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Handwerkskammer Region Stuttgart: "Maßgeschneiderte Eintrittskarte"

635 Absolventen bekommen Meisterbriefe und verfügen über die besten Voraussetzungen für Selbstständigkeit oder für Führungspositionen.

Handwerkskammer Region Stuttgart: "Maßgeschneiderte Eintrittskarte"

635 Absolventinnen und Absolventen haben in Stuttgart ihre Meisterbriefe überreicht bekommen, laut Handwerkskammerpräsident Rainer Reichhold bieten sich ihnen damit beste Voraussetzungen für die Selbstständigkeit oder für Führungspositionen. Foto: dpa/Britta Pedersen

Rainer Reichhold ist sich sicher: „Der Meisterbrief ist für die Selbstständigkeit im Handwerk die maßgeschneiderte Eintrittskarte“, sagte der Präsident der Handwerkskammer Region Stuttgart im Rahmen der Meisterfeier vor Kurzem in Stuttgart. „Unsere neuen Meisterinnen und Meister haben beste Aussichten - allein schon die Energiewende und der Klimawandel, die mehr handwerkliche Dienstleistungen benötigen, halten viele Aufgaben für unsere Betriebe bereit.“ 635 junge Handwerksmeisterinnen und -meister bekamen in Stuttgart ihre Meisterbriefe überreicht. Zehn sogenannte Bestmeister wurden zudem als Branchenprimus ausgezeichnet. Darunter einer aus dem Landkreis Esslingen: Nico Manuel Papp aus Neuffen bei den Metallbauern.
Vor mehr als 2000 Gästen forderte Reichhold die jungen Absolventen auf, sich Ziele zu setzen, indem sie einen Betrieb übernehmen oder gründen. Als schwerwiegende Hindernisse auf dem Weg in die Selbstständigkeit bezeichnete Reichhold aber den Fachkräftemangel und eine „lähmende“ Bürokratie. 

Die Absolventinnen und Absolventen nahmen bei der Feier nach Abschluss der Prüfungen ihre Meisterbriefe in Empfang - Glitterregen inklusive. Beim Blick auf die zehn „Bestmeister“ fällt auf, dass sieben weiblich sind. Die Urkunden wurden von den Mitgliedern der 27 Prüfungsausschüsse überreicht. Mit 90 Absolventen sind die Kraftfahrzeugtechniker das größte Gewerk, gefolgt von Elektrotechnikern (72), Malern und Lackierern (52), Installateuren und Heizungsbauern (48) sowie Friseuren (36). Zu den zahlenmäßig kleinen Gewerken gehören Zahntechniker (4), Ofen- und Luftheizungsbauer (2), Orgel- und Harmoniumbauer (2) sowie das Klempner-Handwerk (1).
Viele Betriebe suchen Nachfolger
„So viel Praxistauglichkeit wie die Vorbereitung auf die Prüfungen lehren keine Schule und keine Universität“, sagte Reichhold. Mehr junge Menschen müssten sich wieder trauen, Unternehmer zu werden. Und die Perspektiven seien in der Stuttgarter Kammerregion gut: „Etwa 30 Prozent der Handwerksunternehmen in der Region Stuttgart wollen in den nächsten fünf Jahren ihr Geschäft in jüngere Hände legen.“ 

Auch viele Führungspositionen seien für junge Meisterinnen und Meister interessant. „Ein Meister verdient mindestens so viel wie ein Bachelor. Ein fitter Handwerksunternehmer kann einen Master finanziell locker überflügeln. Und der Lehrling bekommt während der Ausbildung eine Vergütung, ein Student dagegen nichts. Das alles ist leider nicht hinreichend bekannt“, sagte Reichhold.
Bei der finanziellen Förderung der Meisterausbildung haben nach Angaben des Kammerpräsidenten andere Bundesländer den Südwesten inzwischen überholt. Während Baden-Württemberg erfolgreiche Jungmeister mit 1500 Euro fördert, erhöht Bayern den „Meisterbonus“ von 2000 auf 3000 Euro. In Niedersachsen werden bis zu 4000 Euro überweisen. Allerdings koste die Meistervorbereitung bis zu 9000 Euro. Reichhold sprach sich auch für eine Fristverlängerung der Meistergründungsprämie aus. Gerade bei Betriebsgründungen gelte es den Bürokratiedschungel zu roden, es müsse aber auch ein Blick auf Steuer- und Sozialabgaben geworfen werden. „Selbstständigkeit muss sich lohnen und auch Freude machen“, machte Reichhold klar. red


