Auf gut Schwäbisch
: Die Bedeutung von Glòåsdreibå

An einem bestimmten Tag im November zog die Jugend durch das Dorf und machte einen Höllenlärm.
Von
Roland Groner
Stuttgart
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Kloas und Schellenkloas laufen am Nikolaustag durchs Dorf.

StN

Leser Fritz Braun aus Kernen, geborener Schwabe aus dem Nordschwarzwald und heutiger Remstäler, erinnert sich noch gut an einen Brauch in seinem Heimatdorf im "Oberen Wald", von dem er aber später nichts mehr gehört hat, dem "Glosa jaga".

Den Brauch beschreibt er folgendermaßen: An einem bestimmten Tag im November - das genaue Datum ist ihm nicht bekannt - zog die Jugend durch das Dorf und machte einen Höllenlärm. Man schlug vorzugsweise mit Prügeln an die Dachrinnen, nutzte aber auch alle möglichen "Geräuschinstrumente". Dabei gab es sicher auch den einen oder anderen kleinen Schaden. Weil es ja Brauch war, beschwerte sich aber niemand. "Für uns Jugendliche war das ein riesiger Spaß, aber den Hintergrund des Brauches konnte uns niemand sagen. Seitdem habe ich immer wieder versucht, eine genaue Erklärung zu finden. Aber was sind "Glosa"?

Diese Frage muss zuerst geklärt werden, um das beschriebene Brauchtum zu verstehen. Der Glòs, gesprochen mit einem offenen O, ist die schwäbische Kurzform von Nikolaus. Dieser Glòs erscheint am 6. Dezember oder schon am Vorabend, heute meist in bischöflicher Kleidung, früher in grober Kleidung mit Schellenriemen und Rute, und lässt die Kinder Sprüche aufsagen. Je nach ihrem Betragen, worüber er sich bei den Eltern erkundigt, beschenkt er sie mit Nüssen und dergleichen, oder er bestraft sie mit der Rute.

In Ebershardt, einem Teilort von Ebhausen im Kreis Calw, gehört das Kloastreiben, gesprochen Glòåsdreibå, zum alljährlichen Brauchtum. Auf der Gemeinde-Homepage heißt es: "Jedes Jahr am Nikolaustag trifft sich die Ebershardter Dorfjugend, um zwei Jungen vollkommen in Stroh einzuwickeln. Nach der aufwendigen Prozedur laufen der Kloas und der Schellenkloas von Haus zu Haus, um die bösen Geister zu vertreiben, und bitten um Süßigkeiten und Geld. Dabei werden sie von den Jungen aus dem Dorf begleitet, welche den Kloas und den Schellenkloas lautstark und mit Stöcken durch die Straßen treiben. Es handelt sich dabei um einen uralten germanisch-heidnischen Brauch."

Auch in Walddorf, das zu Altensteig gehört, wird dieser Brauch noch gepflegt. In anderen Orten des Nordschwarzwaldes hat man ihn mangels Interesse aufgegeben. Und weil die modernen Erntemaschinen das Stroh auf dem Feld zerkleinern und somit kein geeignetes "Einwickel-Material" mehr zur Verfügung steht.

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