Zum 100. Geburtstag der Legende
: Peter Alexander: Das traurige Ende eines großen Entertainers

Zum 100. Geburtstag von Peter Alexander bleibt das Bild eines Ausnahmekünstlers: Sänger, Schauspieler, Showstar - und ein Mann, dessen letzte Jahre von schweren Verlusten überschattet wurden.
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(ln/obr/spot)
Stuttgart
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Peter Alexander prägte über Jahrzehnte die deutschsprachige Unterhaltungsbranche als Sänger, Schauspieler und Showstar.

imago/Rolf Hayo

Er hatte ein altersloses Gesicht: Lustige braune Augen, die nicht nur schelmisch, sondern auch schuldbewusst, verträumt oder melancholisch dreinschauen konnten. Selbst mit über 80, als ihm vom Leben nur noch die Trauer geblieben war, sah man einen erstaunlich jung gebliebenen, ja, zeitlosen Peter Alexander, mit angegrautem Haarschopf zwar, auch mit Fältchen um die Augen und einem wehmütigen Lächeln, doch es waren Schmerz und Wehmut eines allein gelassenen Jungen, die sein Gesicht gezeichnet haben.

Dieses Bild bleibt hängen, wesentlich bekannter sind jedoch viele andere Bilder, die einen strahlenden, ewig gut gelaunten Peter Alexander zeigen. Peter, der Große, haben sie ihn genannt. Er war der Säulenheilige der deutschsprachigen Unterhaltungskultur, ein Denkmal der leichten Muse, auch heute noch, 15 Jahre nach seinem Tod. Dass in diesen Tagen verstärkt von ihm gesprochen wird, liegt an einem runden Jubiläum dieser Legende: Am 30. Juni hätte Peter Alexander seinen 100. Geburtstag gefeiert.

Der Deutschen liebster Entertainer

Der Sänger, Schauspieler und TV-Showstar Peter Alexander, der mit bürgerlichem Namen Peter Alexander Ferdinand Maximilian Neumayer hieß, galt in seiner 60 Jahre umspannenden und völlig skandalfreien Karriere als einer der beliebtesten Entertainer im deutschsprachigen Raum. Er spielte in rund 40 Spielfilmen mit, präsentierte große Samstagabendshows mit bis zu 38 Millionen Zuschauern allein in Deutschland und war mit seinen Schlagern als einziger deutschsprachiger Sänger über sechs Jahrzehnte hinweg in den deutschen Hitparaden vertreten. Ein Erfolg, der bis heute unerreicht ist.

Auch international hätte Peter Alexander seinen Weg machen können, wenn er es nur gewollt hätte. Davon war einst Caterina Valente (1931-2024) überzeugt. Die Sängerin wusste, wovon sie sprach: Sie selbst war eine international gefeierte Künstlerin und auch in den USA erfolgreich.

Wie Peter Alexander seinen Weg fand

Der Entertainer hat den sprichwörtlichen Charme seiner Heimatstadt Wien verkörpert, freilich ohne die Bissigkeit, die oft dahinter lauert. Doch auch ohne die hatte er es faustdick hinter den Ohren. Die Familie, Vater war Bankbeamter, die Mutter Hausfrau, wohnte im 9. Wiener Gemeindebezirk, Sechsschimmelgasse 4. Vom Balkon der Wohnung soll Peter als Fünfjähriger Passanten bespuckt haben, wofür es Watsch'n vom Vater setzte.

Das humanistische Gymnasium im 18. Bezirk musste er wegen seiner Schulstreiche vorzeitig verlassen. Der Vater steckte den Sohn ins besonders strenge Staatsobergymnasium im südmährischen Znaim (Znojmo), schließlich sollte er mal Medizin studieren, und dazu braucht man Abitur, was Peter auch 1944 schaffte. Er meldete sich zur Kriegsmarine, erlebte die letzten Kriegsmonate in Dänemark und Ostfriesland, kam in englische Gefangenschaft, aus der er im Mai 1946 nach Wien zurückkehrte.