Geschäftslage weitgehend stabil

Privater Konsum zieht leicht an, Erwartungen im Handwerk trüben sich trotzdem ein.

Das Handwerk schätzt die Geschäftslage als stabil ein. Das geht aus dem Konjunkturbericht des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) zum dritten Quartal hervor. Wie bereits im Vorjahreszeitraum und im ersten Quartal 2023 bewerteten 48 Prozent der an den zugrunde liegenden Umfragen beteiligten Betriebe die Geschäftslage als gut. Die Erwartungen sind demnach getrübt, aber etwas wenigerpessimistisch als vor einem Jahr. 

Die Nachfrage nach handwerklichen Erzeugnissen und Dienstleistungen wurde laut ZDH von sinkenden Energiekosten und einer leichten Belebung des privaten Konsums stabilisiert. Zudem stützten die in den Vorjahren aufgebauten hohen Auftragsbestände. Wenig rosig war dagegen die Lage im Baugewerbe, wo hohe Material- und gestiegene Finanzierungskosten besonders bei Wohnungsneubauten zu einem deutlichen Dämpfer führten.
Die Geschäftserwartungen ließen im Baubereich einen deutlichen Einbruch erwarten. Bergauf ging es indes im Kfz-Gewerbe, das von deutlich gestiegenen Absatzzahlen für Pkw profitierte. Den Werkstätten kommen besser verfügbare Ersatzteile zugute. Der Bericht beruht auf Befragungen von Handwerkskammern und Innungen, an denen laut ZDH 22 671 Firmen teilnahmen. 

ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke sprach von insgesamt getrübten und besonders im Bauhauptgewerbe sehr pessimistischen Geschäftserwartungen“. Er mahnte politische Entscheidungen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit an.
Forderung nach Entlastungen
Das Handwerk sei dem Standort treu und weiche nicht ins Ausland aus. „Daher ist es für Handwerksbetriebe so wichtig, dass keine weiteren Belastungen hinzukommen, sondern im Gegenteil etwa bei der Bürokratie und bei Abgaben endlich für Entlastungen gesorgt wird.“ 

Schwannecke zählte eine Reihe Baustellen auf: „Fachkräftesicherung und Stärkung der beruflichen Bildung, Bürokratieabbau, bezahlbare und verlässliche Energie, eine geringere Steuer- und Sozialabgabenbelastung, beschleunigte Planungs- und Genehmigungsverfahren, mehr Tempo beim Infrastrukturausbau und der Digitalisierung.“
Zwar seien Entlassungen in größerem Umfang im Handwerk kein Thema, so Schwannecke. „Vielmehr sind Beschäftigungsrückgänge vor allem darauf zurückzuführen, dass Stellen wegen fehlender Fachkräfte nicht nach- oder neu besetzt werden können.“ Das liege an der demografischen Entwicklung, aber auch in einer jahrzehntelangen, viel zu einseitigen bildungspolitischen Fokussierung auf den akademischen Bereich“. Die berufliche Bildung sei ins Hintertreffen geraten, die müsse sich ändern.
Die Bundesregierung lasse ein Gesamtkonzept vermissen für die Verlässlichkeit und Bezahlbarkeit von Energie, monierte Schwannecke. „Um zu wettbewerbsfähigen Energiepreisen zu kommen, wäre die Senkung der Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß aus Sicht des Handwerks eine geeignete und erste wichtige Maßnahme“, sagte Schwannecke. dpa