Anzeige

Bad Cannstatt & Neckarvororte

Weltwassertag: Ein Kenner der Ortsund Segelgeschichte

Wolfgang Zwinz aus Hofen führt anlässlich des Weltwassertages unter dem Titel „Von der Kiesgrube zum Naherholungsgebiet“ durch den Max-Eyth-See.

Weltwassertag: Ein Kenner der Ortsund Segelgeschichte

Wolfgang Zwinz kennt das Gewässer und seine Bewohner. Fotos: Herschmann

Der Max-Eyth-See sei sein Wohnzimmer, sagt Wolfgang Zwinz. Der 65-Jährige aus Hofen nutzt das 575 Meter lange und 345 Meter breite Gewässer vor seiner Haustüre aber nicht wie viele Stuttgarter hauptsächlich zum Spazierengehen. Wolfgang Zwinz beschäftigt sich intensiv mit der Geschichte des Sees und beobachtet seinen Zustand und den der tierischen Bewohner.

Der gelernte Vermessungstechniker ist Neckarguide, Gewässerguide sowie Ortshistoriker. Diese Kombination verspricht eine interessante Führung am Max-Eyth-See unter dem Titel „Von der Kiesgrube zum Naherholungsgebiet“ anlässlich des Weltwassertags am Samstag, 23. März.

Wolfgang Zwinz kennt die Entstehungsgeschichte des Sees im Detail. Seit 1986 beschäftigt er sich mit Heimatgeschichte. „Ich habe damals beruflich eine Zeitlang in München gewohnt, und in der Ferne lernt man die Heimat schätzen“, sagt er mit einem Lächeln.

Nach seiner Rückkehr begann er, Archive zu durchforsten, in alten Dokumenten, Büchern zu stöbern und machte sich auf die Suche nach alten Fotografien und Postkarten. „Und ich habe angefangen, Wanderwege wie den Vier-Burgen-Weg zu entwickeln.“

Weil er schon während seines Berufslebens als Vermessungstechniker die Natur zu schätzen gelernt hat, engagiert er sich außerdem für den Umweltschutz, vor allem für Seen und Gewässer. Wolfgang Zwinz ist ausgebildeter Neckarguide und Gewässerguide mit Lizenz, die er ständig erneuern muss. „Und inzwischen bin ich auch Zugwiesensonguide, das ist eine renaturierte Auenlandschaft bei Poppenweiler im Kreis Ludwigsburg.“ Das Neckarbiotop wiederum sei Teil eines Projekts, das den Fluss für Fische wieder durchschwimmbar machen will. „Die sind nämlich derzeit zwischen den Schleusen eingeschlossen.“

Von der Grube zum See

Segeln kann man hier auch - mit Ausblick.
Segeln kann man hier auch - mit Ausblick.

Über den See, dessen Vater gewissermaßen der Kiesunternehmer Karl Epple gewesen sei, weiß Zwinz fast alles. Sein Ursprung liege in den 1920er Jahren, in denen in Hofen Kies abgebaut wurde. Die stetig wachsende Grube war die Grundlage für den heutigen Max-Eyth-See, der 1935 entstand. Der „Stausee Hofen“, der im Zuge der Kanalisierung des Neckars angelegt wurde, galt damals als Süddeutschlands modernste „Volkserholungsstätte“. 1936 bekam der See dann seinen heutigen Namen. „Max Eyth, der in Kirchheim/ Teck geboren wurde, war eine Persönlichkeit, wie sie die Nazis mochten“, sagt Wolfgang Zwinz. Als deutscher Ingenieur sei Eyth mehr 20 Jahre lang in drei Weltteilen unterwegs gewesen, um dampfgetriebene Maschinen, die in der Landwirtschaft und der Seilschifffahrt eingesetzt wurden, bekannt zu machen. „Und er war wohl auch mal als junger Bursche hier, in den 1850er-Jahren, aber damals gab es den See noch nicht.“

Bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs sei am Süd-Ost-Ufer ein Strandbad eingerichtet gewesen, erzählt Zwinz. Wobei der See kein See sondern vielmehr eine Erweiterung des Neckars gewesen sei, mit einem Leuchtturm und mit Ausflugsschiffen. „Im Krieg wurde das Wasser komplett abgelassen, weil die feindlichen Piloten den augenfälligen See zur Orientierung genutzt haben“, sagt Wolfgang Zwinz. Die Bürger Hofens, auch seine Eltern, hätten dort einige Jahre ihre Gärtle gehabt und Gemüse angepflanzt. „1949 gab es einen Dammbruch und die ganzen Tomaten, Kartoffeln und alles andere wurde überschwemmt.“ Der See wurde wenig später vom Neckar abgetrennt. 1961 wurden Gelände und See unter Landschaftsschutz gestellt und zehn Jahre später die Uferzonen neu angelegt und befestigt. Dabei seien die Untiefen allerdings mit kontaminiertem Material aufgeschüttet worden, berichtet Wolfgang Zwinz. „Bis heute ist der See belastet, aber es ist unkritisch, weil der Wasserdruck alles unten hält.“

Weil dem Max-Eyth-See lange die Zufuhr von sauberem Grundwasser fehlte, kam es im Sommer oft zu einer Algenblüte. Ein 2010 eingerichteter Grundwasserzulauf, der 40 Liter pro Sekunde in den See pumpe, und das Abschotten des Damms zum Neckar habe die Wasserqualität ein Stück weit verbessert, erklärt Zwinz. „Aber der Sauerstoffgehalt ist nach wie vor gering. Wir hatten schon zahlreiche Fischsterben, und dass es weniger Fische als früher gibt, sieht man auch daran, dass weniger Kormorane da sind.“ Der Anglerverein habe mittlerweile zahlreiche Christbäume im See versenkt.

„Im Geäst können sich Jungfische vor Fressfeinden verstecken.“ Bei seinen Führungen freue er sich über jede Frage, die er nicht beantworten könne, sagt Wolfgang Zwinz. Schließlich motiviert ihn jede offene Frage zu neuen Recherchen. „Und ich gehe halt gerne in Archive.“

Die Führung am Samstag, 23. März, dauert von 14.30 bis 16 Uhr. Treffpunkt in Stuttgart-Hofen ist die Stadtbahnlienie U14 und U12 „Max-Eyth-See“. Anmeldungen per Mail an Wolfgang.zwinz@neckarguides.de.

Eva Herschmann

VERANSTALTUNGEN

Freiberg, Stadtteilbibliothek

18. März, 16 Uhr, „Leseohren aufgeklappt: Eine Geschichte nur für dich!“, Lesung

21. März, 16 Uhr, „Internetführerschein – Klicken mit Durchblick“, Seminar / Workshop

22. März, 16 Uhr, „Junge Entdecker: Online-Medien-Welt in der Bibliothek“, Rallye

05. April, 16 Uhr, „Ein Huhn, ein Ei und viel Geschrei“, Bilderbuchshow mit Mario Giordano

Katholische Kirchengemeinde St. Laurentius

24. März, 11 Uhr, Eucharestiefeier mit Palmprozession, Kirche St. Laurentius

29. März, 10 Uhr, Kreuzwegandacht, Kirche St. Laurentius

24. März, 18 Uhr, Kulturkreis Freiberg/Mönchfeld „Schee wiascht – Bescht of Fleischles“, Kabarett, Bürgerhaus Freiberg/Mönchfeld

Mühlhausen


19. März, 18.30 Uhr, Bezirksbeiratssitzung, Bezirksamt Mühlhausen

23. April, 18.30 Uhr, Bezirksbeiratssitzung, Bezirksamt Mühlhausen, Ökumenisches Gemeindezentrum Neugereut

eha