Der Fußball-Regionalligist aus Freiberg und die Stadtverwaltung verstricken sich in Grabenkämpfe über eine Trainingsmöglichkeit tagsüber. Hinter den Kulissen werden Gespräche geführt – ob sie zum Erfolg führen, entscheidet sich nichtöffentlich im Gemeinderat.
Nach wie vor wartet der SGV Freiberg in der Fußball-Regionalliga auf den großen Befreiungsschlag – sportlich wie auch im kommunalen Umfeld. Nach der jüngsten 0:2-Heimniederlage gegen den TSV Steinbach Haiger sitzt der SGV erst einmal im Tabellenkeller fest. Abgesehen davon sucht der vom ehrgeizigen Präsidenten und Mäzen Emir Cerkez angeführte Club immer noch nach dem richtigen Rezept, um Differenzen mit der Stadtverwaltung zu glätten.
Nach dem Aufstieg in die vierte Liga hatte es in Freiberg unter anderem Ärger gegeben, weil die Stadt den Kickern tagsüber keine Trainingsmöglichkeit auf den vier städtischen Plätzen am Wasen geben wollte. Erst eine Sondererlaubnis des Gemeinderats im Juli gab den Weg frei. Seitdem darf sich die Truppe um Trainer Ramon Gehrmann statt abends zweimal tagsüber auf den Rasenflächen tummeln – dies aber nur bis 30. September. Da die Erlaubnis in wenigen Tagen erlischt, muss eine neue Lösung her.
Persönlich nicht das beste Verhältnis
Wie der Königsweg aussehen kann, darüber breitete die Freiberger Stadtverwaltung bisher den Mantel des Schweigens aus. Es gilt als offenes Geheimnis, dass der aufs Allgemeinwohl bedachte Bürgermeister Dirk Schaible und der fußballverrückte Vereinspräsident Emir Cerkez persönlich nicht das beste Verhältnis pflegen. In Gesprächen mit unserer Zeitung betonen beide, wie wichtig es ihnen ist, dass der Verein und die Stadt gut miteinander auskommen. „Ich möchte nur, dass meine Jungs in Ruhe Fußball spielen können“, sagt Emir Cerkez, der sich kürzlich die Augen rieb, als die Stadtverwaltung der A-Jugend das Training am Samstag erlaubte, nicht aber dem Regionalliga-Team. Cerkez sieht seinen Verein schlecht behandelt.
Den Fehler innerhalb seiner Verwaltung räumt Dirk Schaible ein, will ihn aber nicht so hoch hängen. Zur Erklärung: Für die Samstage gilt die Erlaubnis des Gemeinderats für ein Tagtraining nicht. Deshalb muss die Regionalliga-Mannschaft jedes Mal ihr Abschlusstraining vor einem Punktspiel genehmigen lassen – was zuletzt aber ausblieb. Einmal probierten es die Fußballer auf eigene Faust auf einem der Plätze, sie wurden aber von einem städtischen Mitarbeiter erwischt. Der dokumentierte alles mit einer Kamera und pfiff die Athleten zurück.
Auch wenn solche Scharmützel nicht gerade vertrauensbildend wirken, suchen Stadt und Verein hinter den Kulissen offenbar fieberhaft nach einem Weg zu einem besseren Miteinander. Dabei ist SGV-Sportdirektor Marco Grüttner ein wichtiger direkter Ansprechpartner. Lösungen für einen Trainingsbetrieb tagsüber seien im Gespräch, so Schaible, doch er bitte um Verständnis: Er wolle in der aufgeheizten Atmosphäre erst einmal in Ruhe mit den Beteiligten reden. „Das Problem besteht darin, dass der Rasen abends auch von anderen Vereinen genutzt wird und es zu einer Übernutzung und Schäden kommt“, sagt Schaible. Der SGV nutze bei 71 Wochenstunden die Plätze allein zu 80 Prozent. Die Kommune könne in schwierigen Zeiten nicht einfach Gelder für den Profifußball lockermachen. „Unser Ziel ist aber trotzdem ein langfristig tragfähiger Kompromiss.“
Große Lösung kommt nicht in Frage
Eine Lösung im großen Stil, wie sie zuletzt von Schaible vorgeschlagen wurde – der SGV solle auf städtischem Grund rund eine bis 1,5 Millionen Euro für einen Trainingsplatz am Wasen investieren – kommt für den Verein nicht infrage. „Warum sollen wir viel Geld ausgeben, wenn die anderen Plätze leer sind und wir vielleicht wieder absteigen?“, fragt Emir Cerkez, der ausgesprochen sauer auf den Vorhalt Dirk Schaibles reagiert, man habe den Aufstieg in die Regionalliga betrieben, aber zu wenig in das Umfeld investiert und damit gewaltige Managementfehler begangen.
Tatsächlich verlangt die Regionalliga etwa eine Umzäunung des Spielfelds. Schon die Einzäunung des Gästeblocks für Risikospiele wie gegen den VfR Aalen, Kickers Offenbach oder den SSV Ulm bedeutete Aufwand. „Wir haben den Käfig aus eigener Tasche bezahlt“, sagt Cerkez. Derzeit blockiert das Vorkommen von Zauneidechsen die von der Polizei geforderte Stehplatzerweiterung. Risikospiele werden in Nöttingen ausgetragen. Ob der Freiberger Wasen eine Regionalliga-Spielstätte bleiben kann, bleibt ungewisser denn je. Nach einer Schonfrist muss der Aufsteiger bis zur Saison 2024/25 die Forderungen erfüllen. Für die Beteiligten sei wichtig, das Problem erst einmal auszuklammern, betont Dirk Schaible. Dass er gegen Cerkez „gewinnen“ wolle, wie der Präsident frustriert einer Zeitung sagte, sei „einfach Unsinn“.
Nichtöffentliche Debatte am Dienstag
Wie aus gut unterrichteten Kreisen zu erfahren war, will der Bürgermeister mit dem Gemeinderat am Dienstag in nichtöffentlicher Sitzung über die Trainingsfrage beraten. Offenbar wurde das Thema schon im Verwaltungsausschuss in der vergangenen Woche erörtert. Er dürfe den Beratungen nicht vorgreifen, sagt Schaible auf Nachfrage, er wolle auch keinen öffentlichen Schlagabtausch im Vorfeld und werde im Anschluss mit einer Pressemitteilung informieren. Der Ball liegt also bei den Stadträten.