Ministerin will Erzieher schärfer prüfen

Von "Stuttgarter Nachrichten" 

Von Mirjam Mohr HAMBURG. Als Reaktion auf die stetig wachsende Zahl aufgedeckter

Von Mirjam Mohr

HAMBURG. Als Reaktion auf die stetig wachsende Zahl aufgedeckter Missbrauchsfälle an Bildungseinrichtungen will Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) das Kinderschutzgesetz verschärfen. Demnach soll künftig von Erziehern bei der Bewerbung ein erweitertes Führungszeugnis verlangt werden können.

Auch am Mittwoch wurden wieder neue Verdachtsfälle in weiteren Einrichtungen bekannt. So sollen in einem früheren Jungen-Internat des Bistums Mainz im hessischen Bensheim in den 60er und 70er Jahren Schüler sexuell missbraucht und misshandelt worden sein.

Im oberschwäbischen Attenweiler ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen ein ehemaliges Kinderheim der Stiftung Piuspflege. Es sei ein Ermittlungsverfahren gegen unbekannt eingeleitet worden, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Ravensburg. Die Polizei soll über die zuständige Diözese Rottenburg- Stuttgart das Opfer finden, das sich beim "Spiegel" gemeldet hatte.

Beim Caritasverband Frankfurt, der Träger des Heims Vincenzhaus in Hofheim ist, meldeten sich drei ehemalige Heimkinder, die den Vorwurf erheben, in den 50er und 60er Jahren misshandelt und missbraucht worden zu sein. Die "Leipziger Volkszeitung" berichtete von einem ersten Fall in Sachsen. Nach Angaben eines ehemaligen Bewohners des Eilenburger Ernst-Schneller-Heims für sogenannte erziehungsauffällige Kinder kam es dort zwischen 1970 und 1980 täglich zu sexuellen Übergriffen. Auch im katholischen Kinderheim Vinzenzwerk in Münster steigt die Zahl der bekanntgewordenen Missbrauchsfälle.

Die Auseinandersetzung um eine mögliche Entschädigung der Opfer gewinnt an Schärfe. Die FDP erneuerte ihre Forderung nach Entschädigung und sieht darin eine moralische Pflicht. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) hatte angesichts der Vielzahl der Fälle, die derzeit ans Licht kommen, den Aufklärungswillen der Kirche bezweifelt.

Die Deutsche Bischofskonferenz ist in der Entschädigungsfrage nach eigenen Angaben um eine angemessene und gerechte Lösung bemüht. Der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann sprach sich gegen direkte Entschädigungszahlungen der Katholischen Kirche aus. Erfahrungen hätten gezeigt, dass das oft als "Schweigegeld" gedeutet werde, so Hofmann. Er plädierte ebenso wie sein Bamberger Amtskollege Ludwig Schick für längere Verjährungsfristen.

Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesjustizministerium, Max Stadler (FDP), hält derweil an einem Runden Tisch im Bundesjustizministerium zur strafrechtlichen Aufarbeitung der Missbrauchsfälle fest. Der für den 23. April geplante Runde Tisch von Bundesfamilien- und Bundesbildungsministerium zur Prävention von Missbrauch an Schulen sei zwar berechtigt. Aber er ersetze nicht das Vorhaben des Bundesjustizministeriums zu einem Runden Tisch mit Vertretern der Kirche und den Betroffenen, sagte Stadler.

Der Kriminologe Christian Pfeiffer widersprach der These, das Zölibat sei eine Ursache für sexuellen Missbrauch in katholischen Einrichtungen. "Wir sehen das als Wissenschaftler eher anders", sagte der Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen. "Denn pädophil ist man bereits mit 15, 16. Aber das Gelübde, keusch zu bleiben, legt man als Priester erst mit 25 oder 30 ab. Da ist also von der sexuellen Identität her alles gelaufen."

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