„Ich habe ein vernehmbares Aufatmen im Rathaus gehört“: Der neue OB Tobias Degode. Foto: Geronimo Schmidt

Tobias Degode will die ambulante und stationäre medizinische Versorgung nach vorne bringen und setzt auf eine offensive Wirtschaftspolitik

Es sind jede Menge Themen, die den neuen Oberbürgermeister nach seinen beiden ersten Wochen im Amt umtreiben: Natürlich die Stimmung in der eigenen Verwaltung, selbstverständlich die Finanzlage, vor allem aber die wirtschaftliche Entwicklung und die Gesundheitsversorgung in der 50 000-Einwohner-Stadt mit großem Umland.

 

Die Lage im Rathaus beurteilt der parteilose OB äußerst positiv: „Ich kann den Eindruck, der teilweise in der Öffentlichkeit vorherrscht, nicht teilen: Wir haben hier ein tolles und sehr leistungsstarkes Team.“ Natürlich weiß Degode, dass in den vergangenen Jahren gehörig Sand im Getriebe war. Er umschreibt das so: „Ich habe ein vernehmbares Aufatmen gehört. Die Mitarbeiter haben den direkten Kontakt vermisst.“ Unter anderem durch regelmäßige Gesprächsrunden mit den Amtsleitern will er die Informationsflüsse verbessern.

Erweiterung des Gewerbegebiets Leo-West?

Dass er eine pulsierende Wirtschaft für eine funktionierende Stadt für unabdingbar hält, hatte der der 38-Jährige schon bei seiner Amtseinführung gesagt. Konkret will er weitere Unternehmen in Leonberg ansiedeln und dafür auch die Gewerbeflächen vermehren. Möglichkeiten sieht Degode direkt in der Innenstadt auf der Brachfläche in der Poststraße, wo Bosch ursprünglich eine Art Kongresshalle bauen wollte.

Zudem hat er in den Stadtteilen Perspektiven ausgemacht: Das Gewerbegebiet Gebersheim sei ohnehin auf Wachstumskurs, Erweiterungschancen sieht der OB darüber hinaus in Höfingen und Warmbronn. Und auch das Kapitel Leo-West ist für ihn noch nicht abgeschlossen: „Da sollte es noch Möglichkeiten geben.“

Tobias Degode blickt com athausdach auf „seine“ Stadt. Foto: Geronimo Schmidt

Was die allermeisten Menschen freilich umtreibt, ist ein gut aufgestellte Gesundheitsversorgung. Hier bleibt Tobias Degode seiner Linie aus dem Wahlkampf treu und wirbt für ein Medizinisches Versorgungszentrum, kurz MVZ. Hier könnten sich mehrere Facharztpraxen die mitunter äußerst aufwendige Verwaltung teilen. Die Patienten wiederum hätten mehrere medizinische Disziplinen an einer Stelle gebündelt.

Der Oberbürgermeister ist fest davon überzeugt, dass ein MVZ das Krankenhaus stärkt: „Wir müssen die Zahlen sowohl der ambulanten wie auch der stationären Behandlungen nach oben bringen.“ Das Zusammenspiel könne soweit gehen, das sich Fachärzte direkt im Krankenhaus niederlassen würden. Der Platz ist vorhanden. „Würden wir zum Beispiel dafür einen Flügel sanieren, können wir sogar mit Fördermitteln rechnen.“

Um das Krankenhaus zu stärken hält es Degode für unabdingbar, ein Ärztezentrum eben dort anzusiedeln: „Wenn wir mit einem MVZ in die Innenstadt gehen, ist oben an der Klinik Schicht.“ Eine räumliche Nähe oder gar ein direkter Einzug ins Krankenhaus bedeute aber nicht, dass der Landkreis als Eigentümer des Geländes den Ton angibt. „Die Stadt muss die Hand aufs MVZ haben“, sagt der OB klipp und klar. Dafür könne eine neue Gesellschaft gegründet werden. „Auf jeden Fall werden wir die Bedingungen diktieren.“

Bedenken, dass es in dem Bereich kein faires Miteinander zwischen Stadt und Kreis geben könne, hat Degode nicht. Frank Albrecht, Chef der SALZ-Fraktion im Leonberger Gemeinderat und Kreistagsmitglied, hatte jüngst Bedenken geäußert, dass es Landrat Roland Bernhard nicht gut mit Leonberg meine. Degode jedoch sieht kein Probleme in einer sachlichen Zusammenarbeit. „Mir geht es darum, die ambulante Versorgung zu verbessern und die Position des Krankenhauses als Grund- und Regelversorger zu sichern“, erklärte er jetzt im Gemeinderat.

Win-Win-Geschäft für Stadt und Kreis

Das sei für beide Seiten ein Win-Win-Geschäft: Wenn sich die Stadt Leonberg auf dem Krankenhausgelände engagiert, würde der Landkreis als Eigentümer finanziell davon profitieren. Bei einer Kooperation gehe es nicht nur um die medizinischen Projekte, sondern auch um eine fachliche Erweiterung des Berufsschulzentrums und Wohnbebauung im größeren Stil. Erste Gespräche hierzu hat es bereits gegeben.

„All das wäre ein Entgegenkommen an den Landrat, weil er durch unser Mitwirken große finanzielle Vorteile hätte“. Und dass der ohnehin finanziell arg gebeutelte Kreis Böblingen noch größere Probleme bekommt, wenn die Flugfeldklinik in Betrieb geht, liegt für Degode auf der Hand: „Ich sehe am Flugfeld ein tiefrotes Minus.“