Am Neubau der Heimstiftung an der Hackstraße (oben) sind Fortschritte im Sanierungsgebiet sichtbar. Foto: Jürgen Brand

Das Quartier mit der ADAC-Geschäftsstelle und dem Amtsgericht beim Neckartor könnte im kommenden Jahr in das Sanierungsgebiet Stöckach aufgenommen werden. Die Stadtplaner streben das an, weil dort im Zuge der Erweiterung des Cityrings die Verkehrsführung geändert werden muss.

S-Ost - Das Quartier am Neckartor mit der ADAC-Geschäftsstelle und dem Amtsgericht könnte im kommenden Jahr in das Sanierungsgebiet Stuttgart 29 – Stöckach aufgenommen werden. „Am Neckartor werden wir große Veränderungen bekommen“, sagte Martin Holch vom Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung bei einer Informationsveranstaltung zum Sanierungsgebiet Stöckach am Mittwochabend. Er meinte damit die im Zuge von Stuttgart 21 geplante Ausweitung des Cityrings. Der soll nach der Fertigstellung des Bahnprojekts künftig über die Willy-Brandt-Straße am Neckartor vorbei über die Cannstatter Straße zur Wolframstraße und Heilbronner Straße führen. Dafür muss die Verkehrsführung im Bereich des Neckartors verändert werden. Bei einer ersten öffentlichen Ortsbegehung am Dienstag, 15. Dezember, soll mit Hilfe der Bürger geprüft werden, ob es dort genug Ansatzpunkte gibt, um eine Ausweitung des Sanierungsgebiets zu rechtfertigen.

Ein Thema ist die bessere Anbindung an den Schlossgarten

Ein weiteres mögliches Erweiterungsgebiet ist das Quartier zwischen Neckarstraße, Werderstraße, Reitzensteinstraße und Heinrich-Baumann-Straße. Auch dieser Bereich gehört bisher nicht zum Sanierungsgebiet. Dort stehen im Bereich der zurzeit von der Evangelischen Heimstiftung als Interimsquartier genutzten Gebäude größere Veränderungen an. Auch die Anbindung des Quartiers an den Unteren Schlossgarten ist – ebenso wie am Neckartor – ein mögliches Thema.

Möglich würde eine solche Ausweitung, weil es bei anderen Projekten und Planungen im bestehenden Sanierungsgebiet viele Unsicherheiten gibt. So existieren zwar – auch dank intensiver Bürgerbeteiligung – inzwischen Konzepte und Ideen für die Umgestaltung des Stöckachplatzes und die Neubebauung des Areals der heutigen Hauswirtschaftlichen Schule, das Stadtplanungsamt arbeitet gerade auch an einer Machbarkeitsstudie. Sollten allerdings Teile des Wagenburg-Gymnasiums während der Sanierung des Schulgebäudes in die Räume der ehemaligen Schule ausgelagert werden, passiert dort erst einmal gar nichts. Die Stadtverwaltung strebt wie berichtet eine Teilauslagerung des Gymnasiums an den Stöckachplatz an. Die Schule lehnt das strikt ab, auch der Bezirksbeirat Stuttgart-Ost hat sich dagegen ausgesprochen. Dabei wird vor allem die ehemalige Kaufmännische Schule Süd immer wieder als Ausweichquartier ins Gespräch gebracht. Eine Entscheidung soll im Januar fallen. Sollte das Gebäude am Stöckachplatz Ausweichquartier werden, wären die weiteren Planungen dort voraussichtlich bis mindestens 2021 blockiert.

Heilandsplatz zurückgestellt, Villa Berg noch nicht gekauft

In den vorbereitenden Untersuchungen für das Sanierungsgebiet war die Umgestaltung des Heilandsplatzes ebenfalls als ein mögliches zentrales Projekt erkannt worden. Auch dafür waren Pläne erstellt und die Bürger einbezogen worden. Die Stadtplaner hatten mit einer großen Mehrheit der Anwohner für eine Umgestaltung gerechnet. Allerdings gab es bei einer Infoveranstaltung auch etliche Stimmen, die im Hinblick auf Parkplätze und Verkehrsfluss gar keine Veränderungen dort wollten. Deswegen wurde die Platzumgestaltung zunächst einmal zurückgestellt.

Die dritte große Unwägbarkeit im Sanierungsgebiet Stöckach ist die Villa Berg samt ihrem Park. Das Sanierungsgebiet war im vergangenen Jahr um die Villa erweitert worden. Passiert ist dort bekanntlich wegen dem nach wie vor nicht vollzogenen Kauf der Villa durch die Stadt nichts. Martin Holch sagte bei der Veranstaltung im Gespräch mit Jürgen Brand vom Innenstadt-Teil dieser Zeitung: „Das kann in zwei Tagen oder in zwei Jahren losgehen, das wissen wir einfach nicht.“ Nur einen Tag später machte Oberbürgermeister Fritz Kuhn bei der Abschlussveranstaltung der Initiative Occupy Villa Berg Hoffnung, dass die Stadt bis Ende des Jahres Besitzer der Villa sein wird.

Als Erfolg für das Sanierungsgebiet wertete Holch die Fortschritte beim ehemaligen Gutshof an der Hackstraße, der inzwischen abgerissen ist und wo im kommenden Jahr mit dem Bau eines Wohnhauses begonnen werden soll. Er hob auch die vertrauensvolle Zusammenarbeit in den unterschiedlichen Themengruppen im Rahmen der Bürgerbeteiligung hervor – und präsentierte zusammen mit Martina Schütz von der Gemeinwesenarbeit eine neue Plattform für die Beteiligung der Bürger: ein mit Rollen versehenes rotes Sofa, das in den kommenden Monaten an ganz unterschiedlichen Orten im Stadtteil zum Gespräch einladen soll.

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