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Filder-Zeitung

Stuttgart: Hommage an Ennio Morricone bei den Jazztagen

Verbindung von Jazz und Rock mit anderen Genres: Am 28. März eröffnet Pepe Lienhard mit dem Rigiblick Orchestra und Daniel Rohr Leiter des Theater Rigiblick neue Sichten auf Ennio Morricone.

Stuttgart: Hommage an Ennio Morricone bei den Jazztagen

Foto: Toni Suter, Tanja Dorendorf

Um und an Ostern lautet dieses Jahr das Motto im Theaterhaus wieder „Round about Jazz“. Vom 25. März bis 7. Mai zeigt er sich in all seinen Facetten mit Künstlerinnen und Künstlern aus der Region und der ganzen Welt. Zur Eröffnung spielt das Avishai Cohen Trio. Am Ende des Festivals wird ein runder Geburtstag gebührend begangen: Der Pianist Joachim Kühn feiert seinen 80. mit Michael Wollny, Eric Schaefer und Chris Jennings.

Einer breiten Öffentlichkeit wurde der Schweizer Bandleader, Saxofonist, Flötist und Arrangeur Pepe Lienhard (Foto oben Mitte) bekannt, weil er mit seinem Orchester 38 Jahre lang den Musiker Udo Jürgens auf seinen großen Konzerttourneen begleitete. Aber das ist nur eine seiner zahlreichen musikalischen Facetten. Die Offenheit für verschiedene Musikstile, seine Flexibilität, zeichnen ihn aus. Und so wundert es nicht, dass er jetzt mit dem Orchester des in Zürich beheimateten Theater Rigiblick zu den Theaterhaus Jazztagen nach Stuttgart kommt. Auf dem Programm: ein Abend über Filmmusiklegende Ennio Morricone.

Herr Lienhard, wann war Ihre erste Begegnung mit der Musik von Morricone?

Das war 1968 oder -69, als überall in den Kinos „Spiel mir das Lied vom Tod“ lief. Ich spielte damals mit einem Sextett in Clubs – auch in Stuttgart. Wir sind viel zusammen ins Kino gegangen und waren alle musikverrückt. „Spiel mir das Lied vom Tod“ habe ich zum ersten Mal in St. Gallen gesehen, und in St. Gallen haben wir dann zum ersten Mal unser Medley zu „Spiel mir das Lied vom Tod“ gemacht. Das Publikum in den Clubs damals waren sehr aufnahmebereit, und das haben wir ausgenützt. Mit dem Medley hatten wir einen Riesenerfolg!

Was mach Ennio Morricones Musik so besonders?

Er hat so viele verschiedene Elemente eingebaut, war sehr innovativ und hat ausgetretene Pfade verlassen. Er hat alles gemixt, war extrem kreativ, hatte keine Hemmungen. Er hat alle Elemente verwendet, die ihm in die Hände gekommen sind. Das macht seine Musik so abwechslungsreich und originell. Man erkennt sie sofort.

Wie ist dieses Programm entstanden?

Die Anregung kam von mir, und Daniel Rohr, der Direktor des Theaters Rigiblick, ist auf Anhieb vor Ideen dazu geradezu explodiert. Alle waren begeistert. Nur: Ennio Morricone ist mit einem 180-köpfigen Orchester auf Tournee gegangen und hat große Hallen gefüllt. Das Theater Rigiblick hat Platz für 200 Menschen im Saal.

Und wie haben Sie das gelöst?

Tobias Schwab, der musikalisches Leiter des etwa 30-köpfigen Rigiblick Orchesters, hat großartige Arrangements geschrieben. Ich bin da der einzige nicht-klassische Musiker.

Und welche Instrumente spielen Sie?

Neun sind es insgesamt: Okarina, Melodika, Blockflöte, Sopran- und Altsaxofon und Querflöte. Außerdem die Indian Whistle, die man aus dem Spaghetti-Western „Zwei glorreiche Halunken“ kennt, die Sopranino-Flöte, die es für „My Name is Nobody“ braucht – und natürlich die Mundharmonika aus „Spiel mir das Lied vom Tod“. Ich bin die ganze Zeit am Wechseln, oft mehrere Male im selben Stück. Das ist eine echte Herausforderung. Aber das hält jung!

