatte in der Vergangenheit im Leben der Bevölkerung eine große Bedeutung: der Zehnte, also die Steuer in Form von Naturalien, war zu entrichten, das Gesinde wurde entlohnt, ein Teil wurde entlassen, neue Bedienstete eingestellt. An diesem Tag wurde ausschweifend gegessen und getrunken, denn mit dem folgenden Tag begann die 40-tägige Fastenzeit vor Weihnachten und damit die Zeit des Pelzmärte.
Der Belzmärde, auch Belzmichl, Schällåmärde, Butzågraule genannt, ist eine vermummte Gestalt, die in der Zeit von Martini bis Weihnachten in evangelischen Gebieten erscheint - in evangelischen Orten deshalb, weil die Protestanten als Folge der Reformation nicht mehr den katholischen Heiligen St. Nikolaus verehren wollten. Für die Kinder ist der Belzmärde einerseits eine Schreckfigur, andererseits beschenkt er sie mit Äpfeln und Nüssen, wenn sie von den Eltern ein braves Verhalten bestätigt bekommen.
Es sieht so aus, als ob der Pelzmärte seinen Namen deshalb hat, weil er mit einem Pelz behängt ist. Doch dem ist nicht so. Das Wort Pelz - bis ins 18. Jahrhundert "Belz" geschrieben - soll hier auf das Verb pelzen zurückgehen, was "den Pelz abziehen", daneben auch "einem den Pelz ausklopfen", also schlagen, bedeutet. Im Vergleich mit den Gestalten im katholischen Bereich, Santi Glòs und Knecht Ruprecht, der eine für das "Gute", der andere für das "Böse", stellt der Belzmärde eine janusköpfige Figur dar: er vereinigt zwei sich eigentlich widerstrebende Verhaltensweisen: einerseits der Bestrafende, andererseits der Beschenkende.