Zwar immatrikulierte er sich an der Universität Wien für Medizin, besuchte aber nur eine Vorlesung, denn er hatte anderes im Sinn: Er wollte unbedingt Schauspieler werden. Die Ausbildung am renommierten Max-Reinhardt-Seminar schloss er 1948 mit Auszeichnung ab, von da an hieß er auch nicht mehr Neumayer, sondern nannte sich nach seinen beiden Vornamen Peter Alexander. Er wollte ein großer Mime werden, sein Ziel: das Burgtheater. 1950 sah er in London einen Auftritt von Frank Sinatra (1915-1998), danach stand für ihn fest: Vergiss das Burgtheater, deine Zukunft ist Entertainment.

Seine große Liebe Hilde

Die ersten Anfänge hatte er an der Wiener Operettenbühne Bürgertheater, denn er konnte auch hinreißend singen. Da lernte er die Wiener Chansonsängerin Hilde Haagen kennen, in die er sich unsterblich verliebte. Erstmals haben sie sich im Vorzimmer einer Rundfunkproduzentin getroffen. "Womit verdient man hier in Wien solche Klunker?" soll er gefragt haben, ihre resolute Antwort: "Mit Ihrem G'sang'l bestimmt nicht!" Vier Monate später war die Hochzeit.

Hilde gab ihre eigene Karriere auf und managte ihren Mann, sie stellte klug die Weichen für seinen einzigartigen Erfolg. 1953 gewann der noch kaum bekannte Peter Alexander einen Sängerwettbewerb am Deutschen Theater in München. Nun war er zumindest in Fachkreisen bekannt, die ersten Filmangebote kamen. 1955 hatte er seinen ersten großen Erfolg mit der männlichen Hauptrolle im Musikfilm "Liebe, Tanz und 1000 Schlager". Bereits 1951 hatte er seine erste Schallplatte besungen: "Das machen nur die Beine von Dolores".

Sänger, Schauspieler, Showstar: "Ganz wie es passt"

War er ein singender Schauspieler oder ein Sänger mit Schauspielambitionen? Peter Alexander sah das pragmatisch, "ganz wie es passt". Zahlreiche seiner Schlager wie "Die süßesten Früchte", "Der letzte Walzer", "Hier ist ein Mensch", "Ich zähle täglich meine Sorgen" oder "Die kleine Kneipe" wurden zu Ohrwürmern, die jedes Kind kannte.

Seine Komödien wie "Die Abenteuer des Grafen Bobby" oder "Charley's Tante" und Operettenfilme wie "Die lustige Witwe" und "Im weißen Rössl" lockten Millionen ins Kino, gut gemachte Massenware mit einem oft umwerfend komischen Star. Und in "Schwejks Flegeljahre" zeigte er als braver Soldat Schwejk sein schauspielerisches Talent. 1972 beendete er mitten in der Krise des kommerziellen deutschsprachigen Films seine Karriere als Darsteller - und startete als Showstar durch.

Seine "Peter-Alexander-Show" - von 1963 bis 1966 im WDR und von 1969 bis 1996 im ZDF und ORF - machte ihn endgültig zum Fernsehstar. Dort trat Peter Alexander nicht nur als Gastgeber auf, sondern auch als Sänger, Komiker und Parodist. Die Sendung zählte zu den größten Publikumserfolgen im deutschsprachigen Fernsehen.

Peter Alexander wurde zum beliebtesten Entertainer Mitteleuropas, weil er Unterhaltung in ihrer ganzen Breite verstand: Der erfolgreichste Schlagersänger seiner Zeit machte nie ein Geheimnis aus seiner Liebe zu Swing und Jazz. Sein Lebensmotto passte zu dieser Haltung: "Das Wichtigste im Leben ist, dass man das Gute sieht."

Peter Alexander hat fast überall das Gute gesehen, selbst in seiner knüppelharten Branche, in der Neid alltäglich ist. Konkurrenten beschrieben ihn als umsichtigen, überaus bescheidenen und sanftmütigen Menschen und begnadeten Selbstironiker.

