Dialekt: Was bedeutet Bòdårå?

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Stuttgarter NachrichtenFriedrich Dürr aus Schlaitdorf und Charlotte Sander aus Stuttgart interessieren sich unabhängig voneinander für das Wort "Podera" oder "Podere". Früher wurde dieser Ausdruck beim Christbaumschmücken für die Glaskugeln verwendet. Zunächst lässt sich dazu sagen, dass auch Christbaumkugeln so genannt wurden, doch der Gebrauch dieses Begriffes geht ursprünglich in ein anderes Gebiet.
Bei der Recherche stellt sich heraus, dass Bòdår/Bòdr, im Plural Bòdårå, die schwäbisch sprechende Bevölkerung in zwei Fraktionen teilt: In der ersten Gruppe sind diejenigen, die dieses Wort in vollem Umfang kennen, in der zweiten diejenigen, die es mit Weihnachten verbinden. Und diese Einteilung lässt sich konkretisieren: Die ersten sind katholisch, die zweiten nicht. Was hat es also mit den Bòdårå auf sich?
In Fischers Schwäbischem Wörterbuch findet man bei dem Wort "Pater" die schwäbische Aussprache Bòdår für das Neckargebiet und Oberschwaben, PfìdÚr für den Schwäbischen Wald und Baodår östlich von Ulm und Iller - phonetisch leicht erklärbar: das lange a wird zu ò bzw. ao. Schaut man im Deutschen Wörterbuch der Brüder Grimm nach, erfährt man, dass mit "Pater" außer einem Ordensgeistlichen auch der Rosenkranz, eine Zählkette für das gleichnamige vielgliedrige Gebet der Katholiken, gemeint ist. Alle Kugeln des Rosenkranzes heißen Bòdår, die kleineren eher Bädårle. Man hört diese beiden Wörter aber auch statt mit einem weichen B mit einem harten P und einer Spur des Hauchlautes h dahinter, also Phòdår und Phädårle. Da im Rosenkranzgebet das Vaterunser (Paternoster) sechsmal gesprochen wird, werden die Gebetskette selbst wie auch die größeren, jeweils die Vaterunser anzeigenden Kugeln überdies Phadrnoschdr benannt .
Der zweite Bestandteil von Paternoster, also "Noster", wird in der etwas veränderten Sprechweise Nuschdr oder Nischdr oder mit den Verkleinerungsformen Nuschdrle und Nischdrle zur Bezeichnung von Perlenschnüren und Halsketten, aber auch des Rosenkranzes verwendet. Und jetzt zurück zum Christbaumschmuck. Hermann Wax weist in seiner "Etymologie des Schwäbischen" darauf hin, dass auch Christbaumkugeln und Glasketten Phòdårå genannt werden.