Quempas-Singen in der Cannstatter Stadtkirche: Violinfeuer zum Winter
Lange musste Bad Cannstatt sehnlich auf ein Quempas-Konzert der Bosch-Musikgruppen warten. Nach 2018 war es nun wieder soweit. Chor und Sinfonieorchester hielten Einzug für die Traditionsveranstaltung zur Adventszeit in der Cannstatter Stadtkirche.
Deren Renovierung ist zwar noch nicht ganz abgeschlossen, wie zum einen Gerüste an der Außenhaut verraten, wie aber auch Dekan Eckart Schultz-Berg in seiner Begrüßungsrede ans Publikum anmerkt. Gleichwohl, der Kircheninnenraum zeigt sich vollendet, wozu sich die Freude des Dekans aufs Beste fügt. „Ich bin total begeistert, wie viele sie sind“, sagt er angesichts voller Kirchenbänke. Tatsächlich reizt die Veranstaltung mit 509 Besuchern die Kirchenkapazitäten bis nahe ans Maximum aus.
Dass nicht nur die Stiftskirche, wo man die Vorjahre auftrat, sondern auch Cannstatt ein gutes Pflaster für das alljährliche Quempas-Singen der Bosch-Musikgruppen darstellt, das ist freilich bekannt aus der Vergangenheit. 2021 aber vereitelte Corona ein Cannstatt-Gastspiel.
Vivaldi als tragende Säule des Konzerts
Über dem steht nun vor allem ein Name: Antonio Vivaldi. Dessen Gloria in D für Chor, Orchester und Vokalsolisten einerseits und der Winter aus dem Vier-Jahreszeiten-Violinkonzert andererseits bilden als Hauptwerke die tragenden Konzert-Säulen. „Alles was er schreibt ist immer ein Hit“, begründet den Vivaldi-Fokus Till Drömann, Leiter des Bosch-Chors, der seine Gründung vor 90 Jahren mit einem Konzert im Beethovensaal der Liederhalle im Herbst gefeiert hatte.
Der Chor wirkt indes keineswegs altersmüde. Beim in viele Sätze gegliederten Vivaldi-Gloria geht er auch sehr knackige Tempi, zeichnet klare Kontraste und Verästelungen ebenso wie organische Entwicklungen nach. Die kunsthaltige Anmutung verstärkt ein stilistisch-stimmlich bestens harmonierendes Solistinnenduo mit Miriam Burkhardt (Sopran) und Annike Debus (Mezzosopran). Dazu gesellt sich im Vivaldi-Gloria ein ganz inspiriert aufspielendes Bosch-Sinfonieorchester mit Einzelkönnern wie Oboist Wolfgang Nüchter.
Solistin Stella Manno brennt ein Violin-Feuerwerk
Die große Stunde des dann von Stammdirigent Hannes Reich geleiteten Orchesters schlägt mit dem Winter-Satz aus den Vier Jahreszeiten. Nach gelungener Kurzeinführung in das Violinkonzert mit seinen Laut- und Szenemalereien brennt Solistin Stella Manno ein Violin-Feuerwerk ab, das dem Publikum Zwischenapplaus entlockt. Auf Georg Friedrich Händel setzte zuvor ein Bosch-Blechbläserseptett unter Leitung von Michael Unger mit der festlich-vitalen Wassermusik. Jörg-Hannes Hahn hatte zur Konzertouvertüre mit J. S. Bachs G-Dur-Präludium gleich ein virtuoses Ausrufezeichen an der Orgel setzt, bevor im Anschluss Bosch-Bass Joachim Kunz einen traditionell zum Quempas gesungenen gregorianischen Choral als Solist intonierte.
Nach einem Rundgesang stimmen Chor und Besucher ein
Erst gegen Ende aber kommt die eigentliche Hauptsache. Der Name Quempas leitet sich ab aus dem alten lateinischen, schon vor Jahrhunderten zur Weihnachtsmesse gesungenen Lied „Quem pastores laudavere“. Die deutsche Version „Den die Hirten lobeten sehre“ singt beim Bosch-Quempas der Unterstufenchor (Leitung Frieder Richter) des Waiblinger Salier-Gymnasiums verteilt in den Kirchenecken reihum versweise, bis nach einem Rundgesang Chor und später die Besucher einstimmen. Nahezu einmalig, dass danach das Publikum applaudiert. Denn es folgen nochmals Gloria-Teile, bevor nach bereits einigen zuvor gemeinsam gesungenen Weihnachtsliedern das abschließende „O du fröhliche“ angestimmt wird.
Bei der Aktion Weihnachten der Stuttgarter Nachrichten ist nach dem Konzert ebenfalls Fröhlichkeit angesagt. An sie gehen 5730 Euro aus dem Kartenverkauf, dazu spendeten die Besucher 1288,90 Euro. Macht unterm Strich 7018,90 Euro.











