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Pilotprojekt Wildgänsemanagement, Stuttgarter: Das Ende der Schonzeit für die Nilgans

Monitoring, Fütterungsverbot, Vergrämung und jagdlichen Maßnahmen gegen Konflikte durch Nil- und Graugänse an Gewässern wie dem Max-Eyth-See und im Schlossgarten.

Pilotprojekt Wildgänsemanagement, Stuttgarter: Das Ende der Schonzeit für die Nilgans

Graugänse am Max-Eyth-See. Fotos: Eva Herschmann

Der Max-Eyth-See im Stuttgarter Stadtbezirk Mühlhausen ist ein Vogelparadies. Doch harmonisch ist es dort nicht. Beschwerden über Verschmutzungen durch Vogelkot und Lärm nehmen zu. Das Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz und die Landeshauptstadt Stuttgart haben dabei insbesondere die Nilgänse im Visier, die, so heißt es in einer gemeinsamen Presseerklärung von Ministerium und Stadtverwaltung, „immer häufiger Konflikte auf öffentlichen Flächen verursachen“. Ein Pilotprojekt zum „Urbanen Wildgänsemanagement im Stadtgebiet Stuttgart“, das Ende November angelaufen ist, soll Abhilfe schaffen.

Unternehmen aus der Region

An diesem grauen Vormittag im Dezember sind nicht viele Menschen rund um den Max-Eyth-See unterwegs. Ein paar Gassigänger und einsame Jogger und die Wildvögel sind unter sich. Es herrscht friedliche Ruhe rund um den See, der ein beliebtes Naherholungsgebiet für die Städter und Menschen aus der ganzen Region ist. Diese „harmonische Koexistenz“ soll das dreijährige Pilotprojekt fördern, sagt Peter Hauk, der Minister für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz.

Naturerlebnis versus Beschwerden

Die Nilgänse gelten als das hauptsächliche Problem an den Stuttgarter Gewässern.
Die Nilgänse gelten als das hauptsächliche Problem an den Stuttgarter Gewässern.

„Stuttgart bietet Wildgänsen durch seine Grünanlagen und Wasserflächen einen guten Lebensraum und ein vielfältiges Nahrungsangebot. 

Grau- und Nilgänse sind einerseits ein schönes Naturerlebnis, andererseits nehmen die Beschwerden über Lärm und Hinterlassenschaften der Gänse zu.“ Mit dem Wildgänsemanagement werde eine Empfehlung des Wildtierberichts aus dem Jahr 2024 umgesetzt, und es diene dazu, die „lokalen Konflikte und Probleme mit Wildgänsen zu minimieren und ein konfliktfreies Zusammenleben mit Nil- und Graugänsen zu erreichen“.

Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper sieht zuvorderst die Nilgänse als Problem, die vor allem am Eckensee im Schlossgarten, am Max-Eyth-See und in den Stuttgarter Freibädern große Schäden und Verunreinigungen verursachten. „Wir müssen alles im Rahmen unserer Möglichkeiten unternehmen, um die invasive Nilganspopulation zu reduzieren“, erklärte das Stadtoberhaupt.

In Bezug auf den Umgang mit den invasiven Arten im urbanen Raum empfiehlt der alle vier Jahre neu aufgelegte Wildtierbericht eine Weiterentwicklung von Managementstrategien. Im Fall der aus Afrika stammenden Nilgänse, die „zu den erfolgreichsten und sich am schnellsten ausbreitenden Neozoen weltweit“ zählten, bestehe „der Verdacht, dass sie wegen ihres sehr energischen, häufig auch als äußerst aggressiv bezeichneten Verhaltens gegenüber anderen Vogelarten heimische Vogelarten aus ihren Brutrevieren verdrängt und somit deren Produktivität negativ beeinflusst“. Als Folgerung, so der Wildtierbericht, seien „die Zuordnung der Nilgans zum Nutzungsmanagement sowie ihre konsequente Bejagung nach den Jagd- und Schonzeiten angezeigt“.

Unternehmen aus der Region

Die Empfehlungen des Wildtierberichts werden im „Urbanen Wildgänsemanagement im Stadtgebiet Stuttgart“ in einem Bündel von Maßnahmen zusammengefasst. Zentrales Element ist das Monitoring der Gänse. Es erfasst, wie viele Gänse vorhanden sind, und erlaubt schließlich Rückschlüsse auf die räumliche und zeitliche Entwicklung der Wildtiere.

Fütterungsverbot und jagdliche Maßnahmen

Eine „gezielte Rungsverbote, Öffentlichkeitsarbeit, Füttelebensraumverändernde Maßnahmen, die Vergrämung der Gänse sowie jagdliche Maßnahmen und eine Behandlung der Gelege“ sind als Handlungsfelder aufgelistet.

Bei der Gemeinderatsfraktion Die Linke SÖS Plus stößt die Gänsejagd im Stadtgebiet auf Widerstand. Das „vorsätzliche Töten von Tieren, bevor andere Maßnahmen zur Steuerung der Population in der Praxis getestet wurden“, sei in keiner Weise nachvollziehbar, erklären die Fraktionsvorsitzenden. In einem aktuellen Antrag an die Verwaltung der Stadt Stuttgart bitten sie um Stellungnahme, ob es „mildere Möglichkeiten als das gezielte Töten von Nilgänsen in der Stadt gibt“ und „welche Risiken für Passantinnen, Passanten und andere Tiere bei der Jagd auf Nilgänse bestehen“.