Rechtsextremismus im Fußball Hooligans in der Cannstatter Kurve

Von Jan-Philipp Schlecht 

Hooligans gegen Salafisten: Die Anhänger der Bewegung lieferten sich am 26. Oktober in Köln Straßenschlachten mit der Polizei. Foto: dpa
Hooligans gegen Salafisten: Die Anhänger der Bewegung lieferten sich am 26. Oktober in Köln Straßenschlachten mit der Polizei.Foto: dpa

Eine gefährliche Entwicklung, die auch vor dem VfB-Umfeld nicht haltmacht: Im Hass auf radikale Islamisten spielen Rechtsradikale mit Hooligans den Doppelpass und missbrauchen damit den Fußball für ihre Zwecke. Könnten die Ultras helfen?

Stuttgart - Die Stimmung in der ­Cannstatter Bahnhofskneipe bewegt sich zwischen gereizt und aggressiv. Es ist kurz nach der 0:4-Heimpleite des VfB gegen den VfL  Wolfsburg. Den Männern am Tresen steht der Frust ins Gesicht geschrieben.

Sie tragen Pullover der Marke Fred Perry oder T-Shirts mit Aufdrucken wie „Bare Knuckle“ oder „Blood Sport Generation“. Einige haben ihre Schädel kahl geschoren, teilweise sind die Arme dick wie Baumstämme. Hooligans wie diese beobachtet der Verfassungsschutz seit den Krawallen in Köln verstärkt. Auch in Stuttgart.

Tattoo „Neckar Fils 1979“ in altdeutscher Schrift

Einer von ihnen trägt eine Halskette, die man auch hinter ein Motorradgetriebe spannen könnte. Ein anderer hat sich auf den Hinterkopf ein Tattoo stechen lassen: „Neckar Fils 1979“ – in altdeutscher Schrift, mit zwei Totenköpfen darunter. Diese Vereinigung wurde schon häufiger in einem Atemzug mit rechten Kameradschaften genannt. Dann fängt einer aus der Gruppe das Pöbeln an.

Warum er sich so großkotzig aufführe, mault er einen unbeteiligten Kneipenbesucher im VfB-Trikot an. Der schüttelt fassungslos den Kopf. „In einer Viertelstunde bist du hier weg“, ätzt der Pöbler. Will der VfB-Fan kein blaues Auge riskieren, sollte er sehen, dass er Land gewinnt.

50 bis 60 Hooligans in der Benz-Arena

Fühlen sich Hooligans von „normalen“ Fußballfans nicht respektiert, kann es sein, dass sie zuschlagen. Und Hooligans gibt es nach wie vor in der Cannstatter Kurve der Mercedes-Benz-Arena. 50 bis 60 sind es, sagt ein Kenner der Szene, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Fünf bis zehn der Fußballrowdys aus Stuttgart seien auch an den Krawallen in Köln am 26. Oktober beteiligt gewesen.

Dort haben sich rund 4500 Hooligans mit Rechtsextremen unter der Flagge der Bewegung Hooligans gegen Salafisten (HoGeSa) zusammengerottet und sich Straßenschlachten mit der Polizei geliefert. Wie eng die Kontakte in die rechte Szene sind und wie groß damit der Einfluss der Rechten auf Hooligans und den Rest der Fußballfans ist, lässt sich nur schwer abschätzen. Klar ist: Nur wenige Fans sind Hooligans, und nur wenige Hooligans sind rechtsextrem. Aber: „Hooligans bewegen sich ständig im rechtsoffenen Milieu“, sagt der Politologe Richard Gebhardt. Vorsicht ist also geboten.

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