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Ein neues Hallenbad Sonnenberg in Stuttgart – Start nicht vor 2029

Siegerentwurf von a+r Architekten, Ersatzneubau für das Bad von 1976 mit nachhaltigem Konzept, Kostenrahmen von rund 60 Millionen Euro, Verzögerung durch Haushaltskürzungen der Stadt Stuttgart

Ein neues Hallenbad Sonnenberg in Stuttgart – Start nicht vor 2029

So soll das neue Hallenbad Sonnenbergheißt dann das Sonnenberg Bad - mal aussehen. Bleibt bloß noch die Frage zu klären, wann die Stadt Stuttgart genügend Geld dafür hat. Foto: z

Der Neubau des Hallenbads Sonnenberg ist ein längerfristiges Projekt der Landeshauptstadt Stuttgart, das den maroden Bestand ersetzen soll. Die bestehende Schwimmhalle aus dem Eröffnungsjahr 1976 ist technisch und baulich in schlechtem Zustand, weshalb eine Sanierung als unwirtschaftlich bewertet wurde und stattdessen ein kompletter Neubau vorgesehen ist. Die Stadt Stuttgart hatte dafür einen Realisierungswettbewerb ausgelobt. Im Mai wurde dann vom Preisgericht entschieden: a+r Architekten aus Stuttgart haben den Zuschlag bekommen.

"Durch die Bereitstellung der Mittel im Wirtschaftsplan 2026/2027 des Eigenbetriebs Stuttgarter Bäder wurde unmittelbar mit der Planung begonnen.

Ziel ist es, im Jahr 2029 mit dem Ersatzneubau zu beginnen und die Arbeiten in 2032 abzuschließen. Zum jetzigen Zeitpunkt gehen wir beim Ersatzneubau Hallenbad Sonnenberg von einer geschätzten Grobkostenannahme von rund 60 Millionen Euro aus“, berichtet Jens Böhm, Pressesprecher der Stuttgarter Bäder, vom aktuellen Sachstand des Hallenbads Sonnenberg.

Die Zukunft des Hallenbads sieht verlockend aus

Die Zukunft des Hallenbads Sonnenberg sieht verlockend aus: Der Siegerentwurf zeichnet sich durch eine klare Gebäudestruktur aus, bestehend aus zwei riegelförmigen Baukörpern und einem gemeinsamen Eingangsbereich für Schulen und Vereine sowie das öffentliche Badepublikum. Das Gebäude verzahnt sich fließend mit der Umgebung. Mit einer klaren Holzbaukonstruktion im Badebereich und Recyclingbeton im Untergeschoss, sowie einem durchdachten Energiekonzept entspricht der Beitrag von a+r Architekten den hohen klimapolitischen Zielen der Stadt Stuttgart.

Unternehmen aus der Region

Die Wettbewerbsaufgabe umfasste den Neubau eines Funktionshallenbads mit zwei 25-Meter-Schwimmbecken, ein Sprungbecken für Einzel- und Synchronspringen sowie einem Kinder- und Planschbecken in akustisch getrennten Bereichen für einen parallelen ganzjährig an allen Wochentagen stattfindenden Betrieb von Schul- und Vereinssport sowie öffentlichen Badepublikum.

Professorin Reicher über den Siegerentwurf: „Der erste Preis für das Hallenbad Sonnenberg geht äußerst überzeugend und kreativ mit den Herausforderungen um, indem der Ersatzneubau sich gut in die Nachbarschaft einfügt, eine attraktive Wasserlandschaft' im Inneren schafft und die Zukunftsaspekte des Bauens klug in den Entwurf integriert.“

Der Neubau verzögert sich

Nun bleibt nur noch die Frage, wann der Neubau realisiert werden kann. Angesichts leerer Kassen der Stadt Stuttgart verzögert sich die Realisierung auf jeden Fall um ein paar Jahre nach hinten.

Der geplante Start von 2027 kann längst nicht mehr gehalten werden.

In der jüngsten Runde der Beratungen im Dezember 2025 hatte die Stadtverwaltung ihre Kürzungspläne für den Haushalt konkretisiert, da kam auch der Neubau in Sonnenberg nicht ungeschoren davon, denn im hoch defizitären Doppeletat 2026/2027 müssen wegen wegbrechender Gewerbesteuereinnahmen dreistellige Millionenbeträge gestrichen werden. Vorläufiges Ergebnis der Misere: Bei den neuen Hallenbädern in Zuffenhausen und Sonnenberg sollen die Bäderbetriebe Kürzungen durchsetzen und ein Jahr später als geplant auf Baustelle gehen.

Unternehmen aus der Region

Vor 2029 wird also gar nichts passieren in Sachen Hallenbad-Neubau. Christian Günther


Geschichte des Hallenbad Sonnenberg

Das Hallenbad Sonnenberg ist ein typisches Kind der 70er Jahre - funktional geplant, robust gebaut, als Baustein kommunaler Daseinsvorsorge für Degerloch, Möhringen und Umgebung gedacht. Eröffnet wurde es 1976 als „zeitgemäß typisches Funktionshallenbad“ für Schulen, Vereine und die Öffentlichkeit, also nicht als Wellness-Tempel, sondern als Arbeitstier für den Alltag: Schwimmen lernen, Training, Bahnen ziehen, Sprungturm, dazu Familienbetrieb.

Obwohl: In den Anfangsjahren gab es sogar ein Dampfbad. Zum Start brachte die Anlage für damalige Verhältnisse ein ungewöhnlich breites Angebot mit: vier Becken und eine Fünf-Meter-Sprunganlage; ein kleines Variobecken, das bei Familien beliebt ist und einen Hubboden hat, außerdem ein kleiner Außenbereich zum Sonnenbaden. 

Das Haus kombiniert das 25-Meter-Schwimmerbecken mit einem Springerbecken samt Ein-, Drei- und Fünf-Meter-Anlage, dazu Nichtschwimmer- und Planschbereich - das klassische „alles drin, nichts verspielt“-Programm, das Schulklassen und Vereine genauso abholt wie Eltern mit Kindern. Die Kehrseite dieser Kontinuität ist, dass das Bad baulich lange kaum angefasst wurde. In der städtischen Vorlage zum Ersatzneubau steht, das Hallenbad sei „seit der Eröffnung baulich nahezu unverändert betrieben“ worden; 

Schwimmhalle, Umkleiden, Sanitärtrakt und Technikuntergeschoss seien - abgesehen von Ausnahmen - im Originalzustand. Spätestens 2013 wurde das zum Risiko: Eine Routineuntersuchung stellte erhebliche sicherheitsrelevante Mängel an der Dachkonstruktion und an Deckenabhängungen fest, die sofort beseitigt werden mussten. Als wäre das nicht genug, kam 2015 ein Einschnitt, der in der öffentlichen Erinnerung oft untergeht: 

Im Juli 2015, ein Jahr nach der Wiedereröffnung nach der Dachsanierung, wurden durch vorsätzliche Brandstiftung weitere wichtige Deckenbauteile zerstört; die Brandsanierung dauerte bis September 2016. Unterm Strich erzählt Sonnenberg damit die klassische kommunale Bau-Biografie: Ein in den 70er Jahren konsequent funktional geplantes Bad, das jahrzehntelang zuverlässig die Schwimmversorgung in Degerloch, Möhringen und Umgebung mitträgt, dessen Substanz aber irgendwann nicht mehr „einfach so“ mitläuft.