Dialekt
: Was bedeutet kalabrisch?

Was bedeutet der Ausspruch: "Ich kann nicht mehr - mir ist schon ganz kalabrisch."?
Von
Roland Groner
Stuttgart
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Auf gut Schwäbisch

Grafik: Lange


Irene Reichert, eine treue Leserin der Rubrik "Auf gut Schwäbisch", berichtet von einem Silvestertreffen, bei dem ihre Freundin nach vielem und gutem Essen äußerte: "Ich kann nicht mehr - mir ist schon ganz kalibatrisch." Irene suchte in Fischers Wörterbuch und fand das "kalibatrisch" nicht. Ja, das war wohl auch nicht möglich, denn diesen Begriff gibt es nicht. Was im Schwäbischen jedoch vorkommt, das ist ein ähnlich klingendes Wort, nämlich kalabrisch. Und da werden sich jetzt einige Leser fragen: Ist dieses Wort tatsächlich schwäbisch, gehört es nicht etwa zum italienischen Kalabrien? Nun, diese Frage ist mehr als berechtigt. Aber gehen wir bei unserer Recherche Schritt für Schritt voran.

"Kalabrisch" ist wie "schwäbisch" ein Adjektiv, das sich aus einem geografischen Namen ableitet, der in diesem Falle "Kalabrien" sein muss. Daraus ist zu entnehmen, dass "kalabrisch" wohl noch nicht so lange in unserem Schwäbisch verwendet wird wie die vielen angestammten Wörter. Eine Quellenangabe bezüglich der Aufnahme ist nicht auffindbar. Aber immerhin ist dieses Wort bei Fischer enthalten, ebenso bei Wax ("Etymologie des Schwäbischen"), der erwähnt, dass es nach dem oberschwäbischen Sprachgebrauch in den 60er Jahren "kalabrisch heiß" gewesen sei. Und so besteht die Vermutung, dass irgendwann einmal ein Schwabe oder auch mehrere in Kalabrien - an der Stiefelspitze Italiens gelegen - eine ungeheure Hitze erlebt und dann diesen Ausdruck ins Schwäbische eingeschleppt haben. Hier hat sich "kalabrisch" mit der Bedeutung "unbändig, wild, aufgeregt, unmenschlich, arg" ausgebreitet. Bei Fischer werden Beispiele genannt: Däår Gaul isch ganz galabrisch. - Du machsch-me ganz khalabrisch. - Däår isch khalabrisch vrschlagå wòrå.

Wie aus den Beispielen zu ersehen ist, gibt es zwei Sprechweisen: zum einen mit einem weichen g im Anlaut, zum anderen mit einem k, verbunden mit dem Hauchlaut h. Wer es spricht, wird diese Lautfolge bemerken. Und zur Überprüfung hier noch einige andere Wörter mit dem gesprochenen "kh": Khuddr, Khegl, kherig (= gehörig), kholfå (= geholfen).

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