„Im Herbst endet der Support für Windows 10 und mein PC kann nicht upgedatet werden – was muss ich tun?“ Diese Frage hören die Senioren Online Reichenbach (SOR) derzeit häufig. Ebenfalls nicht selten: Der Enkel hat Opa sein abgelegtes iPhone geschenkt, aber der Senior weiß nicht, wie er die Daten von seinem bisherigen Android-Gerät transferieren kann. Bei SOR finden ältere Reichenbacher und Reichenbacherinnen Rat und Hilfe für solche Themen, und das ganz unkompliziert. Zweimal die Woche stehen die Türen des Vereinsheims in der Wilhelmstraße offen und man kann einfach reinkommen. Die Experten für EDV helfen schon seit 20 Jahren, ehrenamtlich und mit besonderem Augenmerk auf diejenigen, die noch in einer analogen Welt aufgewachsen sind.
Die Fragen und Probleme sind andere
Mit dem Motto „Computerwissen für Jung und Alt“ haben sich vor 20 Jahren die Senioren Online als Verein gegründet. Damals standen grundlegende Fertigkeiten am Computer im Mittelpunkt; Kurse für Word, Excel oder den Umgang mit E-Mails waren gefragt. Heute sei die Nachfrage nach solchen Angeboten gering, sagt Dieter Esenwein, der Vereinsvorsitzende. Das liege schlicht daran, dass Grundkenntnisse am PC inzwischen der Normalfall sind. Auch die Älteren haben überwiegend schon im Berufsleben damit zu tun gehabt. Was nicht heißt, dass die Fragen und Probleme ausgehen. Aber jetzt drehen sie sich häufig ums Smartphone oder ums Tablet und damit um individuelle Beratung, zumal es je nach Hersteller und Modell Unterschiede gibt. Oft bringen die Ratsuchenden ihre eigenen Geräte mit und man versucht gemeinsam, das Problem zu knacken.
Der Ansatz „gemeinsam“ ist wichtig, die Fragenden sollen selbst aktiv werden, damit sie wirklich verstehen, wie vorzugehen ist, betont Heinz-Dieter Sauer. Er und Walter Fischer sind die beiden Anlaufpersonen für technische Fragen und Beratung. Zwei weitere Berater aus dem Team sind krankheitshalber ausgeschieden. Auch die Senioren online werden älter. „Personal ist unser Engpass“, stellt Dieter Esenwein fest. Weitere Berater mit entsprechenden Kenntnissen könnte SOR brauchen. Unabhängig davon sind Ratsuchende mit ihren Fragen immer willkommen, auch ohne Voranmeldung. Sie können einfach am Dienstagvormittag und am Donnerstagnachmittag zum offenen Treff kommen, der jetzt wieder stattfindet, nachdem das Vereinsheim wegen eines Wasserschadens renoviert werden musste.


Die Räume, in denen früher die Sozialstation ihren Sitz hatte, sind schon das vierte Domizil der Senioren Online. Anfangs nutzte der Verein einen Raum und die PCs der Realschule, dann zog er mit eigener Ausrüstung in die Krone um, später in die Alte Post am Bahnhof und schließlich an den heutigen Standort. Draußen steht ein Bänkle zum Platznehmen, die Tür steht bei gutem Wetter tatsächlich weit offen. Oft kämen Leute vorbei, die „nur eine kleine Frage“ haben, erzählt Dieter Esenwein, und seien dann „nach einer Stunde noch da“. Genau so soll es sein, es geht auch darum, Ängste zu nehmen. Denn viele Ratsuchende fürchten, etwas kaputtzumachen, wenn sie etwas an ihren Geräten verändern oder ausprobieren. „Da sind die Älteren sehr vorsichtig“, sagt Walter Fischer. Eine Altersgrenze für die Beratung, egal in welcher Richtung, gibt es nicht. „Wir schicken niemanden weg“, sagt Hans-Dieter Sauer.
Die Senioren-Experten beraten ehrenamtlich und kostenlos, sie geben Sicherheit und helfen. Wo sie selbst an ihre Grenzen stoßen, lesen sie nach oder verweisen weiter. Auch externe Referenten werden immer wieder eingeladen und erklären dann Themen wie die Parkster-App, den Online-Fahrkartenkauf, das Online-Banking oder die Zwei-Faktor-Authentifizierung In diesem Bereich werde angesichts der fortschreitenden Digitalisierung der Bedarf wohl weiter steigen,vermutet Wolfgang Baumann, der ebenfalls bei SOR aktiv ist.
Trotz der Digitalisierung die Teilhabe für Ältere zu sichern, ist ein zentrales Anliegen des Vereins, der auch beim Projekt „Digitallotsen“ des Kreisseniorenrats mitmacht. Wer sich nicht mit neuen Entwicklungen beschäftigt, werde schnell „abgehängt“, wissen die Vorstände. Sie wollen dem etwas entgegensetzen. Es geht bei SOR aber auch um Begegnung und Geselligkeit. Auch dafür ist der offene Treff mit Kaffee und Kuchen da, den an die 20 Besucherinnen und Besucher regelmäßig besuchen. „Wir haben auch einen gemütlichen Teil, ohne PC. „Bei uns ist es manchmal sehr lustig“, sagt Walter Fischer.
→ Offener Treff bei Senioren Online Reichenbach ist dienstags von 10 bis 12 Uhr und donnerstags von 15 bis 17 Uhr.
Von Karin Ait Atmane
Der Verein in Zahlen
Gründungsjahr 2004
Mitglieder 137, davon 45 Prozent Frauen
Ehrenamtliche: 9 Personen Altersdurchschnitt 79 Jahre
Jüngstes/ältestes Mitglied 31/94 Jahre
Aktionen und Events Informationsveranstaltungen zu Notrufsystemen, elektronischer Patientenakte, PC, Tablet und Smartphone, Notrufsystemen, Weltraumforschung, Elster etc.; Jahresabschlussfeier und Sommerfest
Senioren Online Reichenbach/Fils e. V.
Wilhelmstraße 15
73262 Reichenbach/Fils
Telefon 07153-550696
E-Mail sor.ev@t-online.de aia