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Stuttgarter Gemeinderat & Gymnasium-Verzicht, Hedelfingen: Steinenberg als Grundschul-Standort mit Zukunft

Ausbau des Schulcampus in Untertürkheim mit Linden-Realschule und Wirtemberg-Gymnasium, Sanierung des Hauptbaus, Investitionsrahmen von 65 bis 90 Millionen Euro und Interimslösung mit Modulbau

Stuttgarter Gemeinderat & Gymnasium-Verzicht, Hedelfingen: Steinenberg als Grundschul-Standort mit Zukunft

Das Nebengebäude (blau) wird nach der Machbarkeitsstudie für den künftigen Grundschulbetrieb nicht mehr benötigt. Es kann dann entweder abgerissen oder anderweitig genutzt werden. Fotos: Jürgen Brand

In den kommenden Wochen wird der Stuttgarter Gemeinderat über die Zukunft des Schulstandorts am Steinenberg in Hedelfingen und damit auch über die Schulentwicklung in den Nachbarstadtbezirken Wangen und Untertürkheim entscheiden. Die Stadtverwaltung schlägt vor, den Schulcampus in Untertürkheim mit der Linden-Realschule mit dem angrenzenden Kinobauer-Areal und dem Wirtemberg-Gymnasium auszubauen und auf ein Gymnasium am Standort Steinenberg zu verzichten. Dort soll das Hauptgebäude mittelfristig saniert und langfristig als Grundschule genutzt werden.

Über den Steinenberg als Standort für ein weiteres Gymnasium in den oberen Neckarvororten wird seit vielen Jahren diskutiert. Der Förderverein Schulcampus Hedelfingen, unterstützt unter anderem von der ehemaligen Stuttgarter Schulbürgermeisterin und Ministerin Susanne Eisenmann, engagiert sich schon lange für ein Gymnasium in Hedelfingen. Der Verein organisierte Ende 2024 sogar eine Exkursion nach Sigmaringen, wo ein großes Schulprojekt vergleichsweise schnell und kostensicher durch eine öffentlich-private Partnerschaft realisiert wurde.

Weniger Grundschülerinnen und -Schüler wechseln ans Gymnasium

Jetzt, gut ein Jahr später, sieht alles danach aus, dass ein möglicher Steinenberg-Schulcampus gegenüber dem bestehenden und ausbaufähigen Untertürkheimer Campus das Nachsehen hat. Die Gründe dafür sind vielfältig: Die Schullandschaft verändert sich, die verbindliche Grundschulempfehlung gilt wieder. Deswegen wechseln wieder weniger Grundschülerinnen und ‑schüler an Gymnasien, dafür wieder mehr an Realschulen, auch, weil die Werkrealschulen keine Zukunft mehr haben sollen. Und die Regelschulzeit an Gymnasien dauert jetzt wieder neun Jahre.

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Das alles hat dazu geführt, dass beispielsweise an der Wilhelmsschule in Wangen, die noch bis zum Schuljahr 2027/2028 an den Hedelfinger Steinenberg ausgelagert ist, mangels Schülern keine Eingangsklasse mehr gebildet werden konnte. Dafür gab es an der Linden-Realschule in Untertürkheim erstmals vier Eingangsklassen. Da für die Realschule auch künftig eine Vierzügigkeit prognostiziert wird, braucht die Schule dort mehr Platz. Unter anderem auch dafür hat die Stadt bereits das benachbarte Kinobauer-Areal gekauft, so kann der Schulcampus des Lindenschulzentrums weiter ausgebaut werden. Und sollten die Schülerzahlen am Wirtemberg-Gymnasium, das räumlich nur für eine Dreizügigkeit ausgelegt ist, stabil vierzügig bleiben oder steigen, bietet das Kinobauer-Areal mittelfristig auch dafür Platz.

