Kornwestheim
: Knapp 100 Jahre Wissen und Erfahrung

Konrektor Erich Fischer und die beiden Lehrerinnen Bettina Dlugosch sowie Hildegard Ehret-Seibt verlassen die Schule.
Von
Werner Waldner
Stuttgart
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Schulschluss: (von links) Hildegard Ehret-Seibt, Bettina Dlugosch und Erich Fischer.

Werner Waldner

Kornwestheim - So ganz wollen es die Kollegen noch nicht wahrhaben. „Erich, wir sehen uns“, rufen sie ins Lehrerzimmer, oder „Bettina, bis später“. Das eine oder andere Treffen wird es noch geben, aber das ist auch sicher: Zum neuen Schuljahr werden die drei Kollegen in der Philipp-Matthäus-Hahn-Gemeinschaftsschule (PMHG) fehlen. Kaum denkbar.

Konrektor Erich Fischer war seit 1979 an der Uhlandschule (seit 2014 PMHG). Dass er einmal Lehrer werden würde, das war klar. Zum einen weist die Berufsstatistik der Familie Fischer eine Reihe von Lehrern aus, zum anderen war der 62-Jährige schon als Jugendlicher in der Rolle, anderen Menschen etwas beizubringen – zum Beispiel als Übungsleiter im Turnen und als Volleyballtrainer. Und so studierte Fischer denn auch Sport und Mathematik. In der PMHG war er als Konrektor auch für viele Verwaltungsaufgaben zuständig. Dafür hat er sich einen Tag vom Unterricht befreit. „Die Tage taten gut.“ Unterricht sei doch sehr viel anstrengender. Gleichwohl hat es sich Fischer nicht nehmen lassen, auch in der Gemeinschaftsschule zu unterrichten. „Es ist der richtige Weg, nach Kompetenzen zu unterrichten“, ist der erfahrene Pädagoge überzeugt. „Die Schulform ist supergut, aber die Lehrer werden wahnsinnig belastet“. Und deshalb ist der in Asperg lebende Lehrer auch froh, dass er nun mit 62 Jahren in den Ruhestand wechseln kann. Pläne für die nächsten Jahre gibt’s reichlich. Das Wohnmobil soll häufiger im Einsatz sein. Das gilt auch für den Tennisschläger. Und die Streuobstwiese wird sich wohl auch einer intensiveren Pflege erfreuen.

„Ich wollte immer Lehrerin werden“, sagt Bettina Dlugosch. Ihr Vater war Rektor. Und wenn er daheim Klassenarbeiten korrigiert hat, dann hat die Tochter das mit Interesse beobachtet. Die Begeisterung fürs Korrigieren hat sich im Laufe des Berufslebens schnell gelegt, die für Kinder und Jugendliche nicht. Und besonders gerne hat Bettina Dlugosch die vermeintlich schwierigen Jahrgänge unterrichtet, die siebten, achten und neunten Klassen. „Ich komme einfach gut mit der Altersstufe zurecht“, sagt die zweifache Mutter. Ihr ganzes Berufsleben hat sie an der PMHG verbracht. Unterrichtet hat sie alle Fächer, „außer Religion und Sport“, so Bettina Dlugosch, die in Freiberg am Neckar lebt. An den Berufsanfang erinnerte sich die engagierte und bei den Schülern überaus beliebte Pädagogin noch gut. Sie hatte nur eine „Nebenlehrerstelle“ und musste, weil der Arbeitsvertrag immer nur für die Schulzeit, nicht aber für Ferien galt, in einem Textilkaufhaus arbeiten, um finanziell über die Runden zu kommen. Schule, das sei mittlerweile nicht mehr nur unterrichten, das sei auch viel Erziehungsarbeit. Bettina Dlugosch telefonierte Jugendlichen hinterher, die morgens nicht zur Schule kamen, und informierte die Eltern. Ihre Fürsorge dankten die Schülerinnen und Schüler auch mit einem großen Vertrauen, das sie ihr entgegenbrachten. Nach einem Krankenhausaufenthalt, der nun ansteht, will Bettina Dlugosch Italienisch lernen.

Hildegard Ehret-Seibt hat seit 1998 an der PMHG unterrichtet, zuvor auch schon von 1980 bis 1982. Ihr Einsatzgebiet war die Grundschule, in der sie alle Fächer unterrichtet hat. „Bis auf Sport“, ergänzt sie mit einem Augenzwinkern, denn Sport gehörte zu ihren Studienfächern. „Aber es hat sich an der Schule nicht ergeben .“ Dass Grund- und weiterführende Schule unter einem Dach sind, das ist nach Ansicht der 65-Jährigen ein gutes Modell. Schöner Nebeneffekt: die älteren Schüler kümmern sich auch um die jüngeren. „Reibereien“, hat die Pädagogin, die zeitweise auch an der Eugen-Bolz-Schule unterrichtet hat, beobachtet, „gibt es meistens nur zwischen Gleichaltrigen.“ Was der Grundschule unterm Dach der PMHG allerdings fehlt, das ist ihrer Meinung nach eine eigene Kraft in der Schulleitung. Das Unterrichten hat sie als eine erfüllende, teils aber auch anstrengende Tätigkeit empfunden, die ihr in den vergangenen Jahren aber wieder leichter gefallen sei, erzählt die Kornwestheimerin. Dass damit nun Schluss ist, „habe ich noch gar nicht so ganz realisiert“, erzählt sie. Und so wird sie zu Beginn der Ferien noch ein paar Mal zur Schule gehen, um das Klassenzimmer leer zu räumen. Und dann? Steht für die Lehrerin viel Sport auf dem Stundenplan, aber sie will sich auch intensiver um das Enkelkind und ihren Vater kümmern.