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Bauen & Wohnen

Smarte Planer? Wenn KI die Wohnung einrichtet

Neue Möbel virtuell platzieren, Farben testen, Grundrisse gestalten: KI-gestützte Planungstools versprechen Unterstützung, aber klappt das?

Smarte Planer? Wenn KI die Wohnung einrichtet

Ein Mann macht Aufnahmen seiner Wohnung. Foto: picture alliance/dpa/dpa-tmn

Passt das Sofa zwischen Fenster und Tür? Bleibt genug Platz für den Esstisch? Es wäre praktisch, wenn sich das ausprobieren ließe, bevor man die Einrichtung bestellt oder die Tapete an die Wand klebt.

Online-Tools versprechen Hilfe durch Künstliche Intelligenz bei der Suche nach Einrichtungsideen wie auch bei der konkreten Planung. Doch was leisten diese Werkzeuge tatsächlich?

Die Bandbreite der verfügbaren Anwendungen, die auch für Laien infrage kommen, ist groß. Man kann Fotos einzelner Zimmer hochladen und darauf verschiedene Einrichtungsstile anwenden, Grundrisse erstellen und mit Möbeln bestücken oder auf der Basis von Texteingaben neue Raumkonzepte entwerfen. Und das sei, sagt Eva Hofmann, Innenarchitektin und KI-Beraterin aus dem bayerischen Haßfurt, nicht nur eine digitale Spielerei, sondern habe durchaus praktischen Nutzen: „Die Tools können ein hilfreicher Inspirationspartner sein, solange man nicht erwartet, dass sie in 30 Sekunden den perfekten Einrichtungsvorschlag erstellen.“ Für den Einstieg empfiehlt sie die gängigen sprachbasierten Chatbots wie ChatGPT, Microsoft Copilot, Google Gemini oder Claude AI. Deren Stärke liegt in der Dialogfähigkeit. Auf Nachfragen präzisiert die KI ihre Vorschläge oder offeriert Alternativen. Je präziser der Prompt, also der Auftrag an das Tool, „,desto hilfreicher ist die Antwort“, sagt Hofmann. Bedeutet im Gegenzug: Auf eine sehr allgemeine Frage - beispielsweise „Wie könnte ein Homeoffice-Arbeitsplatz im Wohnzimmer aussehen?“ - wird man kaum eine praktisch verwertbare Antwort bekommen.

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Was will ich eigentlich? Wie man richtig promptet

Ein guter Prompt beschreibe das Vorhaben möglichst konkret, rät Hofmann. Warum benötigt man den Arbeitsplatz im Wohnzimmer, wie oft und wie lange wird man ihn nutzen, soll er abends unsichtbar sein, braucht man neben dem Schreibtisch noch Stauraum oder einen Platz für den Drucker?„Im besten Fall gibt man auch noch mit, welche Farben und Materialien man favorisiert“, sagt die Innenarchitektin. Bekommt man die Antwort, geht es dann weiter ins Detail: Man kann Rückfragen stellen. Oder um Beratung bitten - eigentlich ganz ähnlich wie im Gespräch mit einem Planer oder einer Planerin.

Ziel ist es, die individuellen Bedürfnisse so gut wie möglich zu konkretisieren. „Die meisten machen sich am Anfang zu wenig Gedanken, was sie eigentlich verändern wollen. Sie spüren nur, dass irgendetwas nicht passt“, sagt Hofmann. Ein menschlicher Architektur- oder Innenarchitektur-Profi weiß, wie er dann nachfragen muss. „Die KI ist immer bestrebt, gleich eine Lösung zu bieten.“ Und weil die Systeme mit erlernten Mustern und Trends arbeiten, orientieren sich die Antworten an dem, was allgemein gefällt. „Aber nur weil grüne Wände angesagt sind, passen sie nicht automatisch zu mir und meiner Wohnung“, sagt Hofmann.

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Möbeln? Denn maßgeblich sind nicht nur die Quadratmeter, die Zahl der Fenster, die Deckenhöhe. „Ein Raum besteht aus vielen Komponenten wie beispielsweise dem Licht, dem Blick, den Materialien“, sagt Catharina Förster. Sie ist Professorin für Innenraumplanung und Entwerfen an der Hochschule Anhalt in Dessau. Wohnen, das ist für sie „etwas sehr Privates und Individuelles“. Und: „Ein Gefühl dafür zu entwickeln, was einem guttut, ist Teil einer persönlichen Entwicklung.“

Detaillierter und visueller als mit ChatGPT und Co. lässt sich mit spezialisierten Tools planen. Sie heißen beispielsweise Planner 5D, RoomGPT, Interior AI oder Homestyler. RoomGPT etwa bietet verschiedene Einrichtungsvarianten für hochgeladene Fotos an, bei Planner 5D legt man zunächst einen Grundriss an und platziert dann KI-unterstützt das Mobiliar. Ein kurzer Probezeitraum, zum Teil mit eingeschränkten Funktionen, ist meist gratis, dann muss in der Regel ein kostenpflichtiges Abo abgeschlossen werden.

KI-Expertin Eva Hofmann empfiehlt, mehrere Tools auszuprobieren. Überfordert sind die KI-Planer oft von komplexen architektonischen Besonderheiten wie Dachschrägen, Erkern, tragenden Wänden oder versetzten Ebenen. Die generierten Vorschläge ignorieren teils bauliche Zwänge oder statische Erfordernisse. Auch bei der Lichtsimulation zeigen sich Schwächen. „Auf die Farbdarstellung am Bildschirm kann man sich nicht verlassen“, sagt Eva Hofmann und rät bei Wandfarben zu einem Probeanstrich. Auch Muster, auf den Wänden oder auf dem Boden beispielsweise, „sollte man sich immer im Original ansehen“, empfiehlt sie.

Achtung: Wer Fotos der eigenen Wohnung hochlädt, gibt persönliche Informationen preis. Die meisten Anbieter speichern diese Bilder auf ihren Servern. Die Idee, dass Einrichtungsplanung - ganz gleich, ob mit oder ohne KI - das perfekte Ergebnis liefert, sei ohnehin der falsche Ansatz, findet Architekturprofessorin Catharina Förster. Eine KI-Simulation könne „ein hübsches Bild entwerfen“. Aber wie es sich anfühlt, wenn der Sessel dann tatsächlich an der vorgeschlagenen Wand steht, das müsse man erleben.

Von dpa