Anzeige

Auf den Fildern

Nachhaltige Anlagen - heiß diskutiert

Institute bauen ihre Angebote stark aus, private Anleger sind aber zurückhaltend.

Nachhaltige Anlagen - heiß diskutiert

Die Nachhaltigkeit einer Geldanlage interessiert wenige-Anleger. Foto: Adobe Stockhutters

Nachhaltige Geldanlagen sind ins Gerede gekommen. Denn nicht alles, was als umweltpolitisch, sozial und unternehmenspolitisch nachhaltig bezeichnet wird, ist es auch. Welcher Anbieter so genannter ESG-Fonds etwa will nicht nachhaltig und verantwortungsbewusst sein? Der Begriff ist schwammig. Bei genauer Prüfung gibt es viel sogenanntes Greenwashing.

Es kommt hinzu, dass die geopolitischen und ökonomischen Verwerfungen der vergangenen Monate auch deutliche Spuren bei der Performance der ESG-Anlagen hinterlassen haben. Nach drei Jahren mit enormen Zuflüssen hat die Ratingagentur Morningstar festgestellt, dass die Mittelzuflüsse stark zurückgegangen sind. In den USA haben Anleger sogar die Rückzahlungen aus börsengehandelten ESG-Fonds verlangt. Das schlägt auf das Anlageverhalten durch. Vor allem Privatanleger legen in der Praxis eher Wert auf Sicherheit oder aber auf eine höhere Rendite statt auf nachhaltige Aspekte.

ESG-Kriterien sollen die Nachhaltigkeit eines Investments bewerten. Firmen werden hinsichtlich ihrer Auswirkung auf die Umwelt, ihre soziale sowie gesellschaftliche Rolle und der Unternehmensführung bewertet.

Uwe Adamla, Chef der LBBW Assets & Wealth Management, verweist auf einen deutlichen Performance-Malus nachhaltiger Anlagen im vergangenen Jahr. Die BW-Bank, Tochter der Landesbank Baden-Württemberg, hat ihr Wealth Management, darunter in den auch Anlagen nach ESG-Kriterien, vergangenen Jahren stark ausgebaut. Adamla ist der Meinung, dass das magische Dreieck mit den Kriterien Sicherheit, Liquidität und Rentabilität durch den Faktor Nachhaltigkeit eher zu einem Viereck mutiert ist. Und wer auf den letzten Faktor besonderen Wert lege, müsse eben anderswo Abstriche machen und können nicht die maximale Rendite erwarten.

„Nur ein geringer Prozentsatz unserer Privatkunden berücksichtigt das Kriterium der Nachhaltigkeit", sagt er. Doch seit August vergangenen Jahres sei seine Bank dazu verpflichtet, private Kunden bei der Anlageberatung systematisch auch hinsichtlich nachhaltiger Aspekte zu informieren und zu beraten. Nicht vorgeschrieben ist allerdings, dass den Kunden nachhaltige Produkte auch angeboten werden.

„Die Kriterien für nachhaltige Anlagen sind schwammig."

Maximilian Drobac, Volksbank Stuttgart

Adamla weist darauf hin, dass die Nachhaltigkeit nicht immer so eindeutig festzustellen ist. Man habe aber intern „rote Linien", etwa einen messbar hohen CO₂-Ausstoß der Mineralölkonzerne, die 2022 an der Börse besonders gut performt haben. Jedoch schließt die BW-Bank beispielsweise CO2-intensive Werte oder Rüstungsunternehmen aus ihren Anlagenhorizonten aus.

Der Banker weist auf unterschiedliche Anlagestrategien im Hinblick auf Nachhaltigkeit zwischen privaten und anderen Anlegern hin. ,,Stiftungen, Kirchen, institutionelle Anleger sowie hochvermögende Privatkunden haben oft nachhaltige Aspekte in ihren Anlagerichtlinien verankert. Diese fragen gezielt nach solchen Anlagen und sehen den riesigen Investitionsbedarf bei der Finanzierung des ökologischen Wandels", so Adamla weiter. Markus Heilig, Regionalleiter Südwest der Bethmann Bank mit Sitz in Stuttgart, stellt fest, dass die Anleger ,,mehr Fragen stellen und mehr diskutiert wird". Im Beirat der Bethmann Bank, einer Tochter der niederländischen ABN Amro, werde regelmäßig diskutiert, und es würden auch Anpassungen der Kriterien für Nachhaltigkeit vorgenommen, sagt Heilig. Die Nachhaltigkeit nach ESG-Kriterien wird bei dem Institut mit einem Punktesystem gemessen", das etwa den Verbrauch fossiler Energien erfasst, die bei der Produktion anfallen.