Nach dem Applaus kamen die Schicksalsschläge

1996 war es dann genug, Peter Alexander trat den Ruhestand an. Es sollte ein beschaulicher Lebensabend werden in der Familienvilla im Wiener Weinort Grinzing. Ein bisschen angeln in den Gewässern um Wien, ein bisschen rumbasteln an der Modelleisenbahnanlage zu Hause, ab und zu ein Glas beim Heurigen. Doch nun nahm das Leben für ihn dramatische, ja tragische Züge an.

Mit seinem Sohn Michael Neumayer gab es schon seit Jahren einige Probleme. Offenbar war der Ruhm des Vaters eine zu schwere Belastung für ihn. Michael hat unter dem großen Namen gelitten, schon von Jugend an. Seine Berufswege als Bankkaufmann, Immobilienmakler und Veranstaltungsmanager sind gescheitert, die Eltern mussten bei beruflichen Niederlagen finanziell aushelfen, teilweise in Millionenhöhe. Der an sich stille, hoch aufgeschossene Mann hatte oft mit der Missgunst seiner Umwelt zu kämpfen und suchte Trost im Alkohol. Berufliche Rückschläge wurden in der Öffentlichkeit oft mit Häme und Schadenfreude registriert. Immerhin hatten Vater und Sohn ihr Verhältnis normalisiert.

2001 stürzte seine Ehefrau Hilde, die Peter Alexander liebevoll "Schnurridiburr" nannte, in der Silvesternacht und brach sich den Oberschenkelhals. 15 Monate verbrachte sie in der Klinik, dort feierte das Paar auch seine Goldene Hochzeit. Am 30. März 2003 starb Hilde Alexander an Herzversagen.

Für Peter Alexander war ihr Tod ein schwerer Schlag. Er war untröstlich, zog sich noch weiter zurück - und zündete fortan jeden Abend eine Kerze für seine Hilde an.

Da saß er im Kerzenschein, umgeben von Bildern von der Familie. Fotos aus seiner Zeit als Showstar durften nicht aufgehängt werden, der Entertainer Peter Alexander hatte mit dem Tod von Hilde aufgehört zu existieren. Er wollte damit nichts mehr zu tun haben. Ab und zu versuchten seine besten Freunde, der berühmte Pianist Rudolf Buchbinder und dessen Frau Agnes, den Witwer aufzuheitern, Buchbinder setzte sich an Alexanders Flügel und spielte seine geliebten Altwiener Lieder vor. Letztendlich fand er keinen Trost.

Nur seine Tochter, die Malerin Susanne Haidinger-Neumayer, zu der er ein inniges Verhältnis pflegte, konnte den Künstler gelegentlich aufmuntern. Am 8. März 2009 kam die "Susi" bei einem Autounfall auf der thailändischen Ferieninsel Ko Samui mit 50 Jahren ums Leben.

Diesen erneuten Schicksalsschlag hat Peter Alexander nicht mehr verkraftet. Er zog sich völlig zurück, die Gräber von Frau und Tochter besuchte er im Morgengrauen oder nachts, niemand sollte ihn bei seiner Trauer sehen. Kontakte pflegte er nur noch zum Ehepaar Buchbinder. Am 12. Februar 2011 starb Peter Alexander, er wurde 84 Jahre alt. Agnes Buchbinder und ihr Mann hatten ihn noch am Vorabend besucht, da lag er bereits im Bett, friedlich und voller Todesahnung und wünschte sich ein stilles Begräbnis.

Er wurde im Kreis der verbliebenen Verwandten auf dem Grinzinger Friedhof bestattet, ein Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof hatten die Hinterbliebenen abgelehnt. Das Vermögen, auf 40 Millionen Euro geschätzt, sollte an den Sohn Michael Neumayer und seine beiden Kinder gehen. Keine acht Jahre nach dem Vater starb auch der Sohn mit 56 Jahren.

Das materielle Erbe Peter Alexanders stand unter keinem guten Stern. 2023 starb die Enkelin Marlen Neumayer mit 34 Jahren. Von den Blutsverwandten ist nur noch der Enkel Philipp Neumayer (36) übrig. Und Peter Alexanders Stieftochter Ingeborg (83), aus Hildes erster Ehe. Beide leben bei Wien und suchen die Stille, die Peter Alexanders Ruhm folgte.