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Bauen & Wohnen

MASSIV-ODER FERTIGHAUS?

Ob Fertighaus oder Massivhaus, beide Bauarten bieten heute ein stabiles Haus, das mit Wohnqualität aufwartet. Der Unterschied liegt im Detail und darin, was der Bauherr respektive die Bauherrin sich wünschen.

MASSIV-ODER FERTIGHAUS?

Der Wunsch nach den eigenen vier Wänden ist ungebrochen. Wer den Entschluss gefasst HAT und das nötige Kapital aufbringen kann, selbst zu bauen, steht meist vor der Frage, ob es ein Massiv-oder Fertighaus werden soll? Beide Haustypen haben ihre Vor- und Nachteile. Eine Übersicht.

Eine Frage des Geschmacks

Stein auf Stein, so zumindest in den meisten Fällen, nehmen Massivhäuser auf der Baustelle über die Zeit Gestalt an. Bei Fertighäusern, die in der Holztafelbauweise erstellt werden, wird das Gebäude - Wände, Decken, Dach - in den großen Fabrikhallen der Fertighausbieter vorgefertigt. Auf der Baustelle gilt es schließlich nur noch, die Einzelteile zusammenzufügen.

Der Bau eines Fertighauses geht schneller als der eines Massivhauses, bei Fertighäusern ist man preislich günstiger dran, bei Massivhäusern hat man weit mehr individuellen Gestaltungsspielraum - viele der Aussagen, die es zu Massiv- und Fertighaus gibt, würde Sven Haustein von Haalarchitekten aus Schwäbisch Hall nicht unterschreiben.

Der Architekt, der auch als Berater bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall tätig ist, sagt: „Abgesehen von der völlig anderen Konstruktionsweise unterscheiden sich Massiv- oder Fertighäuser kaum: nicht im Preis, nicht in den Möglichkeiten, nicht in der Zeit bis zum Einzug. Eher geht es um die Frage, wie intensiv man sich mit dem Bau seines Eigenheims beschäftigen möchte.“

Wer zusammen mit einem Architekten ein Massivhaus plant, ist in alle Schritte mit eingebunden, kann Einfluss nehmen vom Grundriss über die Auswahl der beim Bau eingesetzten Materialien bis hin zur Wandfarbe.

Vorgegebene Typenhäuser

„Für manch einen Bauherren ist diese Entscheidungsfreiheit zu umfangreich“, weißs Haustein. Es gibt natürlich auch die Alternative des schlüsselfertigen Bauens, die viele Entscheidungen abnimmt, oder man entscheidet sich eben für ein Fertighaus. Unter vorgegebenen Typenhäusern gibt es viel Auswahl, und rundum kann man sich sein Haus in einer Art„Großeinkauf“ in allen Teilen zusammenstellen, von den Fliesen an der Wand bis hin zu Beschlägen, den Böden, Sanitäreinrichtungen. Wie viel Zeit man sich dafür nimmt, ist einem selbst überlassen. Im „Einkaufskorb“ findet sich schließlich das ganze Haus, fix und fertig zusammengestellt. Auf der Baustelle geht es mit den fertig gelieferten Teilen beim Aufbau eines Fertighauses sehr schnell, innerhalb von Tagen, voran.„Aber: die Schnelligkeit bei der Montage erfordert entsprechend längeren Vorlauf bei der Produktion des Fertighauses“, merkt Architekt Haustein an und ergänzt, man dürfe allerdings nicht vergessen: „Tatsächlich können auch Fertighäuser total individuell mit einem Architekten zusammen geplant werden.“

Wenn die Fertighausteile auf der Baustelle eintreffen, ist die Entscheidung gefallen, gibt es kaum mehr Änderungsmöglichkeiten am Haus. Beim Massivhaus dagegen könnte - theoretisch - während der langen Bauphase noch so manche Änderung vorgenommen werden. Profi Haustein rät davon allerdings ab.„Das kann teuer werden und große Probleme machen, wenn etwa vergessen wurde, ein beteiligtes Gewerk zu informieren.“ In einem Punkt dagegen kann der Bau, Schritt für Schritt, von Nutzen sein – man muss nicht alle Entscheidungen auf einen Schlag treffen. Und manche sorgfältige Abwägung, so zum Beispiel, ob es wirklich an jedem Fenster einen elektrischen Rollladen braucht, kann sich gar kostensenkend auswirken.

Mit Eigenleistungen Kosten sparen

Mit Eigenleistungen lassen sich beim Hausbau Kosten sparen. Bei einem Fertighaus ist das Einsparpotenzial eher gering, wenn man nicht ein Ausbauhaus oder gleich einen Bausatz wählt. „Im Massivhaus haben Sie mehr Möglichkeiten selber Hand anzulegen, besonders im Innenausbau“, sagt Haustein. Wer auf die Kosten schaut und glaubt, mit einem Fertighaus günstiger zum Eigenheim zu kommen, den muss Sven Haustein jedoch enttäuschen. Von beiden Bautypen gibt es die teure und die günstigere Variante, erklärt er. Und ja, wer beim Fertighaus auf die standardisierten Module zurückgreift, müsse weniger zahlen, aber das gelte auch für den Massivbau, der ohne Spezialwünsche realisiert wird. Bei einem Punkt, die Kosten betreffend, sticht das Fertighaus jedoch das Massivhaus. Die Bauherren können hier auf den vertraglich festgelegten Preis setzen und auf ein festes Datum, an dem das Haus errichtet wird. Das macht Planung und Kalkulation einfacher.

Hinsichtlich der Energieeffizienz können sich heutige Fertighäuser sehen lassen. Mit weniger Aufwand als beim Massivhaus erreichen sie sehr gute Dämmeigenschaften - und das bei dünneren Wänden. Da Niedrigenergiehäuser immer mehr gefragt sind, sieht Haustein daher auch die Aussage, dass Fertighäuser im Wert stärker verlieren als Massivhäuser auf die Dauer nicht mehr gegeben.

„Hauskäufer achten vermehrt auf Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und Barrierefreiheit“, sagt der Architekt und vermutet daher, dass sich im Werterhalt Massivhaus und Fertighaus zukünftig zunehmend angleichen werden. Für die Dämmeigenschaften hinsichtlich des Schalls muss in Fertighäusern allerdings mehr investiert werden als in Massivhäusern, sonst sind die Holzkonstruktionen zu hellhörig.

Julia Alber