Auf gut Schwäbisch
: Was bedeutet "firbå"?

Mit der Zeit wurde alles, was unrein ist, mit Verwendung des Wortes "fürben" gesäubert.
Von
Roland Groner
Stuttgart
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Was bedeutet "firbå"?

StN

Von Leser Adolf Weith aus Stuttgart wird der Wunsch geäußert nachzuforschen, woher das Wort "firbå" kommt. Er selbst stammt aus dem Killertal auf der Schwäbischen Alb, das eigentlich das Tal der Starzel ist. Nebenbei: Der Name Killer kommt von dem Dorf Killer, weil dessen Pfarrei in früheren Jahren für das ganze Tal zuständig war. Dort im Killertal, so berichtet Weith, wird firbå heute noch benutzt, beispielsweise wenn ein Fierbr (der Straßenkehrende) von Dorfbewohnern gefragt wird: "So duåscht dãê Schtròß fierbå?" Gemeint sei dabei, den Gehweg, die Kandel oder die Straße vor dem Wohnhaus zu kehren.

"Fürben", wie das Wort auf Deutsch heißt, stammt vom althochdeutschen furapjan/furban, das im Mittelhochdeutschen zu fürben/fürwen wurde. Im Grimm'schen Wörterbuch wird erwähnt, dass es ein hochdeutsches Wort sei, das im Schwäbischen und in der Schweiz als fürbå, im Italienischen als forbire, im Französischen als fourbir, im Englischen als furbish fortlebt. Allerdings ist "fürben" im Duden "Rechtschreibung" nicht aufgeführt, so dass man davon ausgehen kann, dass es in der deutschen Sprache verschwunden ist.

Ursprünglich sprach man von "fürben" beim Reinigen des Schwertes und anderer Waffen, wenn man dieselben blank und glänzend machte. Wenn Rehbock und Hirsch ihr ausgewachsenes Gehörn an Bäumen abrieben, hieß diese Prozedur "das Gehörn fürben". Übertragen wurde dieses Wort auch auf die innerliche Reinigung des Menschen, was als "den leib fürben" oder einfach "furbung" bezeichnet wurde. Dazu ein Zitat aus einem Arzneibuch aus Nürnberg (1477): "des morgens, wenn der mensch von dem pett aufstet, so soll er den leib fürben von dreierlei bewegung des leibes, daz der mensch zu stul gee und thu seinen brunnen und sol sich reustern". Die Leserschaft wird schon verstehen, was damit gemeint ist (wenn nicht, dann helfen diese Stichwörter: Kot, Harn, Schleim).

Mit der Zeit wurde alles, was unrein ist, mit Verwendung des Wortes "fürben" gesäubert: den Staub, den Mist, den Unrat . . . fürben, und auch die Örtlichkeit, aus der dieser Schmutz zu beseitigen war: die Stube, den Hof, die Straße, das Getreide, den Acker . . . fürben. Und aus dem Augsburger Stadtrecht wird zitiert: "er sol ouch elliu sprachhiuser fürben" (= alle Abtritte fegen). Sauberkeit muss ja schließlich sein.

Der schwäbische Spruch des Tages kommt von Leser Hansjörg Herb aus Weinstadt-Strümpfelbach: Als ich 14-jährig eine Schulkameradin vor deren Haus abholen wollte, schaute deren Oma zum Fenster heraus und rief mir zu: ,Kerrle, wa widd denn du, du hosch jo no da Hafareng am Arsch!'"

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