"Einschweizerung" Schwaben sollen der Schweiz beitreten

Von Arnold Rieger und Julia Fiedler  

Schweizer Fahnen auf dem Schlossplatz (bei der WM 2006) - vielleicht wehen sie dort bald häufiger Foto: Eppler
Schweizer Fahnen auf dem Schlossplatz (bei der WM 2006) - vielleicht wehen sie dort bald häufigerFoto: Eppler

Baden-Württemberg gehört bald zur Schweiz - zumindest, wenn es nach Schweizer Politikern geht.

Bern/Stuttgart - Von wegen "Sauschwaben": So massiv wie derzeit werben die Eidgenossen schon seit 500 Jahren nicht mehr um einen Beitritt rechtsrheinischer Gebiete. Ob sie sich das gut überlegt haben, ist aber fraglich. Denn Stuttgart wäre dann ihre größte Stadt.

Baden-Württemberg gehört bald zur Schweiz - zumindest, wenn es nach der rechtspopulistischen Schweizerischen Volkspartei (SVP) geht. Deren Nationalrat Dominique Baettig will, dass der Südwesten den Beitritt zur Eidgenossenschaft beantragen kann.

Der gelernte Psychiater meint es ernst: Baettig beantragt vom Schweizer Bundesrat, also der Regierung in Bern, "einen verfassungsrechtlichen und gesetzlichen Rahmen zu erarbeiten, damit grenznahe Regionen in der Form neuer Kantone in die Schweiz integriert werden können". Stellt die Mehrheit der dortigen Bevölkerung ein solches Begehren, solle ihr der Beitritt gewährt werden, fordert der Politiker in dem Mitte März im Parlament eingereichten Antrag. Dabei will Baettig nicht nur den Südwesten aufnehmen. Auch Vorarlberg (Österreich), das Elsass und das Département Jura (Frankreich) sowie Bozen, Aosta und Como (Italien) könnten nach seiner Vorstellung schweizerisch werden. "Es heißt immer nur, die Schweiz soll der EU beitreten", sagt SVP-Generalsekretärin Silvia Bär. "Warum soll das nicht umgekehrt möglich sein?" SVP-Parteichef Toni Brunner und 27 Abgeordnete unterstützen den Antrag.

Eidgenossen planen langfristig

Ganz so schnell wird es mit der "Einschweizerung", wie es bei den Eidgenossen heißt, jedoch nicht gehen. "Selbst wenn der Vorschlag im Parlament unterstützt würde, würde es noch Jahre dauern, bis es so weit ist", erklärt Bär.

Doch die Eidgenossen haben Zeit, sie planen langfristig. Denn im Grunde genommen haben sie ihren Versuch, sich die Schwaben einzuverleiben, ja schon vor 500 Jahren begonnen. Damals gelang es ihnen tatsächlich, ihren Einfluss nördlich des Rheins auszudehnen. Städte wie Konstanz waren drauf und dran, schweizerisch zu werden - wenn da nicht das Haus Habsburg-Österreich gewesen wäre. Das trat den Eidgenossen vor allem mit Hilfe des Schwäbischen Bunds entgegen, einer 1488 gegründeten Vereinigung von süddeutschen Städten und Fürsten, darunter auch die Württemberger.

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