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Familie & Leben

„Die örtliche Identifikation macht den Verein stark“

Zollberg/Pliensauvorstadt Die im Jahr 1898 gegründete Turnund Sportgemeinschaft Waldheim (TSG) Esslingen wirkt mit ihren vielfältigen Angeboten als integrative Kraft im Stadtteil.

„Die örtliche Identifikation macht den Verein stark“

Einige Sportflächen der TSG liegen versteckt und sind mit Wegweisern besser zu finden.Fotos: Peter Stotz

Wer vom Zollernplatz auf dem Esslinger Zollberg aus weiter die Neuffenstraße entlang geht, stößt unweigerlich auf das Waldheim und das weitläufige Sportgelände der TSG Esslingen. Der Verein hat mit umfangreichen Angeboten, Sportund Freizeitmöglichkeiten, Engagement im Stadtteil und auch der Gaststätte einen festen Platz als integrative Kraft auf dem Zollberg. Die TSG Esslingen ist weit älter als der Stadtteil Zollberg. Im Jahr 1898 gründet sich in Esslingen der Arbeiterturnverein (ATV), der 1908 auf dem Eisberg ein Grundstück für Leibesübungen erwirbt. Ebenfalls aus der Arbeiterbewegung kommt der 1912 gegründete Waldheimverein, gemeinsam bauen die beiden Vereine auf dem Sportgelände ein Waldheim. 1933 wird der Verein verboten und aufgelöst, das Gelände konfisziert. 1946 wird der Verein als TSG neu gegründet, mit der Aufsiedlung des Zollbergs ab Mitte der 1950er-Jahre nimmt die Bedeutung des Verein immer mehr zu.

Mit etwa 1200 Mitgliedern stellt die TSG den mit Abstand größten Verein auf dem 5400 Einwohner zählenden Zollberg dar. „Wir sind ein Zollberger Verein, 75 Prozent der Mitglieder stammen aus dem Stadtteil. Wer auf dem Zollberg lebt, kommt oft schon im Kleinkindalter zur TSG, und bleibt beim Verein bis zum Seniorenalter“, beschreibt Christoph Lenz, der TSG-Vorsitzende. In einer der Abteilungen Fußball, Handball, Karate, Kindersport, Eltern-Kind-Turnen, Bogenschießen, Schach, Tanz, Tennis, Tischtennis, Turnen und Leichtathletik fänden Sport- und Bewegungsbegeisterte ihren Platz. Viele der Abteilungen florieren. „Bei einigen Sportarten wie der Leichtathletik könnten wir noch mehr anbieten, aber da fehlen uns die Übungsleiter und die Betreuer“, sagt Lenz. „Angebote für Familien sind sehr wichtig. Wenn die Kinder kommen und Spaß haben, bleiben auch die Eltern im Verein, engagieren sich und helfen mit.“ Einiges sei auch gerade im Aufbau wie das Bogenschießen für Kinder, auch an den Bau von Plätzen für Padel-Tennis werde gedacht. Einzig die Musikabteilung, die an die Tradition der Spielmannszüge der Arbeiterturnvereine anknüpft, hänge in den Seilen, bedauert Lenz. „Die Abteilung wird noch in diesem Jahr wegen Nachwuchsproblemen den aktiven Dienst einstellen.“

Unternehmen aus der Region

Bei der TSG zu sein, bedeute allerdings für viele Mitglieder viel mehr als körperliche Betätigung, sagt Lenz. Der Verein schaffe Verbundenheit, vermittle Gemeinschaftsgefühl und fördere die Gemeinschaft im Stadtteil. „Der Zollberg ist eben ein Dorf für sich, da spielt die räumliche Nähe eine wichtige Rolle. Man kennt sich im Stadtteil, und die Zollberger treffen sich bei uns im Waldheim. „Die örtliche Identifikation macht den Verein stark“, betont der Vorsitzende. Die enge Verbindung von Verein und Stadtteil zeigt sich auch an den Angeboten, die aus dem Verein für den Stadtteil entstanden sind. Ein Beispiel ist der Kinder-Mitmachzirkus, den die TSG jährlich anbietet. Etwa 100 Kinder vom Zollberg können in den Sommerferien eine Woche lang mit Artisten eine Vorstellung einstudieren, die den Familien vorgeführt wird. Auch das jährliche dreitägige Zollberg-Musikfest auf der Waldbühne der TSG ist aus einer Idee von Vereinsmitgliedern geboren, und etwa die Hälfte der Stände beim Stadtteilfest wird von den TSG-Abteilungen betreut. Für viele Mitglieder bleibt die TSG auch nach der Zeit aktiven Sports attraktiv. So erfreut sich der Verein an seinem Mittwochsarbeitsdienst (MAD), einer höchst regen Gruppe an älteren Mitgliedern, die bei Gartenarbeit und Geländepflege, Haustechnik und Bauarbeiten, der Pflege des Kinderspielplatzes oder bei handwerklichen Aufgaben tatkräftig anpacken, wo helfende Hände benötigt werden. Der MAD hilft dazu bei allen Aktivitäten des Vereins, wie etwa auch bei den handwerklich-praktischen Anforderungen bei der Durchführung des EZ-Laufs. Der MAD hilft dazu bei allen Aktivitäten des Vereins wie etwa auch bei den handwerklich-praktischen Anforderungen bei der Durchführung des EZ-Laufs.

Unternehmen aus der Region

Während bei den Senioren die Zahl der aktiven Ehrenamtlichen stabil hoch sei und nach wie vor viele Mitglieder bereit seien, punktuell und projektorientiert anzupacken, bereite der Rückgang der Zahl derer, die dauerhaft Verantwortung etwa als Übungsleiter übernehmen wollen, ein wenig Sorge. „Die Menschen sind allgemein unverbindlicher geworden, das ist ein gesellschaftliches Problem“, stellt Lenz fest. Doch er bleibt optimistisch und weiß um die Integrationskraft der TSG. „Man muss aufmerksam und offen für neue Ideen sein, den Leuten Raum geben, damit sie sich entfalten können“, sagt er, damit gelte auch weiterhin: „Integration findet über den Verein statt“.

100

Kinder nehmen jährlich im Sommer am Kinder-Mitmachzirkus bei der TSG teil.


Der Verein in Zahlen

Gründungsjahr 1898
Mitglieder etwa 1200
Altersstruktur Die jüngsten TSGler beginnen im Eltern-Kind-Turnen mit etwa 15 Monaten, etliche Mitglieder sind aktiv bis ins hohe Alter
Angebote Mehrspartenverein mit den Abteilungen Fußball, Handball, Karate, Kindersport, Eltern-Kind-Turnen, Bogenschießen für Kinder, Musik, Schach, Tanz, Tennis, Tischtennis, Turnen, Leichtathletik; Mittwochs-Arbeitsdienst für ältere Mitglieder, Seniorengruppe, öffentliche Gaststätte mit Veranstaltungssaal im Vereinsheim Waldheim, Kinder-Mitmachzirkus in den Sommerferien, jährliches Musikfest Waldbühne, Schul-Kooperationen, aktive Beteiligung am Stadtteilfest, Mitorganisation EZ-Lauf Kontakt Geschäftsstelle Neuffenstraße 87, 0711/387676, tsg@tsg-esslingen.de, www.tsg-esslingen.de. pst