Gibt es an diesem Abend nur Musik?

Aber nein! Daniel Rohr und Hanna Scheuring sind beide Schauspieler. Sie spielt an diesem Abend eine Filmkritikerin, die über Ennio Morricones Leben doziert, und Daniel Rohr einen Filmvorführer und passionierten Fan, der über jedes Detail zu Morricone Bescheid weiß und die Kritikerin kritisiert. Das ist wirklich witzig! Nebenbei lernt man so die Stationen in Ennio Morricones Leben kennen. Wir haben das Programm im Theater Rigiblick schon 20 Mal gespielt, und viele kommen mehrmals, weil es ihnen so großen Spaß macht. Es ist locker verpackt, aber dennoch sehr ernsthaft. Und wir haben auch eine tolle Stimme dabei. Wenn Anna Schwend singt, bekomme ich weiche Knie!

Was sind die Stärken des Jazz?

Und worauf kommt es bei der Filmmusik an? Das eine schließt das andere nicht aus! Vielleicht kann man es so sagen: Jede Kuh ist ein Tier – aber nicht jedes Tier ist eine Kuh. Also kann Jazz auch Filmmusik sein, aber Filmmusik ist nicht unbedingt Jazz.

Haben Sie einen Lieblingsfilm?


Ganz allgemein? Das ist „Amarcord“ von Federico Fellini. Bei Filmen mit Musik von Ennio Morricone wäre es „Spiel mir das Lied vom Tod“.

Gabriele Metsker

KONZERTE TAG FÜR TAG

34. Theaterhaus Jazztage 25. März bis 7. Mai 2024

Montag, 25. März
20 Uhr:
Avishai Cohen Trio (Halle T1)

Dienstag, 26. März
20 Uhr: Grégory Privat Trio; Kinga Glyk & Band (Halle T2)

Mittwoch, 27. März
20 Uhr:
Mare Nostrum III; Rabih Abou Khalil Group feat. Elina Duni (Halle T1)

Donnerstag, 28. März
19.30 Uhr:
„Spiel mir das Lied von Morricone“ feat. Pepe Lienhard mit Rigiblick Orchestra, Daniel Rohr und Hanna Scheuring (Halle T1)

20 Uhr: Clara Vetter Trio feat. Ronny Graupe; Laura Kipp Quartett feat. Eric Séva (Halle T2)

Freitag, 29. März
19.30 Uhr: Patrick Bebelaar & Friends (Halle T2)

Samstag, 30. März
19.30 Uhr:
Cuban Jazz Night – Michael Olivera & The Cuban Jazz Syndicate; Ramon Válle; Ana Carla Maza Quartet Caribe (Halle T1)

20.30 Uhr: Dieter Ilg Trio; Iiro Rantala HEL Trio (Halle T2)

Sonntag, 31. März
19 Uhr:
Wolfgang Haffner Magic Four; Dhafer Youssef “Street of Minarets“ (Halle T1)

20 Uhr: Kartmann Kollektiv feat. Mohammad Fityan; Kolsimcha (Halle T2) Montag,

1. April
19 Uhr:
Ull Möck Trio feat. Lilly Thornton: Beatles go Blue Note; Joo Kraus feat. Malia & Gregor Hübner (Halle T2)

19.30 Uhr: Kraan; Embryo (Halle T1)

Donnerstag, 4. April
20 Uhr:
A very special Evening with Rebekka Bakken & Friends: „True North – norwegian tradition my way“ (Halle T1)

Freitag, 5. April
20.30 Uhr:
Noir de Soul; Robohands (Halle T2)

Samstag, 6. April
20.30 Uhr:
Magnus Mehls Pocket Brass Band; Nils Kugelmann Trio (Halle T2)

Dienstag, 7. Mai
20 Uhr:
Joachim Kühn 80! feat. Michael Wollny, Eric Schaefer & Chris Jennings (Halle T1)

Tickets und Infos telefonisch 07 11 / 40 20 720 oder online unter www.theaterhaus.com