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„Brandschutzertüchtigung und Neuinstallation der Haustechnik erforderlich“

Ursprünglich hatten Stadt und Schulverwaltung ein Gymnasium am Steinenberg befürwortet und auch eine Machbarkeitsstudie dafür anfertigen lassen. Jetzt heißt es in der Beschlussvorlage für den Gemeinderat unter der Überschrift „Ein gymnasialer Standort am Steinenberg wird aus sachlichen Gründen nicht weiterverfolgt“: „Das gesamte gymnasiale Schüleraufkommen in der Planungsregion kann aus heutiger Sicht zunächst am bestehenden Schulstandort im Lindenschulviertel in Untertürkheim durch das erweiterte Wirtemberg-Gymnasium abgedeckt werden.“ „So ergibt sich damit keine Genehmigungsfähigkeit und aktuell damit keine Aussicht auf eine Tragfähigkeit für einen neu zu gründenden, zusätzlichen gymnasialen Standort am Steinenberg.“

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Ganz vergebens war die Machbarkeitsstudie, auf deren Veröffentlichung der Förderverein lange gewartet hat und von der jetzt wenigstens eine Kurzfassung vorliegt, aber nicht. In der Studie war im Zusammenhang mit einem möglichen Gymnasium auch eine Sanierung des bestehenden Hauptgebäudes für die Grundschule Steinenberg untersucht worden. Ergebnis: „Der Raumbedarf der Grundschule kann im Hauptbau vollständig abgedeckt werden.“ Das bestehende Nebengebäude wäre dann für eine Schulnutzung nicht mehr erforderlich und könnte abgerissen oder anderweitig genutzt werden. Allerdings muss der Hauptbau dafür umfassend saniert werden. Die Rohbausubstanz sei zwar in einem guten Zustand, heißt es in der Studie, allerdings seien eine „Brandschutzertüchtigung und Neuinstallation der Haustechnik erforderlich“. Auch seien wegen der Raumhöhen von knapp drei Metern und der Rippendecken nur dezentrale Lüftungssysteme möglich. Die Baukosten werden in der Machbarkeitsstudie auf 65 bis 90 Millionen Euro geschätzt.

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Förderverein Schulcampus Hedelfingen warnt vor vorschnellen Entscheidungen

Das Hauptgebäude der Steinenbergschule bietet genügend Platz für die Grundschule.
Das Hauptgebäude der Steinenbergschule bietet genügend Platz für die Grundschule.

Der Gemeinderat wird in der Beschlussvorlage gebeten, dieser weiteren Planung für die Entwicklung des Schulstandorts Steinenberg grundsätzlich zuzustimmen. 

Zur Finanzierung dieser Planung soll die Verwaltung später eine Beschlussvorlage zum Vorprojektbeschluss vorlegen. Wenn das Hauptd‑gebäude irgendwann saniert wird, hat das allerdings gravierende Folgen für den Schulbetrieb: „Für die Bauzeit ist eine interimistische Auslagerung der durch die Grundschule im Hauptgebäude genutzten Räume erforderlich. Diese sind auf einem der Parkplätze als Modulbau vorgesehen.“

Der Förderverein Schulcampus Hedelfingen sieht in den anstehenden Beschlüssen „eine bildungspolitische Weichenstellung mit langfristiger Wirkung für den gesamten Oberen Neckarraum“ und warnt vor vorschnellen Entscheidungen. „Die von der Verwaltung vorgeschlagene Bewertung der Beschlussvorlage greift aus Sicht des Fördervereins in ihrer jetzigen Ausgestaltung zu kurz“, so der Verein in einer Pressemitteilung. „Sie wird der langfristigen Schulentwicklung im Oberen Neckarraum nicht gerecht und blendet aus, dass sich zentrale Rahmenbedingungen aktuell deutlich verändern.“ Weiter heißt es: „Der Förderverein wirbt nachdrücklich dafür, den Schulstandort Steinenberg als Entwicklungsperspektive für den Oberen Neckarraum offenzuhalten, Planungsreserven zu sichern und die Bedarfslage in den kommenden Jahren ehrlich neu zu bewerten.“

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Über die Beschlussvorlage wird am 24. Februar in den Bezirksbeiräten in Hedelfingen und Untertürkheim diskutiert. Der Verwaltungsausschuss des Gemeinderats soll am 11. März darüber entscheiden.