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Ein Verein nicht nur für Geschichte

Vergangene Woche ist in der Alten Kelter in Wangen die Interessengemeinschaft Wangener Ortsgeschichte gegründet worden.

Ein Verein nicht nur für Geschichte

Die Treppe am Wangener Bezirksrathaus ist auch schon Thema in "Aus Wangen“ gewesen.    Fotos: Jürgen Brand

Der Stadtbezirk Stuttgart-Wangen hat jetzt einen eigenen Verein zur Ortsgeschichte. In der vergangenen Woche haben sich eine ganze Reihe von geschichtsinteressierten Wangenern in der Alten Kelter getroffen und die "Interessengemeinschaft Wangener Ortsgeschichte“ (IG WOG) gegründet. Ein Ziel des Vereins ist, die bisher von Martin Dolde herausgegebene Zeitschrift "Aus Wangen/Wangener Chronik“ fortzusetzen. War فر

Die Wangener Chronik ist eine Institution im Stadtbezirk. Martin Dolde sorgt seit vielen Jahren dafür, dass das etwa 24-seitige, quadratische Magazin regelmäßig erscheint. Dreimal im Jahr, also alle vier Monate, landet es in den Briefkästen der geschätzt rund 5000 Wangener Haushalte. Manche, die nicht mehr in ihrem Heimatbezirk wohnen, lassen es sich auch per Post schicken. 

Etwa zwei Drittel des Inhalts widmen sich in der Regel historischen Themen wie beispielsweise Wangen in der Zeit König Wilhelms I. Etwa ein Drittel beschäftigt sich mit aktuellen Projekten im Stadtbezirk, egal ob mit dem neuen Betriebshof der Abfallwirtschaft Stuttgart, der Zukunft der Wilhelmsschule, der kaputten Treppe am Bezirksrathaus oder dem Kodak-Areal, das umgestaltet werden soll. Die Chronik gibt es bisher ausschließlich gedruckt, in Schwarz-Weiß. Die Leserschaft ist bunt gemischt quer durch alle Bevölkerungsschichten im Stadtbezirk. 

Martin Dolde hat in seinem Leben schon viel bewegt. Er war Leiter der Logistik im Untertürkheimer Mercedes-Stammwerk, hat sich früh für die evangelische Landeskirche engagiert, war 20 Jahre lang Mitglied im Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentags, von 1999 bis 2001 dessen Präsident. "Aus Wangen“ hat er im Jahr 1978 erstmals herausgebracht, er hat Bücher über die Wangener Ortsgeschichte wie auch über die Michaelskirche geschrieben und beispielsweise auch die AG Wangener Grünflächen gegründet. Er engagiert sich seit Jahren für die Wangener Wandelwege, zuletzt hat er den Panoramaweg realisiert und im vergangenen Jahr auch dafür gesorgt, dass dort eine neue Trockenmauer entstanden ist. Für seine Verdienste ist er vielfach ausgezeichnet worden, auch mit dem Bundesverdienstkreuz.

Unternehmen aus der Region

Stadtgeschichtlich Interessierte über Wangen hinaus vernetzen
Martin Dolde hat Ende Januar seinen 84. Geburtstag gefeiert - und schon Ende 2024 einen Aufruf gestartet, um Menschen, die sich für die Wangener Geschichte interessieren, zusammenzubringen. Er will die Verantwortung für "Aus Wangen“ nach und nach in andere Hände übergeben, auch das von ihm aufgebaute umfangreiche Archiv soll zukunftssicher erhalten und weitergeführt werden. Schnell fand sich eine Gruppe zusammen, die nach den ersten Gesprächen beschloss, einen Verein zu gründen.

 In den vergangenen Monaten hat ein Teil der jetzigen Gründungsmitglieder eine Satzung erarbeitet. Zweck des Vereins ist die Förderung von Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur, die Volksbildung, die Heimatpflege und Heimatkunde und "die Förderung bürgerschaftlichen Engagements zugunsten gemeinnütziger, mildtätiger und kirchlicher Zwecke". 

Auf den historischen Wandelwegen kann man über Wangen durch die Geschichte wandeln.
Auf den historischen Wandelwegen kann man über Wangen durch die Geschichte wandeln.

Erreichen will der Verein all das durch eine ganze Reihe von Maßnahmen und Aktivitäten, vor allem eben auch durch "die Veröffentlichung von Forschungsergebnissen zur Geschichte des Stadtbezirks Wangen sowie die Förderung entsprechender Veröffentlichungen, worunter auch die Zeitschrift ,Aus Wangen/Wangener Chronik' fällt“. Die neue IG WOG will unter anderem auch die "Belange des Stadtbezirks von stadtgeschichtlichem Interesse innerhalb der Stadt Stuttgart, des Stadtbezirks Wangen und in der Öffentlichkeit" vertreten, stadtgeschichtlich Interessierte auch über Wangen hinaus vernetzen, bei der Pflege historischer Ortsbilder beraten und beispielsweise auch Veranstaltungen wie Führungen, Seminare oder Ausstellungen durchführen und fördern.

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Der Verein strebt die Gemeinnützigkeit an
Bei der Gründungsversammlung wurde der Wangener Martin Ehmann, eine der treibenden Kräfte hinter der neuen Interessengemeinschaft, zum Vorsitzenden und Chefredakteur gewählt. Martin Dolde ist sein Stellvertreter. Weitere Vorstandsmitglieder sind Katrin Kasper (Kassiererin), Werner Zondler (Schriftführer), Günter Rohlinger und Benjamin Dolde (beide Beisitzer). Bezirksvorsteher Jakob Bubenheimer ist laut Satzung "qua Amt Vereinsmitglied ohne besondere Vereinsaufgabe“. Der Verein strebt die Gemeinnützigkeit an und will sich durch Mitgliedsbeiträge, Spenden und Zuschüsse der öffentlichen Hand finanzieren. 

Damit ist auch die Fortführung von „Aus Wangen/Wangener Chronik“ gesichert. Die nächste, im März oder April erscheinende Ausgabe ist inhaltlich schon praktisch fertig. Ein weiteres Heft wird der Eingemeindung Wangens nach Stuttgart am 1. April 1905, also vor genau 100 Jahren, gewidmet sein. Darum kümmert sich schwerpunktmäßig noch Martin Dolde.
Ab 2027 soll der neue Verein mit Chefredakteur Martin Ehmann das Magazin inhaltlich weiterführen.


Von Jürgen Brand