So könne jedem Wertpapierdepot der CO₂-Ausstoß zugerechnet werden. Gerade durch die Analyse nachhaltiger Kriterien sei häufig in besonders attraktive Aktien und Wertpapiere investiert worden - mit hohen jährlichen Wertzuwächsen, die sich etwa im Nachhaltigkeitsmandat Dynamik mit maximal 100 Prozent Aktien über zehn Jahre vor Kosten auf immer noch 9,53 Prozent beliefen. Heilig: ,,Investitionen in Rüstungs- und Mineralölkonzerne, die an der Börse zuletzt besonders gut performt haben, sind in unserem Nachhaltigkeitskonzept ausgeschlossen." Grundsätzlich bleibt er auch hinsichtlich der finanziellen Performance solcher Anlagen optimistisch: ,,Innovative Unternehmen, die in den digitalen Wandel oder in erneuerbare Energien sowie generell Nachhaltigkeitskriterien investieren, werden langfristig auch hohe Renditen abwerfen." Maximilian Drobac, Leiter Private Banking und Immobiliengeschäft bei der Volksbank Stuttgart, hat beobachtet, dass ,,das Thema Nachhaltigkeit vor allem für gemeinnützige Stiftungen eine große Rolle spielt". Anders sei es bei den übrigen Anlegern: „Die Mehrheit unserer Kunden freut sich, wenn Anlagen nachhaltig sind, aber das ist meist kein zentrales Anliegen." Und er verweist auf nicht trennscharfe Richtwerte. Es gebe viel Verwirrung, weil die Kriterien für Nachhaltigkeit schwammig sind. ,,Wir orientieren uns dabei am Research der DZ-Bank und den Labels der Union Investment", sagt Drobac. Gerhard Bläske


Kapitalertragsteuer senken: Gewinne und Verluste verrechnen

Wertpapiere: Unrealisierte Verluste können nicht geltend gemacht werden.

Der Aktienmarkt war in den vergangenen Monaten besonders turbulent. Nicht zuletzt der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine und die Energiekrise haben viele Wertpapiere zwischenzeitlich auf Talfahrt geschickt. Manche Anleger haben dadurch Verluste hinnehmen müssen. In einem bestimmten Fall können sie das Minus aber für sich nutzen, um die Kapitalertragsteuer, die 25 Prozent beträgt, zu reduzieren. Dabei gilt es, einiges zu beachten.

Sinkt der Wert einer Aktie im Depot, ist das erst einmal unglücklich. Denn mit ihrem Investment spekulieren Anlegerinnen und Anleger in aller Regel auf steigende Kurse, um ihr Geld zu vermehren. Wer aber glaubt, er könne sein Geld bei einer anderen Aktie sinnvoller einsetzen, oder Angst hat, dass die abstürzende Aktie weiter an Wert verliert, kann die Position verkaufen.

Einfluss auf Kapitalertragsteuer

So können die Aktienverluste Einfluss auf die zu zahlende Kapitalertragsteuer nehmen. Denn Anlegerinnen und Anleger können die Verluste aus den Aktienverkäufen in diesem Fall mit Gewinnen aus anderen Aktienverkäufen in der Steuererklärung verrechnen, teilt Ulf Knorr vom Steuerberaterverband Mecklenburg-Vorpommern mit.

Verbleiben die Wertpapiere mit negativem Vorzeichen im Depot, können diese sogenannten unrealisierten Verluste nicht geltend gemacht werden. Der Grund: Die Papiere könnten zu einem späteren Zeitpunkt wieder an Wert gewinnen. Wer seine Wertpapiere in einem einzigen Depot bei einer inländischen Bank halte, brauche für den steuerlichen Ausgleich nichts weiter zu tun. ,,Die Bank verrechnet Gewinne und Verluste aus Verkäufen während des Jahres automatisch", sagt Knorr. Am Ende erhalte der Kunde eine Jahressteuerbescheinigung über seine Kapitalerträge. Komplizierter wird es, wenn Anleger bei mehreren inländischen Banken Depots halten. ,,Ab dem Moment, in dem Depots auf mindestens zwei Banken verteilt werden, geschieht die Verrechnung von Gewinnen und Verlusten nicht automatisch", erläutert Rolf Müller, der als Steuerberater in Nürnberg tätig ist.

Sparerpauschbetrag im Blick behalten

In diesem Fall müssten Investoren ihre Gewinne und Verluste aus Verkäufen über ihre Steuererklärung geltend machen. „Dafür müssen sie eine Verlustbescheinigung bei der Bank beantragen, bei der der Verlust entstanden ist", sagt Müller. Dieser Antrag muss für das laufende Jahr spätestens bis zum 15. Dezember eingereicht werden. Sinnvoll sei es, den Sparerpauschbetrag im Blick zu behalten: Einkünfte aus Kapitalanlagen sind ab dem Veranlagungszeitraum 2023 für Singles bis zu 1000 Euro und für zusammen veranlagte Ehepaare bis zu 2000 Euro steuerfrei. Fällt der Ertrag in einem Jahr höher aus als der Freibetrag, kann er möglicherweise durch die Verrechnung von Verkaufsgewinnen und -verlusten so gesenkt werden, damit keine Kapitalertragsteuer anfällt.

Wichtig zu wissen: Es besteht kein Zwang, die Verluste sofort zu verrechnen. Es gebe also die Möglichkeit, das Minus erst in einem der folgenden Jahre geltend zu machen. Ein zeitlicher Verfall droht nicht. ,,Wenn keine Verlustbescheinigung zum Verrechnen mit anderen Banken beantragt wird, wird der Verlusttopf automatisch auf das folgende Jahr übertragen, um dann die Verluste mit künftigen Verkaufserlösen zu verrechnen", sagt Jürgen Drescher, Vermögensverwalter aus Frankfurt. dpa/tmn