Umspannwerke im Visier: Wie sicher ist unser Stromnetz in Baden-Württemberg?

Ein Umspannwerk vor den Toren der baden-württembergischen Landeshauptstadt. Umspannwerke sind wichtige Knotenpunkte im Stromnetz. (zu dpa: «Umspannwerke im Visier: Wie sicher ist unser Stromnetz?»)
Bernd Weißbrod/dpa- Sorge um Sicherheit: Mutmaßliche Sabotage an Umspannwerken verunsichert Bevölkerung.
- Umspannwerke koppeln Spannungsebenen und sichern Versorgung – Hunderte in Baden-Württemberg.
- Netz stabil laut Netze BW, N-1-Prinzip greift, Leitstellen überwachen rund um die Uhr.
- Betreiber und LfV erhöhen Schutz kritischer Infrastruktur, Details bleiben aus Sicherheitsgründen geheim.
- Reutlingen: Brand setzte zeitweise 7.600 Gebäude mit etwa 40.000 Menschen ohne Strom.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Stunden oder gar mehrere Tage ohne Strom? Es sind Szenarien, die den meisten Bürgerinnen und Bürgern Sorgen bereiten dürften. Erst kürzlich gab es eine Störung in Nordrhein-Westfalen, Spreng- und Brandvorrichtungen an einem Umspannwerk in Brandenburg und einen Brand in einem Umspannwerk im Juni in Reutlingen.
Alle drei Fälle haben eines gemeinsam: Die Ermittler gehen von vorsätzlichen Taten aus. Die mutmaßlichen Angriffe auf Umspannwerke werfen Fragen zur Sicherheit des Stromnetzes auf. Auch in Baden-Württemberg gibt es Hunderte solcher Knotenpunkte. Was passiert dort eigentlich – und wie gut sind sie gegen Sabotage geschützt?
Wofür braucht man Umspannwerke?
Umspannwerke sind wichtige Knotenpunkte im Stromnetz. Sie verbinden unterschiedliche Spannungsebenen, wandeln die Spannung um und leiten den Strom weiter. So gelange die elektrische Energie von den Erzeugern über die verschiedenen Netzebenen zu Haushalten und Unternehmen, erklärt der Betreiber Netze BW.
Wie viele Umspannwerke gibt es?
Bundesweit gibt es auf der Höchstspannungsebene rund 300 große Umspannwerke. Hinzu kommen Tausende weitere Umspannwerke und Trafostationen auf nachgelagerten Netzebenen.
Was passiert, wenn ein Umspannwerk ausfällt?
Das Stromnetz ist den Betreibern nach so ausgelegt, dass einzelne Störungen in der Regel aufgefangen werden können. Dabei greife das sogenannte N-1-Prinzip, erklärte Netze BW: Falle eine wesentliche Komponente aus, könnten andere meist deren Funktion übernehmen. „Netzleitstellen überwachen den Netzbetrieb rund um die Uhr, erkennen Störungen frühzeitig und können durch Umschaltungen betroffene Bereiche möglichst eingrenzen.“
Für größere Ausfälle gebe es Notfall- und Entstörprozesse. Dafür halte Netze BW spezielles Material und technische Ausrüstung vor und verfüge über landesweit verteilte Einsatzteams. Regelmäßige Übungen und Trainings sollen eine schnelle Reaktion ermöglichen.
Wie steht es um die Sicherheit der Umspannwerke?
Umspannwerke gehören nach Angaben der Netze BW zur kritischen Infrastruktur und werden deshalb besonders geschützt. Die Betreiber setzen nach eigenen Angaben auf unterschiedliche Sicherheitskonzepte. Dazu können etwa Überwachungstechnik und weitere Maßnahmen gehören. „Aus Sicherheitsgründen machen wir keine Angaben zu konkreten Schutzvorkehrungen“, sagte eine Sprecherin.
Im Netzgebiet gebe es derzeit keine Hinweise auf vergleichbare Vorfälle wie in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen, erklärte die Sprecherin. Die Stromversorgung sei stabil und das Netz werde sicher und zuverlässig betrieben.
Was bedeutet „kritische Infrastruktur“ und was gehört dazu?
Kritische Infrastrukturen sind Einrichtungen und Dienstleistungen, deren Ausfall erhebliche Folgen für die Versorgung der Bevölkerung oder die öffentliche Sicherheit haben kann. Dazu gehören unter anderem Energie, Wasser, Gesundheit, Ernährung, Verkehr sowie Informations- und Telekommunikationstechnik.
Die Stromversorgung ist dabei besonders wichtig, weil viele andere Bereiche wiederum von Strom abhängig sind.
Hat sich die Sicherheitslage verändert?
Ja, aus Sicht von Netze BW schon. „Angesichts der veränderten Bedrohungslage sollte sorgfältig geprüft werden, welche Informationen öffentlich sein müssen, ohne die Sicherheit der Energieinfrastruktur unnötig zu gefährden“, so die Sprecherin weiter. Dazu tausche sich Netze BW mit Politik und Behörden aus.
Kann man Umspannwerke überhaupt vollständig schützen?
Nein, sagen Experten und Betreiber. Einen vollständigen Schutz vor allen denkbaren Ereignissen könne es nicht geben, sagt Betreiber TransnetBW. Für außergewöhnliche Situationen verfüge das Unternehmen über Notfall- und Wiederanlaufprozesse, die regelmäßig trainiert und weiterentwickelt würden.
Der österreichische Krisen- und Blackout-Vorsorge-Experte Herbert Saurugg erklärte, dass viele Umspannwerke vergleichsweise weit im Gelände lägen. „Die Vorstellung, die kann man einfach irgendwie schützen - das funktioniert nicht“, sagte Saurugg.
Kritische Infrastruktur sei grundsätzlich verletzlich, Ausfälle könnten sich schnell „kaskadenartig“ ausbreiten. Daher sei es wichtig, dass die Bevölkerung lerne, mit solchen Ausfällen umzugehen.

Polizisten suchen in der Umgebung des Umspannwerkes des Netzbetreibers Amprion in Bergheim ein Rübenfeld ab. Eine Störung an einem Umspannwerk in Bergheim bei Köln ist nach ersten Erkenntnissen der Polizei vorsätzlich verursacht worden.
Henning Kaiser/dpaWie breiten sich die Behörden auf Sabotageakte vor?
Der Schutz kritischer Infrastruktur vor Sabotage ist nach Angaben des Landesamts für Verfassungsschutz Baden-Württemberg (LfV) derzeit ein Arbeitsschwerpunkt. Das Amt steht dazu mit Betreibern kritischer Infrastruktur im Austausch, informiert über Bedrohungen, berät vor Ort und führt Sensibilisierungsgespräche, wie es auf Anfrage mitteilte.
Das Hinweisaufkommen zu möglichen Sabotagevorfällen habe in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Als mögliche Akteure beobachtet das LfV unter anderem ausländische Nachrichtendienste sowie extremistische Gruppen.
Was ist über die aktuellen Fälle bekannt?
Der Brand in Reutlingen hatte im Juni rund 7.600 Gebäude und etwa 40.000 Menschen zeitweise ohne Strom zurückgelassen. Die Ermittler gehen von Brandstiftung aus. Einen Tatverdächtigen gibt es bislang nicht.
In Brandenburg waren am Dienstag an einem Umspannwerk Spreng- und Brandvorrichtungen entdeckt worden. In Nordrhein-Westfalen gab es ebenfalls einen Vorfall im Zusammenhang mit kritischer Infrastruktur: In Bergheim bei Köln mussten nach einer Störung fünf Braunkohle-Kraftwerksblöcke vom Netz gehen.

