Dialekt: "Mach nòre" ist vielen noch im Ohr!

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Stuttgarter NachrichtenGleich vier Leser schlagen vor, die Redensarten "mach nòre!" und "gang nòre!"nach ihrer Herkunft zu untersuchen. Eberhard Gramm aus Plüderhausen schreibt: "Der ungeduldige Ruf meiner Mutter ,mach nòre!' ist mir immer noch im Ohr. Klar, dass es so viel wie ,beeil dich!' bedeutet." Auch Margret Gut aus Nürtingen, Wilhelm Wegenast aus Stuttgart und Heinz Conzelmann aus Herrenberg haben sich das "nòre" herausgesucht.
Gleich zu Beginn der Untersuchung muss gesagt werden, dass der Werdegang von "nòre" nicht einfach darzustellen ist - "nòre" hat nämlich einen geradezu abenteuerlichen Weg hinter sich. Doch zum Glück kann man mit Hilfe der "Etymologie des Schwäbischen" von Hermann Wax und dem "Deutschen Wörterbuch" der Brüder Grimm die Sprachgeschichte nachvollziehen.
Ausgangspunkt der sprachlichen Entwicklung ist das Wort "hernach", das im Althochdeutschen "hera nah / hara nah", im Mittelhochdeutschen "her nach" hieß. Das Wort "nach" bedeutete damals "in der Nähe, nahe", wobei diese Bedeutung sich sowohl auf den räumlichen wie auf den zeitlichen Bereich erstreckte. "Hernach" wiederum bedeutete lokal gemeint "danach, hinterdrein" und temporal "nachher, später". Aus dem "hernach" entstand durch Silbentausch das Wort "nachher" und daraus im 16. Jahrhundert im oberdeutschen Raum "nacher", ein Wort, das heute in der deutschen Sprache nicht mehr vorkommt, jedoch bis ins 18. Jahrhundert hinein statt der Präposition "nach" gebraucht wurde.
Hier muss jetzt eine wichtige fonetische Gegebenheit der schwäbischen Sprache eingefügt werden. Vom 12. Jahrhundert an wurden die langen Selbstlaute in Doppellaute gewandelt, so auch das lange "a", das als "ao" gesprochen wurde: ja →jao, Schaf →Schaof u. a. Im Laufe der letzten Jahrhunderte verkürzte sich das "ao" zu einem offenen "ò": jao→jò, Schaof →Schòf, nah →nò, nach →nòch, nacher →nòcher.
Auf der nächsten Etappe fiel der Laut "ch" aus, was öfter im Schwäbischen vorkommt: ich →i, Forche →Fòår, welcher →weelr, nòcher →nòer. Zuletzt kam es noch zum Tausch von "r" und "e", so dass schlussendlich unser "nòre" herauskam, das wie das alte "nach" die räumliche und zeitliche Nähe beinhaltet. Gãng nòre! bedeutet somit "Geh vorwärts!" und Mach nìre! Mach voran, beeile dich!
Der schwäbische Spruch des Tages kommt von Leserin Ruth Angermaier aus Leinfelden-Echterdingen. Sie schreibt: "Ich hatte eine sehr sparsame schwäbische Großmutter. Wenn es morgens noch dämmerig war, hat sie bereits das Licht ausgemacht mit der Bemerkung: ,Ihr breent jo a Loch e da Da'."'
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