Der Handels- und Gewerbeverein Murr e.V. (HGV) lädt in diesem Jahr zum achtzehnten Mal zum Flößerfest ein. Auf dem Programm steht nicht nur das gemütliche Zusammensitzen auf den Bierbänken am Dorfplatz: Neben dem Fassanstich und der Eröffnungsrede von Torsten Bartzsch und Michael Bürker, dem 1. Vorsitzenden des Handels- und Gewerbeverein Murr (HGV), gehören auch Auftritte der Lindenschule und der Harmonikafreunde Murr, ein großes Angebot an Speisen und Getränken sowie das Aufstellen des Zunftbaumes zum Fest.
Die Tradition des Zunftbaums
„Es gehört zur Tradition, dass der Zunftbaum gestellt und die Zunftschilder angebracht werden“, erklärt Michael Bürker. Der Blumenkranz, mit dem der Zunftbaum geschmückt ist, kommt wieder vom Obst- und Gartenbauverein Murr, auch das ist Brauch in Murr. Nur eine Sache hat sich im Laufe der Jahre verändert: Aus Sicherheitsgründen wird der Zunftbaum von einem Kran in die Senkrechte gehoben.
Noch bis vor einigen Jahren wurde der über 600 Kilogramm schwere Stamm mit reiner Muskelkraft und so genannten Schwalben aufgestellt. Mitglieder der Feuerwehr und des HGV stemmten den Stamm mit den langen Holzstangen nach oben.
Doch die Schwalben waren in die Jahre gekommen und entsprechend unsicher. Ursprünglich waren sie zum Aufstellen von Strommasten verwendet worden, das Wissen um ihre Herstellung ist in Vergessenheit geraten.
Die Symbolkraft des Zunftbaumes ist trotzdem ungebrochen: An Zunftbaum sind neben bunten Bändern, dem Kranz und einer Birke als Schmuck 18 Zunftschilder angebracht. Sie zeigen, wie vielfältig das Angebot der Murrer Betriebe und Unternehmen ist.


Neues auf der Speisekarte des Murrer Flößerfestes
Wie jedes Jahr hat sich der HGV etwas Neues für das FlöBerfest einfallen lassen: Neu im Speisenangebot ist ein Chickenburger, dazu gibt es bewährte Festlesklassiker wie Rote Wurst und Schweinehals vom Grill, Pommes frites und vieles mehr. Wer lieber etwas Süßes mag, sucht sich ein Stück Kuchen aus, Kaffee wird natürlich auch ausgeschenkt.
Bis heute gibt es Spuren der Flößerei in Murr
Schon im 15. Jahrhundert schwammen Baumstämme die Murr hinab. Über den 48 Kilometer langen Wasserweg kam Brennholz aus dem Murrhardter Wald nach Marbach.
Ihre Blütezeit erlebte die Flößerei am Anfang des 18. Jahrhunderts, auch Holz für den Bau der Ludwigsburger Residenzschlosses kam aus dem schwäbischen Wald und wurde in Murr gelagert. Erst im 19. Jahrhundert verdrängte die Eisenbahn die Flößerei.
Ein Flößer am Ortseingang und der Flößersteg an der Murr
Heute erinnern verschiedene Zeugnisse an die Flößerei in Murr: Seit 2019 begrüßt der Ort Einwohner und Gäste mit einer überlebensgroßen Skulptur eines Flößers im Kreisverkehr an der Bietigheimer Straße. Sie stammt vom Künstler Otto Beer und steht auf blauem Glasschotter, der das Wasser der Murr symbolisiert.
Der Floẞhaussteg ist dank seiner idyllischen Lage beliebt bei Spaziergängern und Radfahrern: Die überdachte Brücke überspannt die Murr am Südrand des Ortes. Der Steg wurde 1986 komplett aus Holz errichtet.
Ursprünglich führte an dieser Stelle eine Steinbrücke über die Murr. Zum Kriegsende 1945 wurde sie gesprengt. Am Floẞhaussteg wurde das Holz aus dem schwäbisch-fränkischen Wald aus der Murr gefischt und gelagert.


Ein Gedenkstein am Wegesrand
Nicht weit vom Steg entfernt, einige Schritte in Richtung Ortsmitte, steht am Wegesrand ein Gedenkstein. Er wurde am Zusammenfluss von Murr und Neckar entdeckt und bestand ursprünglich aus einem Sockel und einer Statue von Genius, dem Schutzgottes der Flößer und Schiffer. In Murr steht heute eine Nachbildung des Sockels, das Original ist im Lapidarium des Württembergischen Landesmuseums in Stuttgart zu sehen.
Auf dem Stein ist die Inschrift „Für das Wohl des Kaisers hat dem Genius der Floßschiffer Gaius Julius Urbicus (den Stein) geschenkt und geweiht. Sein Gelübde leitete er froh und freudig nach Gebühr“.
Vermutlich hat der Stifter Gaius Julius Urbicus seinen Lebensunterhalt als Schiffer verdient und es damit zu einem gewissen Wohlstand gebracht - so konnte er es sich leisten, einen teuren Weihestein zu stiften.
Von Andrea Veyhle